Brandenburger Tor in Berlin
Berlin ist bei der Grundsteuer die teuerste Top-Sieben-Stadt Deutschlands. (Quelle: Andreas Walgenbach/Pixelio.de)

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02. August 2022 | Teilen auf:

Arme Kommunen – hohe Grundsteuer

Die Hebesätze für die Grundsteuer sind im Extremfall um bis zu 365 Prozent angestiegen.

Die Gemeinde Lorch im Rheingau hat den Grundsteuerhebesatz zwischen 2020 und 2021 stärker angehoben als jede andere Gemeinde in Deutschland. Insgesamt stieg der Grundsteuersatz um satte 365 Prozent. Hohenstein im Untertaunus (+273 Prozent), Sankt Augustin bei Bonn (+200 Prozent) und die Gemeinde Deinste bei Stade (+200%) verdoppelten ihre Grundsteuer innerhalb eines Jahres. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Untersuchung des Datenanbieters Empirica Regio GmbH.

In den Metropolen erreichte die Grundsteuer ein Plateau, die Werte befinden sich auf einem mittlerem Niveau. So reichte die Bandbreite von Hebesätzen von 440 Prozent in Düsseldorf über 500 Prozent in Frankfurt am Main, 515 Prozent in Köln, 520 Prozent in Stuttgart, 535 Prozent in München bis zu 540 Prozent in Hamburg. Berlin ist mit einem überdurchschnittlichen Hebesatz von 810 Prozent einsamer Spitzenreiter und hebt damit auch den durchschnittlichen Hebesatz der Top-Sieben-Städte auf 591 Prozent an.

„Wir konnten in unserer Analyse eine Korrelation zwischen der Grundsteuer und der Verschuldung pro Kopf einer Gemeinde feststellen. Faktoren wie Bevölkerungswachstum und Immobilienpreiswachstum spielten dagegen keine Rolle“, erklärt Jan Grade, Geschäftsführer von Empirica Regio. „Die Hebesätze sind in der Transformationsregion Rhein-Ruhr sowie in Berlin am höchsten. Beim Blick auf die Anpassungen ergibt sich ein gemischtes Bild, neben zahlreichen Anpassungen im Nordosten fällt vor allem auf, dass sich die Anpassungen in Bayern sehr in Grenzen hielten.“

„Die niedrigsten Hebesätze für die Grundsteuer finden sich in Schleswig-Holstein, vor allem im ländlichen Raum“, erklärt Grade. „Aber auch wohlhabende urbane Gemeinden bieten teilweise noch außerordentlich niedrige Hebesätze. In einigen Fällen weisen direkt angrenzende Gemeinden nur einen Bruchteil der Hebesätze auf.“

So liegt der Sitz der Deutschen Börse in Eschborn direkt vor den Toren Frankfurts mit einem Hebesatz von 140 Prozent noch innerhalb des Bereichs der zehn niedrigsten Hebesätze in Deutschland und ist damit auch deutlich günstiger als die Frankfurter Kernstadt.

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zuletzt editiert am 02.08.2022