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Stadtsoziologe lehrt zum Wohnen im Quartier

Dr. Jan Üblacker hat zum 2. Juni eine von Vonovia gestiftete Professur an der EBZ Business School in Bochum angetreten.

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Prof. Dr. Jan Üblacker. (Bild: Elisabeth Kindler)

Mit netten Nachbarinnen und Nachbarn angenehm im Quartier wohnen – reine Glückssache? Nicht unbedingt. Wie, wo und mit wem man wohnt und welche sozialen, ökonomischen und organisationalen Faktoren diese Entscheidung beeinflussen, sind Fragen, die die soziologische Stadtforschung seit jeher beschäftigen. Und diese werden in Zeiten von demografischem Wandel, Zuwanderung und Digitalisierung immer häufiger auch von der Wohnungswirtschaft gestellt. Antworten in Forschung und Lehre werden ab sofort an der EBZ Business School – University of Applied Sciences erarbeitet: Am 2. Juni 2020 tritt mit Dr. Jan Üblacker ein renommierter Stadtsoziologe die neue Professur „Quartiersentwicklung, insbesondere Wohnen im Quartier“ an. Die Professur wurde von Vonovia gestiftet. Die Förderdauer beträgt mindestens fünf Jahre und wird mit einer Summe von 500.000 Euro finanziert.

Dr. Jan Üblacker studierte in Augsburg, Köln und Ankara Soziologie und wurde 2017 zum Thema „Gentrifizierungsforschung in Deutschland“ am Institut für Soziologie und Sozialpsychologie der Universität zu Köln promoviert. Seine wissenschaftlichen Schwerpunkte liegen in den Bereichen Gentrifizierung, Nachbarschaft und Quartier, Wohnen und Wohnungsmärkte, sozialräumliche Integration und soziale Ungleichheit. Seit Kurzem beschäftigt er sich zudem mit den Auswirkungen der Digitalisierung auf das nachbarschaftliche Zusammenleben. Die Arbeiten daran vertiefte er unter anderem in der Forschungsgruppe Sozialraum Stadt am Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung in Dortmund.

Den Soziologen Dr. Jan Üblacker interessieren an einem Quartier die Sozialstruktur und das soziale Miteinander, die gebaute Umgebung und die wohnungswirtschaftliche Entwicklung, die infrastrukturelle und gewerbliche Ausstattung sowie Fragen des Images und der räumlichen Reputation. „Diese Dinge stehen in Wechselwirkung miteinander und bilden einen Kontext für die soziale Integration des Individuums in seine Nachbarschaft. Typischerweise weisen Quartiere unterschiedliche Merkmale auf, woraus sich verschiedene Qualitäten des nachbarschaftlichen Zusammenlebens innerhalb einer Stadt ergeben können.“

Quartiere sind demnach komplexe Systeme, die auf gesellschaftliche Veränderungen mitunter empfindlich reagieren. Und hier kommen, so Dr. Üblacker, die deutschen Immobilienunternehmen ins Spiel. „Viele von ihnen verfügen über räumlich konzentrierte Wohnungsbestände, die einen Quartierszusammenhang abbilden. Sie beeinflussen die Entwicklung von Quartieren durch Bewirtschaftungs- und Investitionstätigkeiten, Belegungspraxis, Mietpreisgestaltung, Bestandsentwicklung und Neubau zum Teil erheblich. Welche Faktoren die vielfältigen wohnungswirtschaftlichen Akteure dabei leiten und wie sich diese Vorgänge auf die Mieterschaft, den nachbarschaftlichen Zusammenhalt und die Stadtgesellschaft auswirken, sind spannende Fragen, die es auf Basis empirischer Forschungen zu klären gilt.“ Dr. Jan Üblacker freut sich auf den Austausch mit den Studierenden. „Ich möchte ihnen nahebringen, das Feld der Wohnungswirtschaft nicht nur aus einer ökonomischen Perspektive zu betrachten. Denn Wohnraum ist nicht nur als Wirtschaftsgut zu begreifen, sondern auch als soziales Gut.“

03.06.2020