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Wohnungsbau mit Beharrungsvermögen

Corona-Folgen für Bautätigkeit: Gewerbegebäude voraussichtlich stärker betroffen als Wohnhäuser.

Auf eine Delle folgt ein Anstieg. Diese Prognose für 2020/21 wagt das Marktforschungsunternehmen Heinze, das auf die Bauwirtschaft spezialisiert ist, für den Wohnungsbau. Bei den Nichtwohngebäuden werde sich dagegen der zyklische Abschwung, der sich bereits abzeichnete, fortsetzen.

Der Mehrfamilienhausbau hätte unter normalen Umständen im Jahr 2020 um mehr als zehn Prozentpunkte zugelegt, schreiben die Marktforscher. Dies ließen die zweistelligen Zuwächse der Genehmigungen zum Jahreswechsel erwarten. Doch in der jetzigen Situation prognostizieren sie, dass die Genehmigungszahlen zur Mitte des Jahres deutlich einbrechen werden und sich dann in der zweiten Jahreshälfte wieder erholen. In der Summe werde es bei einer Stabilisierung bleiben.

Der Aufschwung des Mehrfamilienhausbaus bleibe im Grunde intakt, denn es fehle nicht an Nachfrage. Diese Aussage begründen die Researcher damit, dass der Förderrahmen geklärt sei und von den Akteuren angenommen werde. Bessere Anlagemöglichkeiten seien derzeit ohnehin Mangelware. In absoluten Wohneinheiten gerechnet, werde das Fertigstellungsvolumen aber auch 2021 deutlich unter den Werten liegen, die ohne die Corona-Krise möglich gewesen wären.

Die Prognose befasst sich auch mit dem Nichtwohnbau: Dort sind die Verhältnisse anders. Wer davon ausgehe, dass die Corona-Krise den Abschwung im Nichtwohnbau verursacht, habe die Dynamik des Nichtwohnbaus nicht berücksichtigt. Heinze habe bereits in seiner Mittelfristprognose im Herbst 2019 vorausgesagt, dass der Nichtwohnbau in den Jahren 2020 und 2021 vor einem zyklischen Abschwung steht, der bereits im Jahr 2019 einsetzt und erst 2022 auslaufen wird.

Die Frage ist somit, wie die Corona-Krise diese Entwicklung verstärkt und verzerrt. Am stärksten trifft es die wohnähnlichen Betriebsgebäude, die in den letzten fünf Jahren durchschnittlich um zehn Prozent zugelegt haben und mit der Fallhöhe nun ein Problem haben. Vor allem im Bauprozess und damit in den Fertigstellungen sind die Folgen noch spürbarer.

Autorin: Roswitha Loibl

26.03.2020