Mann im dunklen Pulli, Frau im weißen Sakko
Das Proptech-Gründerteam Sascha Schütz und Linda Mayr (Quelle: Planstack)

Unternehmen & Köpfe

8. March 2023 | Teilen auf:

"Anfangs rennt man gegen Wände"

Linda Mayr und Sascha Schütz haben 2019 das Proptech Planstack gegründet. Sie sprechen über Hürden, Unterstützungen und die Rolle von Frauen.

Als Sie Planstack gründeten, hatten Sie beide erst rund drei Jahre Berufserfahrung und studierten auch noch nebenher. Wie kamen Sie auf die Idee, da schon ein eigenes Unternehmen zu gründen?

Sascha Schütz: Ich habe Interaktive Medien studiert und hatte schon relativ früh die Idee, zu gründen und eigene Ideen voranzutreiben. Mich hat der Blick auf das Silicon Valley beeinflusst: Wie aus einer kleinen Idee etwas Großes entsteht.

Schon im Bachelor habe ich festgestellt, wie unglaublich viel ungenutztes Potenzial in den Themen Bemusterung und Sonderwunschbehandlung steckt. Wir waren im perfekten Alter, um Risiken einzugehen, und zudem hat uns die Hochschule Augsburg stark unterstützt.

Linda Mayr: Sascha ist Entwickler und hat den technischen Hintergrund, ich komme aus der Bauleitung. Dort habe ich die Erfahrung gemacht, dass es keine Lösungen gibt, wie Kunden und Bauunternehmen einigermaßen entspannt miteinander umgehen können. Das wollten wir ändern. Anfangs waren wir natürlich ein bisschen naiv, aber das war manchmal auch ganz gut.

Wie sind Sie als Team zusammengekommen?

Sascha Schütz: Wir kennen uns schon von der Schule her und haben auch den gleichen Freundeskreis.

Linda Mayr: Zum Masterstudium kam ich dann nach Augsburg, wo auch Sascha studierte. Meinen Bachelor hatte ich zuvor an der Hochschule Mittweida gemacht.

Welche Unterstützung haben Sie für die Gründung erhalten?

Linda Mayr: Die Hochschule hat genau in der Zeit, als wir gründen wollten, ein Start-up-Programm aufgelegt. Dessen Ziel war, einen erfolgreichen Antrag für ein Exist-Gründungsstipendium des Bundes einzureichen. Das Stipendium hat uns gerade im ersten Jahr sehr geholfen. Danach wurden wir auch noch ein Jahr lang durch das bayerische Gründerprogramm gefördert.

Sascha Schütz: Was auch ungemein geholfen hat, war das Digitale Zentrum Schwaben. Dort stand man uns mit Rat und Tat zur Seite. Im Gründungsprozess ist es wichtig, auch Kontakte zu bereits erfolgreichen Gründern herzustellen.

Was hat Sie überrascht?

Sascha Schütz: Gründen ist ein langer Prozess, was man nicht unterschätzen darf. Und die Erwartungen der Bauunternehmen sind hoch: Sie erwarten ein komplexes, umfangreiches Produkt, das alles kann – aber das ist natürlich nicht so.

Welche konkreten Hürden gab es?

Sascha Schütz: Jeder unterschätzt die Bürokratie, sie kostet viel Zeit, aber da muss man durch. Dazu kommt, dass in unserer sehr konservativen Branche vieles langsamer läuft als erwartet, bis der Kunde dann unterschreibt. Als junges Start-up wird man auch nicht ganz so ernst genommen.

Linda Mayr: „Jung“ und „innovativ“ wird mit „unerfahren“ gleichgesetzt. Wir hatten ein Pilotprojekt, aber keiner wollte der erste Kunde sein.

Was ist Ihnen wichtig?

Linda Mayr: Wir finden es wichtig, mit unseren Kunden im direkten und regelmäßigen Austausch zu bleiben. Dann kommt dabei ein Produkt heraus, das ihnen wirklich hilft.

Sascha Schütz: Das Feedback der Kunden motiviert uns ungemein. Wir bauen auch einzelne Features nach ihren Wünschen.

Welches Mindset ist vorteilhaft als Gründerin und Gründer?

Sascha Schütz: Vorteilhaft ist es, wenn man eine hohe Lernbereitschaft mitbringt, denn wir mussten anfangs viel lernen. Sich intensiv mit Themen zu beschäftigen, die sich mit der Zeit verschieben, und sich kontinuierlich weiterzuentwickeln, darauf kommt es an. Auch eine Hands-on-Mentalität ist wichtig. All das bringt einen auch persönlich weiter.

Linda Mayr: Anfangs rennt man gegen Wände. Also muss man ausdauernd und hartnäckig sein, und im fünften Anlauf klappt es dann auch.

Wie hat es mit dem Einwerben von Kapital geklappt?

Linda Mayr: Wir haben in den ersten anderthalb Jahren viel über die Förderprogramme bekommen. Bei Investoren war das Thema Proptech damals aber noch relativ neu. Daher mussten erst größere Investments in andere Proptechs zeigen, dass ein Investor Vertrauen haben kann. Wir haben dann Kapital aus den Bereichen Business Angels und Company Builder erhalten. Unsere Investoren sind Interlink Ventures und High Rise Ventures.

Sascha Schütz: Überzeugt hat sie, dass wir das Potenzial und die Flexibilität unseres Produkts zeigen konnten: Neben unserer Hauptzielgruppe, den Bauträgern im Neubauvertrieb, wird Planstack auch von Hausverwaltungen im Immobilienbetrieb oder von Architekturbüros und Kommunen zum Austausch mit allen Beteiligten eingesetzt. Und wir beide, Linda und ich, ergänzen uns auch fachlich gut.

Welche nächsten Schritte planen Sie?

Sascha Schütz: Wir wollen unsere bestehenden Features bei der Bemusterung, dem 3D-Konfigurator und dem Sonderwunschmanagement ausbauen. Auch das Baumanagement und die digitale Hausverwaltung wollen wir ausbauen. Mittlerweile betreuen wir schon mehr als 4.000 Einheiten.

Und wir haben festgestellt, dass Daten immer wichtiger werden und darauf basierend vieles möglich wird: zum Beispiel Auswertungen des Käuferverhaltens und Prognosen. Wir wollen auch stärkere Synergien mit Industriepartnern schaffen und Datensilos aufbrechen, denn das wird immer relevanter.

Linda Mayr: Viele Firmen haben es bisher mit Insellösungen probiert, aber es ist wichtig, eine Datenkonsistenz herzustellen. Trotzdem wird es die eierlegende Wollmilchsau, die anfangs alle wollten, nicht geben. Sinnvoller ist es, auf zwei oder drei hochspezialisierte Lösungen zu setzen und sie dann smart zu vernetzen.

"Bei manchen Sprüchen höre ich einfach weg"

Frau Mayr, Sie sind eine der wenige Proptech-Gründerinnen. Was könnte andere Frauen daran hindern, es Ihnen gleichzutun?

Linda Mayr: Die Branche ist von Männern dominiert, da gibt es viele Vorurteile und Barrieren. Das kann Frauen verschrecken. Ich habe erlebt, dass ich als Frau nicht so hundertprozentig ernst genommen werde. Dann ändern wir intern den Ansprechpartner. Und bei manchen Sprüchen höre ich einfach weg. Wichtig ist, dass man sich viel in Netzwerken bewegt, das hilft.

Was ist nötig, dass sich hier etwas ändert?

Linda Mayr: Weil im Studium schon viel entschieden wird, sollte es dort eine gezielte Förderung von Frauen geben, und man sollte Netzwerke schaffen, damit sie mit Gründerinnen in Kontakt kommen.

Sascha Schütz: Das A&O ist, gute Beispiele zu zeigen. Auch für Investoren, die bisher mehr Geld in Gründer als in Gründerinnen investieren. Das wird einen Domino-Effekt geben.

Das Gespräch führte Roswitha Loibl.

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zuletzt editiert am 08.03.2023