zurück

Wie innovativ ist die Immobilienwirtschaft?

Mit Innovationen hat es die Immobilienwirtschaft nicht so eilig. Laut einer Studie sieht sie sich trotz des rasanten technologischen Wandels keinem besonderen Druck zu Veränderungen gegenüber.

In der Beratung wird der Druck zu Innovationen bereits deutlich erkennbar als Gefahr wahrgenommen (Quelle: ebs REMI/Innovationsbarometer 2017)
In der Beratung wird der Druck zu Innovationen bereits deutlich erkennbar als Gefahr wahrgenommen (Quelle: ebs REMI/Innovationsbarometer 2017)

Die Unternehmen der Immobilienwirtschaft haben in Sachen Innovation und Transformation die Ruhe weg. Abwarten und nichts überstürzen, scheint die Devise zu sein, wenn man die Ergebnisse des „Innovationsbarometers 2017“ auf einen Nenner bringt.

Herausgebracht hat die Studie das EBS REMI Kompetenz-Center Innovation & Entrepreneurship, das mit dem Innovationsbarometer in vier Subsektoren den Transformationsdruck auf die Immobilienwirtschaft ermittelt hat. Aufgesplittet sind die Ergebnisse nach den Sektoren Beratung, Investment, Immobilienmanagement und Finanzierung.

Das Innovationsbarometer 2017 steht auf der Website des EBS REMI Kompetenz-Center Innovation & Entrepreneurship zum Download bereit.

Obwohl in allen Sektoren der technologische Fortschritt, neue regulatorische Vorgaben und neue Marktteilnehmer wie Proptechs wichtige Themen sind, sehen sich die etablierten Unternehmen keinem erhöhten Transformationsdruck ausgesetzt. Im Gegenteil: In den Sektoren Investment und Finanzierung schätzen die Marktplayer das Gefahrenpotenzial sogar geringer ein als vor einem Jahr. „Das hat damit zu tun, dass die Wahrnehmung der Unternehmen der Immobilienwirtschaft reaktiv ist“, erklärt die Autorin der Studie Susanne Hügel. Soll heißen: Die Unternehmen sind sich bewusst, dass Anpassungen bei Regulierungen und technologische Entwicklungen in Zukunft Veränderungen von ihnen erfordern, aber sie wartet erst einmal ab. Nach dem Motto: „Da kommt zwar etwas auf uns zu, aber im Moment sind wir noch entspannt.“

Proptechs nicht als Gefahr bewertet
Die Proptechs, die neue technologische Lösungen in den Markt tragen, sehen die meisten etablierten Unternehmen nicht als Gefahr für ihre eigenen, eher breit angelegten Geschäftsmodelle. Zu gering seien deren Marktanteile, zu spezialisiert ihre Lösungen oder die Start-ups fischen mit Zielkunden im Retail-Bereich schlicht in einem anderen Kunden-Teich.

„Die Unternehmen sind überzeugt, dass ihnen die Digitalisierung hilft, ihre eigenen Prozesse zu verbessern“, sagt Hügel. Häufig merken die Unternehmen auch jetzt erst, welches Potenzial ihre bestehenden Software-Tools ihnen heute schon bieten.

Noch am ehesten unter Druck sehen sich die Beratungen. Denn die Anforderungen ihrer Kunden steigen, der Wettbewerbsdruck hat zugenommen, ebenso wie die Investitionskosten etwa für IT. Zugleich benötigen die Kunden aufgrund zunehmender Komplexität aber auch mehr Berater-Know-how, was wiederum positiv ist.

 Im Immobilienmanagement herrscht vor allem ein hoher Preisdruck, weil sich Leistungen und Qualität kaum unterscheiden. Globale Anbieter übernehmen eine Art Vorreiterrolle, weil sie sich – auch durch Übernahmen -  „ein Stück weit neu erfinden und sich strategisch neu ausrichten“, sagt Susanne Hügel. Als Beispiel hierfür kann wohl CBRE gesehen werden, die als erstes Immobilien-Schwergewicht auf der Cebit vertreten waren und verstärkt technische Komponenten der Immobilie in den Mittelpunkt stellen.

Autor: Markus Gerharz

10.04.2017