Kauf Park Göttingen
Der Kauf Park in Göttingen. (Quelle: Völkel Real Estate)

Nachhaltigkeit & ESG

23. August 2022 | Teilen auf:

Auswirkungen des Notfallplans Gas auf die Einkaufscenter

Die Shopping-Center Branche steht erneut vor einer großen Herausforderung: Wie soll sie mit den Liefereinschränkungen von Gas, steigenden Energiepreisen und dem neuen EU-Notfallplan umgehen? Welche Auswirkungen sind für die Shopping-Center und ihre Mieter zu erwarten und welche Maßnahmen können schon jetzt eingeleitet werden, um die Auswirkungen belastbar zu halten?

Die neue EU-Vorgabe bis März 2023 fünfzehn Prozent verglichen mit dem Durchschnittsverbrauch im gleichen Zeitraum der vergangenen fünf Jahre einzusparen, zwingt zu einem raschen Umdenken. Noch gibt es keine gesetzlichen Vorgaben über eine Priorisierung der Gaszuteilung. Umso wichtiger ist es, vorbereitet zu sein. Die Völkel Real Estate managt in Deutschland 20 Shopping-Center und Fachmarktzentren sowie eine Vielzahl weiterer Gewerbeimmobilien der Nutzungen Retail, Office und Logistik. Nach Bildung einer Taskforce mit Spezialisten aus den verschiedenen Bereichen der Unternehmensgruppe wurde ein Maßnahmenplan erarbeitet, der aus 3 Bausteinen besteht: Bestandsaufnahme, Szenarien und Maßnahmenkatalog.

Bestandsaufnahme

Der erste Baustein befasst sich mit der Erfassung der sehr unterschiedlichen Voraussetzungen in den Immobilien als Grundlage, um objektspezifische Maßnahmen zu entwickeln. Dazu gehört die Feststellung der unterschiedlichen Beheizung in den Objekten von der Öl- und Gasheizung über Fernwärme bis hin zum Blockheizkraftwerk. Weitere Faktoren sind die Art der Türanlagen, das Lüftungskonzept, Module der Wärmerückgewinnung oder Gasverwendung der Mieter. Auch die Mieterstruktur ist zu berücksichtigen, denn Arztpraxen und Behörden sind voraussichtlich auch bei der nächsten Warnstufe mit Wärme zu versorgen.

Szenarien

Basierend auf den erfassten Grundlagen beinhaltet der zweite Baustein die Erarbeitung verschiedener möglicher Szenarien für den kommenden Herbst und Winter. Er beginnt mit Sofortmaßnahmen zur Energieverbrauchsreduzierung wie z.B. der Anpassung der Beleuchtungszeiten oder Laufzeiten der Lüftungsanlagen. Bei Außentemperaturen bis etwa 16° C kann der Centerbetrieb auch bei einem Stopp der Gaslieferungen weitergeführt werden. Fallen die Temperaturen unter 16°C ist ein eingeschränkter Betrieb mit z.B. verringerten Centeröffnungszeiten und technischen Anpassungen bis zu einer Temperatur von etwa 5°C möglich. Fallen die Temperaturen noch tiefer und die Gaslieferung ist unterbrochen, ist aufgrund der Frostgefahr der Betrieb sicherheitsrelevanter Anlagen z.B. für die Sprinkleranlage nicht oder nur eingeschränkt möglich und der Centerbetrieb muss eingestellt werden - die Sicherheit von Menschen geht natürlich vor.

Maßnahmenkatalog

Der dritte und wichtigste Baustein ist der Maßnahmenkatalog zu allen Szenarien und Immobilien-Typen. Er umfasst neben den technischen Maßnahmen auch die Kommunikation mit Mietern, den hauseigenen Technikern und relevanten Dritten, z. B. Versorgern. So wird bei Kunden und Mietern um Verständnis geworben, wenn die Temperatur im Center und den Mietflächen zukünftig etwas niedriger ist als gewohnt. Zu den Maßnahmen mit dem größten Einsparpotential, gehört die GLT-Steuerung, die in der Regel im Automatikbetrieb läuft. Die Möglichkeiten liegen z.B. in der freien Nachtkühlung, einer Absenkung der Vorlauftemperaturen und einem sinnvollen Anpassen der Zeitkataloge. Alle Maßnahmen sind sofort umsetzbar und wirken sich umgehend auf den Energieverbrauch aus. Eine weitere wichtige Aufgabe liegt in der Beratung der Investoren hinsichtlich möglicher mittel- bis langfristiger Investitionen mit Auswirkung auf die Energieeinsparung.

Dazu gehören Optimierungen der Zeitschaltuhren und Bewegungsmelder, die Umrüstung auf LED oder generelle Eingriffe in die Gebäudetechnik. Dies kann z.B. der Austausch des Heizenergieträgers sein oder der Einsatz von Softwarelösungen, die eine GLT optimiert steuern.

Fazit

Es hat sich gezeigt, dass die Bereitschaft an dieser Aufgabe mitzuwirken, in allen betroffenen Bereichen enorm groß ist, daher wurden die ersten Sofortmaßnahmen in einigen Objekten bereits umgesetzt – damit sehen wir, die Völkel Real Estate, das Ziel einer kurzfristigen Ersparnis von 15% als grundsätzlich realistisch an.

Jürgen Brunke Centermanagement Völkel Real Estate.

zuletzt editiert am 23.08.2022