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Täglich etwas grüner

Green FM ist auf dem Vormarsch. Dafür sorgt nicht nur die allgemeine Klimadebatte, sondern auch der Wunsch der Unternehmen, durch „grüne“ Dienstleistungen vor Ort den Mitarbeitern eine bessere Arbeitsumgebung zu bieten.

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Umweltfreundliche Reinigungsmittel sind nur ein Aspekt von grünem Facility Management. (Bild: KittisakJirasittichai/istockphoto)

„Standen bei Kunden bislang ausschließlich Kostenaspekte im Fokus, kommen immer häufiger Umweltaspekte hinzu“, beschreibt Ralf Hempel, Vorsitzender der Geschäftsführung der Wisag Facility Service Holding, die Nachfrage nach grünen Facility-Management-Dienstleistungen in Deutschland. „Unsere Erfahrung ist: Ökologische Innovationen lassen sich besser vorantreiben, wenn Partner entlang der Wertschöpfungskette kooperieren. Kräftebündelung statt Silodenken ist gefragt.“

Grüne Dienstleistungen, die Facility Manager im Angebot haben, reichen von Effizienzsteigerungen durch Energiemanagement in Immobilien über ökologisch sinnvolles Reinigen von Gebäuden, Vermeidung von Verpackungsabfall im Catering, Bewirtschaftung von Ladeinfrastrukturen für Elektromobilität bis hin zur nachhaltigen Pflege von Grünflächen. Immer häufiger helfen auch digitale Systeme dabei, Ressourcen im Gebäude zu sparen. Hilfestellungen für einen umweltfreundlichen Gebäudebetrieb liefert die Richtlinie 160 des Deutschen Facility-Management-Branchenverbands Gefma.
In seiner jährlichen Branchenstudie kommt das Beratungsunternehmen Lünendonk & Hossenfelder zu dem Schluss, dass im Durchschnitt 17,5 Prozent der Kunden der führenden Gebäudedienstleister umweltfreundliche Services nachfragen. Die beiden wichtigsten Motivationen für eine umfassende Nachhaltigkeitsstrategie sind demnach das Signal nach außen an Mitarbeiter, Kunden und Geschäftspartner sowie Wettbewerbsvorteile durch kaufmännische Effizienzgewinne. Hierzu zählen sowohl das Einsparen von Ressourcen wie Energie, Wasser und Wärme als auch Müll. Zudem unterstützen umweltfreundliche Services die Personalgewinnung.
„Nachhaltigkeit ist schon länger ein wichtiges Thema im Facility Management. Insbesondere angesichts des Personalmangels bemühen sich viele Auftraggeber, ihre Arbeitgebermarke auch hinsichtlich Ökologie zu stärken. Bio-Lebensmittel, Verzicht auf Einmalverpackungen, Unterstützung von Fahrradverkehr und öffentlichen Verkehrsmitteln und viele andere Maßnahmen tragen dazu bei“, berichtet Thomas Ball, Partner bei Lünendonk & Hossenfelder. „Denn gerade unter den besonders gefragten, höher qualifizierten potenziellen Mitarbeitern sind die Unternehmenswerte oftmals wichtige Kriterien für die Wahl des Arbeitgebers.“

Mitarbeiter schätzen es grün
Diese Einschätzung bestätigt auch der Mitte März veröffentlichte Wisag Nachhaltigkeitsradar. An der Onlinebefragung haben 601 Experten der Immobilienbranche teilgenommen, darunter Facility-Manager, Berater, Mieter, Property-Manager, Eigentümer, Corporates,Asset-Manager, Planer, Architekten, Bauunternehmer und Projektentwickler. Für knapp die Hälfte der Teilnehmer ist Green FM „einigermaßen wichtig“ und für ein Drittel der Befragten „sehr wichtig“, um einen Arbeitsplatz attraktiv zu machen. „Mit einem grünen Betrieb können Arbeitgeber zeigen, dass sich ihr Blick auf die sozialen Aspekte der Nachhaltigkeit und somit auf das Wohlbefinden der Arbeitnehmer richtet“, interpretieren die Autoren der Studie das Ergebnis.
Was genau Arbeitnehmer als wichtige grüne Aspekte am Arbeitsplatz schätzen, hat die Studie auch herausgefunden. Demnach stehen ein gutes Raumklima und die Möglichkeit, dieses individuell zu beeinflussen, ganz oben auf der Liste der Befragten. Außerdem wollen die Studienteilnehmer auch selbst handeln können, um zu einer nachhaltigen Gebäudebewirtschaftung beizutragen oder sich direkt mit dem Betreiber in Verbindung zu setzen.
Allerdings reicht Green FM allein nicht aus. Damit ein Arbeitsplatz wirklich attraktiv ist, braucht es zudem ein gutes Angebot an kostenfreien Parkplätzen, eine guten Anbindung an den ÖPNV und die Möglichkeit für Homeoffice.
Viele FM-Unternehmen haben auf die Nachfrage der Nutzer und Immobilieneigentümer bereits reagiert und nachhaltige Produkte sowie Services entwickelt. Darüber hinaus sehen die FM-Unternehmen hierin ein wichtiges Geschäftsmodell. „Viele Unternehmen beginnen gerade erst, das Potenzial von Arbeitsplätzen und Immobilienportfolios hinsichtlich der Erreichung von übergeordneten Geschäftszielen wie der Gewinnung von Spitzenkräften, Erhöhung der Mitarbeiterproduktivität, finanzieller Performance oder ökologischer Nachhaltigkeit zu erkennen“, beobachtet etwa Neil Murray, Global CEO Corporate Solutions bei JLL.
Auch das Unternehmen Engie hat als Ziel erklärt, Kunden auf dem Weg zur Klimaneutralität zu begleiten. Die Überschrift des Angebots lautet „Zero Carbon Transition as a Service“. Im Rahmen dieses Ansatzes bietet Engie keine fertigen Produkte an, sondern will Kunden auf dem Weg zu CO2-armen Versorgungslösungen für Wohnen und Gewerbe beraten. Dazu zählen zum Beispiel Mieterstrom- und Mobilitätsangebote.

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Industrie stellt sich neu auf
Auch im Bereich der Services für Industrieunternehmen sorgt das Thema Klimaschutz für einen Wandlungsprozess. So waren die Industrieservices bisher stark bei der Instandhaltung von Kraftwerken engagiert. Mit dem Ausstieg aus der Kohleverstromung müssen sich auch bei den Dienstleistern die Geschäftsmodelle wandeln. So ist zum Beispiel der nukleare Rückbau zu einem kleinen, aber wichtigen Geschäftsfeld im Markt geworden, und die Serviceanbieter begleiten die Chemie- und Pharmaindustrie beim Umstieg auf eine ressourcenschonende Produktion.

Dieser Artikel stammt aus der immobilienmanager Ausgabe 4-2020 (Autorin: Bianca Diehl).

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16.04.2020