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Vorstände mit Frauenquote

Etliche börsennotierte Immobilienunternehmen erfüllen die Vorgaben bereits, obwohl das Gesetz zur Frauenquote in Vorständen nicht für sie gelten wird.

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Susanne Schröter-Crossan sitzt seit 2020 im Vorstand der LEG Immobilien AG. (Bild: André Loessel)

Die Frauenquote für Unternehmensvorstände kommt. Wenn das Gremium vier oder mehr Mitglieder zählt, so muss mindestens eine Frau (und ein Mann) dabei sein. Wird der Posten nicht entsprechend besetzt, muss er frei bleiben. Das Bundeskabinett hat diesen Gesetzentwurf in dieser Woche verabschiedet.

Die Vorschrift gilt allerdings nur für börsennotierte und paritätisch mitbestimmte Unternehmen, rund 70 an der Zahl. Im Bau- und Immobilienbereich fallen Hochtief und Bilfinger darunter. Aber die Quote sollte auch ein Ansporn sein für andere Großunternehmen der Branche.

Die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY hat den Frauenanteil in Vorständen untersucht. Das Ergebnis: Im Jahr 2020 waren bei den Dax-Unternehmen 15,7 Prozent der Vorstände Frauen, im MDax lag die Quote bei 11,2 Prozent. 23 Prozent der Vorstände von Dax-Unternehmen sind rein männlich besetzt, im MDax sind es allerdings 63 Prozent, in deren Führungsgremium keine einzige Frau sitzt.

Für die Hochtief Aktiengesellschaft gilt bis zum 30. Juni 2022 eine Zielgröße von null Prozent Frauenanteil im Vorstand. „Dies schließt eine Steigerung des Frauenanteils bis zum Ablauf der Umsetzungsfrist nicht aus“, heißt es im Corporate-Governance-Bericht des Konzerns. Aktuell besteht der Vorstand aus vier männlichen Mitgliedern.

Bei der Bilfinger SE ist man schon weiter, als es das Gesetz vorschreibt. Der Vorstand besteht aus zwei Männern und einer Frau. Die 54-jährige Schwedin Christina Johansson ist dort für die Finanzen zuständig.

Alle anderen börsennotierten Immobilienunternehmen fallen nicht unter die gesetzliche Quote – doch etliche von ihnen erfüllen sie auch ohne diese Vorschrift. Bei der Vonovia SE sitzt bereits seit 2018 eine Frau im Vorstand, der aus vier Mitgliedern besteht. Die 50-jährige Helene von Roeder ist CFO.

Die TAG Immobilien AG wird schon seit Jahren von einem quotengerechten Vorstand geführt: drei Mitglieder, eines davon weiblich. Die 48-jährige Claudia Hoyer bekleidet ihren Posten als COO seit 2012.

Die Patrizia AG hat ihren Vorstand Anfang 2020 stark vergrößert. Er umfasst sieben Mitglieder, davon eine Frau: Die 59-jährige Anne Kavanagh gehört dem Gremium als Chief Investment Officer seit 2017 an.

Die LEG Immobilien AG hat im vergangenen Jahr die 41-jährige Susanne Schröter-Crossan als CFO in ihren Vorstand geholt, der aus insgesamt drei Mitgliedern besteht.

Die DIC Asset AG erfüllt die Diversitäts-Erwartungen schon seit einigen Jahren: Sonja Wärntges (53) sitzt seit 2017 dem vierköpfigen Vorstand des Unternehmens vor. Von 2011 bis 2017 war sie CFO des Unternehmens.

Die Aroundtown SA hat in ihrem sechsköpfigen Board of Directors zwei weibliche Mitglieder sitzen: Jelena Afxentiou ist als Director schon seit sechs Jahren dabei, und Simone Runge-Brandner als Independent Director seit etwas mehr als einem Jahr.

Ein großes Unternehmen, das jedoch nicht an einer deutschen Börse notiert ist, ist die Drees & Sommer SE mit ihren rund 3.800 Mitarbeitern. Auch sie hat ihren Vorstand im vergangenen Jahr um ein weibliches Mitglied erweitert: Izabela Danner (46) gehört ihm seit Juli 2020 an.

Zu den Unternehmen mit alten Strukturen zählt die Deutsche Wohnen SE. Ihr vierköpfiger Vorstand ist rein männlich.

Die weiteren börsennotierten Immobilienunternehmen haben nur zwei- oder dreiköpfige Vorstände und würden auch deshalb nicht unter die gesetzliche Quote fallen.

Autorin: Roswitha Loibl

07.01.2021