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Veränderte Arbeitswelten bewirken Umbruch im CREM

Rund die Hälfte der gegenwärtig genutzten CRE-Flächen werden in den nächsten zehn Jahren ersetzt werden müssen.

Die Veränderung der Arbeitswelten schlagen sich in einem bislang ungeahnten Ausmaß in neuen Immobilienanforderungen der Unternehmen nieder. Das ist eines der zentralen Ergebnisse der neuesten Studie von Corenet Global, die der ZIA Zentraler Immobilien Ausschuss, Spitzenverband der Immobilienwirtschaft, in Auftrag gegeben hat. Prof. Dr. Andreas Pfnür, Autor der Studie und Leiter des Fachgebiets Immobilienwirtschaft und Baubetriebswirtschaftslehre, TU Darmstadt: „Die befragten Unternehmen gehen davon aus, dass circa die Hälfte der gegenwärtig genutzten CRE-Flächen in den nächsten zehn Jahren ersetzt werden müssen. Damit ist die gesamt Welt des Corporate Real Estate Managements (CREM) im Umbruch.“

Größter Auslöser ist laut Studie die digitale Transformation die buchstäblich „keinen Stein auf dem Anderen“ lässt. In rund zwei Drittel der Unternehmen treibt vor allem die Digitalisierung von Geschäftsmodellen, Produkten und Prozessen die Nachfrageänderung bei Nutzungskonzepten und Standorten von Immobilien. Darüber hinaus bedingen sozio-demografische Veränderungen, das steigende Umwelt- und Gesundheitsbewusstsein sowie die Urbanisierung die immobilienwirtschaftliche Transformation in der Mehrheit der Unternehmen.

Pfnür: „Interessant ist, dass die wirtschaftlichen Chancen und Risiken von CRE-Managern zwar klar erkannt werden, dennoch sind die Immobilien im Strukturwandel in wenigen Unternehmen handlungsrelevant. Erst in 31 Prozent der Unternehmen spürt der CRE-Bereich aktuell den Einfluss dieses Wandels. Das heißt: Unternehmen nehmen die Herausforderung der immobilienwirtschaftlichen Transformation bislang kaum an.“ Neben der mangelnden Priorität sind die zu geringen Kapazitäten der deutschen Bau- und Immobilienwirtschaft die wichtigste Hürde der immobilienwirtschaftlichen Transformation deutscher Unternehmen. „Allein in den befragten Unternehmen induziert der Strukturwandel einen jährlichen Bedarf an Bauleistungen im Wert von 9,3 Milliarden Euro. Hochgerechnet auf den Gesamtbestand des Immobilienvermögens ergibt sich ein jährlicher Baubedarf in Höhe von 88 Milliarden Euro. Die immobilienwirtschaftliche Transformation droht demnach die deutsche Bau- und Immobilienwirtschaft zu überfordern“, führt Pfnür aus.

Den Ergebnissen der Studie zufolge betrifft der Wandel alle Assetklassen. Entgegen landläufiger Vermutungen allerdings bleiben die empirisch ermittelten Flächenbedarfe der Unternehmen je nach Nutzungsart in der Summe weitgehend konstant bis leicht steigend. Der Strukturwandel wird allerdings dazu führen, dass die Nachfrage nach Flächen in Stadtrandlagen um 5 Prozent zunehmen und im ländlichen Raum um 5 Prozent abnehmen wird. Der Autor der Studie erläutert: „Diese Effekte sind erheblich und dürften zu deutlich spürbaren Veränderungen der Entwicklung von Städten und Gemeinden führen.“

Björn Christmann, Präsident von Corenet Global in Central Europe, kommentiert: „Insgesamt zeigen die Studienergebnisse, dass die Transformation nur in einem zwischen Personalwirtschaft, Informations- und Kommunikationstechnologie und betrieblicher Immobilienwirtschaft gemeinsam geplanten Unternehmensökosystem erfolgen kann. CRE ist also längst ein ´Partner auf Augenhöhe´, denn es vereint nicht nur die reinen Immobilienaspekte, sondern ist auch direkt in die Kultur- und Strategieentwicklung eines Unternehmens involviert, leistet seinen Beitrag im Hinblick auf die Mitarbeiterförderung und -gewinnung, ist aber auch gleichzeitig der Motor, um die technologische Weiterentwicklung und Digitalisierung zu fördern.“

Von der immobilienwirtschaftlichen Transformation sind laut Pfnür mit hoher Wahrscheinlichkeit die Unternehmen alleine überfordert: Damit entsteht ein bislang nicht beachtetes Risiko, dass die digitale Transformation der Arbeitswelten an der mangelnden Verfügbarkeit der benötigten immobiliaren Ressourcen scheitert. „Um die Wettbewerbsfähigkeit der einzelnen Unternehmen, der regionalen Wirtschaftsräumen und der deutschen Volkswirtschaft als Ganze abzusichern und Standortrisiken auszuschließen, bedarf es der Unterstützung der öffentlichen Hand. Hier haben wir konkrete Handlungsempfehlungen in der Studie formuliert. So könnte beispielsweise ähnlich den Regierungsprogrammen ´Zukunft der Arbeit´ oder ´Digitale Agenda´ eine Initiative ´Immobiliare Infrastruktur´ von der öffentlichen Hand aufgelegt werden“, so Pfnür.

Dr. Andreas Mattner, Präsident des ZIA Zentraler Immobilien Ausschuss: „Das Potenzial, das durch ein professionelles Corporate Real Estate Management entsteht, wird aktuell noch nicht ausreichend ausgeschöpft. Dies ist umso wichtiger angesichts der großen strukturellen Herausforderungen in diesem Bereich – darunter die fortschreitende Digitalisierung und sich verändernde Nutzungskonzepte und Standortfaktoren für Immobilien. Dieser Transformationsprozess muss auf Seiten der Politik viel stärker als bislang verfolgt werden, damit die Bundesrepublik ihre Wettbewerbsfähigkeit erhält und auch weiterhin attraktiv für Neuansiedlungen bleibt.“

27.03.2019