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Versteht eigentlich jemand seinen CEO?

Renditen, Marktklima, Wirtschaftlichkeit: Es gibt kaum etwas, dass man nicht messen kann. Das gilt auch für Spitzenmanager und die Verständlichkeit ihrer Reden. Einer der aktuellen „Besser-Redner" ist übrigens ein Immobilien-CEO.

Telekom-CEO Timotheus Höttges ist der beste Redner unter den Dax-CEOs (Foto: Telekom AG)
Telekom-CEO Timotheus Höttges ist der beste Redner unter den Dax-CEOs (Foto: Telekom AG)

Es gibt unzählige Rankings, Listen und Tabellen zu allen möglichen Themen - auch und gerade in der Immobilienwirtschaft. Kaum vorstellbar, unter dieser Masse an Reports und Analysen noch einen neuartigen Index zu finden.

Die Universität Hohenheim hat einen Index, der zwar nicht ganz neu ist, den aber sicherlich nur die wenigsten kennen: der Verständlichkeits-Check. Wer jetzt erstmal nichts versteht, braucht sich keine Sorgen machen. Der Index untersucht die Verständlichkeit von Spitzenmanagern deutscher Dax-Unternehmen anhand ihrer Reden auf den Hauptversammlungen. Auf einer Skala von 0 bis 20 bewerten die Wissenschaftler seit 2012 die CEOs und ihre Verständlichkeit.

Beispiele für Wortungetüme in den Reden der Vorstandsvorsitzenden (Quelle: Hohenheimer Verständlichkeitsindex)
Beispiele für Wortungetüme in den Reden der Vorstandsvorsitzenden (Quelle: Hohenheimer Verständlichkeitsindex)

Keiner ist besser als Telekom-Boss Höttges
Die aktuellen Ergebnisse: Die Reden deutscher CEOs sind immer besser zu verstehen. Im Schnitt erreichen die Werte in diesem Jahr 14,4 Punkte. Damit hat sich die formale Verständlichkeit nun zum fünften Mal in Folge verbessert. Nach dem Hohenheimer Verständlichkeits-Index erreicht Timotheus Höttges (Telekom) mit 19,8 Punkten den höchsten bisher gemessenen Wert. In den letzten sechs Jahren war kein Redner verständlicher als der Vorstandsvorsitzende der Telekom.

Auf dem zweiten Platz folgt ein CEO-Neuling: Mit 19,1 Punkten bietet Stephan Sturm von Fresenius SE eine Top-Leistung. Auf Platz 3 folgt Dr. Frank Appel (Deutsche Post) mit 18,9 Punkten.

Vonovia-Chef Buch ist Verständlichkeits-Aufsteiger
Einige Redner bemühen sich, Fachsprache so zu übersetzen, dass auch fachfremde Personen den Inhalt der Rede verstehen. „Für den Auf- und Ausbau von Reputation ist dies sinnvoll“, meint Professor Dr. Brettschneider von der Universität Hohenheim. Einen besonders deutlichen Verständlichkeits-Sprung, so der Experte, haben in diesem Jahr vor allem Rolf Buch (Vonovia) und Dr. Kurt Bock (BASF) mit über vier Punkten Verbesserung zu verzeichnen.

Der Hohenheimer Verständlichkeits-Index: die formale Verständlichkeit von CEO-Reden auf den Hauptversammlungen 2017
Der Hohenheimer Verständlichkeits-Index: die formale Verständlichkeit von CEO-Reden auf den Hauptversammlungen 2017

Dennoch verschenken nach wie vor einige Spitzenmanager die Chance, mit ihren Reden eine breitere Öffentlichkeit zu erreichen. Auf den hinteren Plätzen im CEO-Ranking finden sich – mit weniger als zehn Punkten – der Vorstandsvorsitzende der Allianz, Oliver Bäte (9,4) und Henkel-Chef Hans Van Bylen (8,9 Punkte). Das Schlusslicht bildet Linde-Chef Dr. Aldo Belloni (5,9 Punkte). „Damit ist die Rede von Dr. Belloni nur wenig verständlicher als eine politikwissenschaftliche Doktorarbeit“, sagt Professor Dr. Brettschneider. Mit durchschnittlich 17,8 Wörtern formuliert er auch die längsten Sätze aller Redner. Auffällig sei zudem, dass es sich bei vier der fünf letzten Plätze um Reden von CEO-Neulingen auf ihren Positionen handelt.

Die größten Verständlichkeitshürden:

  • Bandwurmsätze
  • abstrakte Begriffe
  • zusammengesetzte Wörter
  • nicht erklärte Fachbegriffe

Grobe Verstöße gegen Verständlichkeits-Regeln finden sich in den Reden deutlich seltener als in früheren Jahren. Allerdings verwenden immer noch viele CEOs Passiv-Formulierungen. Es bleibt unklar, wer eigenltich handelt. Besonders häufig finden sich Passiv-Formulierungen in der Rede von Dr. Belloni (13,9 Prozent aller Sätze). In der Rede des Erst-Platzierten Höttges sind es nur 0,2 Prozent.

21.06.2017