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Berlin Hyp: „Wir haben als vorsichtige Kaufleute agiert“

Die Berlin Hyp hat ihre aktuellen Halbjahreszahlen vorgelegt. Was Sascha Klaus, Vorstandsvorsitzender der Berlin Hyp, zur Entwicklung der Bank und zu den jüngsten Fusionsgerüchten sagt, lesen Sie im Interview?

Sascha Klaus, Vorstandsvorsitzender der Berlin Hyp (Bild: Berlin Hyp/ Hoffotografen)
Sascha Klaus, Vorstandsvorsitzender der Berlin Hyp (Bild: Berlin Hyp/ Hoffotografen)

Im ersten Halbjahr 2017 ist es Ihnen gelungen, das Neugeschäftsvolumen im Vergleich zum ersten Halbjahr 2016 leicht zu steigern. Was hat am stärksten dazu beigetragen?
Sascha Klaus: Wir sind immer stärker bevorzugter Ansprechpartner bei komplexen Transaktionen und Landmark-Immobilien. Beispiele sind Cross-Border-Investments, große Wohnportfolios, Projektentwicklungen von Shoppingcentern und gemischten Immobilien mit Büro und Einzelhandel, aber auch Parkhäuser in verschiedenen Ländern.

Wo liegen aktuell die größten Herausforderungen bei der Akquise von Neugeschäft?
Sascha Klaus: Speziell in Deutschland ist der Wettbewerb intensiv, und es herrscht ein großer Druck auf die Margen. Wir sehen langsam steigende Risikoprofile, aber wir haben eine sehr konsequente Risikopolitik. Qualität geht vor Quantität.

Das Vorsteuerergebnis ist um mehr als 40 Prozent gestiegen. Welche Faktoren sind aus Ihrer Sicht entscheidend dafür?
Sascha Klaus: Wir wachsen beim operativen Geschäft. Unser Zinsüberschuss ist um 3,6 Prozent gestiegen. Dass gleichzeitig der Provisionsüberschuss leicht zurückgegangen ist, liegt daran, dass 2016 ein außergewöhnliches Jahr war. Wenn man aber die beiden Posten zusammennimmt, haben wir uns gesteigert.

Günstig hat sich aber auch ausgewirkt, dass die Risikovorsorge und die Einstellungen in den Fonds für allgemeine Bankrisiken zurückgefahren wurden. Was ist der Hintergrund dafür?
Sascha Klaus: Die höhere Risikovorsorge in 2016 bedeutete nicht, dass wir problematische Darlehen hatten, sondern dass wir als vorsichtige Kaufleute agiert und Reserven gebildet haben. Der Markt für leistungsgestörte Darlehen ist im Moment sehr gut, sodass wir nur noch ein ganz kleines Portfolio haben.

Das Verbundgeschäft mit den Sparkassen ist vom Volumen her gesunken. Wo liegen dabei die Herausforderungen?
Sascha Klaus: Das ist nur eine Momentaufnahme, wir haben aktuell viel in der Pipeline. Wir werden kein Problem haben, die Zahl des Gesamtjahres 2016, rund 1,5 Milliarden Euro, auch in 2017 wieder zu erreichen.

Welche Prognose wagen Sie generell für das Gesamtjahr 2017?
Sascha Klaus: Wir werden deutlich über dem Ergebnis (vor Gewinnabführung) von 2016 liegen, das 73 Millionen Euro betrug.

Mit Ihrem dritten Green Bond, der im Juni emittiert wurde, sind Sie auf reges Kaufinteresse gestoßen. Wie beurteilen Sie die Aufnahmefähigkeit dieses Marktsegments?
Sascha Klaus: Sie ist schon sehr gut und verbessert sich immer weiter. Denn die Anzahl der Social Responsible Investments steigt. Es wird nicht unsere letzte Emission eines Green Bond gewesen sein. Wir bieten aber nicht nur grüne Pfandbriefe, sondern auch grüne unbesicherte Anleihen. Wir sind bislang die einzige Bank weltweit, die beides emittiert hat.

Und wie sieht es mit dem „grünen Futter“ aus?
Sascha Klaus: Momentan haben wir in unserem Darlehensportfolio einen Anteil von knapp 15  Prozent an Green Buildings. Diesen Anteil wollen wir bis 2020 auf 20 Prozent erhöhen. Wir sind zudem die einzige Bank im Markt, die Incentives für Green Buildings gibt: Wir gewähren bei den Darlehenszinsen einen Abschlag von bis zu zehn Basispunkten.

Wie „grün“ ist die Berlin Hyp selbst?
Sascha Klaus: Die Investoren achten in zunehmendem Maße auf die Nachhaltigkeit des Emittenten selbst. Wir sind EMAS-zertifiziert. Die Nachhaltigkeitsanforderungen umzusetzen, ist nicht einfach, und sie werden auch immer strenger. Beispiele für unsere Nachhaltigkeitsstrategie sind die  Dienstwagen, die künftig reine E- oder  Plug-in-Hybridfahrzeuge sind, und wir haben auch Dienstfahrräder. Zahlreiche Mitarbeiter haben sich an der Mission E, einer Energieeffizienzkampagne beteiligt. Es handelt sich um verschiedenste Maßnahmen, die wir stetig weiterentwickeln.

Durch den Markt geistern Gerüchte, dass die Berlin Hyp mit der Deutschen Hypo fusionieren soll. Welche Signale vernehmen Sie?
Sascha Klaus: Das ist eine Angelegenheit der Eigentümer. Wir konzentrieren uns auf die Weiterentwicklung der Bank.

Interview: Roswitha Loibl

10.08.2017