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Studenten-Umfrage: Der blinde Fleck

Nachwuchskräfte technischer Studiengänge kennen kaum Berufe und Unternehmen der Immobilienwirtschaft. Der zweite Teil unserer Umfrage richtete sich an Architektur- und Bauingenieur-Studenten und zeigt die Defizite der Branche.

Studentenumfrage Technik
Viele Nachwuchskräfte haben Immobilienunternehmen nicht im Blick (Bild: Mars Williams/ stocksnap.io)

Wenn es um Nachwuchskräfte, Employer Branding und Kenntnisse über potenzielle neue Mitarbeiter geht, scheinen Immobilienunternehmen einen blinden Fleck zu haben. Diesen Schluss legen zumindest die Ergebnisse unserer Studentenumfrage nahe. Schon die Befragung unter BWL-Studenten fiel ernüchternd aus. Die Antworten von 86 Bachelor-Studenten aus bautechnischen Fachrichtungen untermauern den Eindruck noch: Die Immobilienwirtschaft hat ein ernsthaftes Defizit.

Immobilienunternehmen sind (fast) unbekannt
Ein besonders plakatives Ergebnis: Trotz der vermeintlichen Branchen-Nähe der Studenten können drei Viertel der befragten Studenten kein einziges Immobilienunternehmen namentlich nennen. Welche Unternehmen das verbleibende Viertel der Studenten kennt, dazu später mehr.

Anders als bei ihren BWL-Kommilitonen stehen bei den angehenden Architekten und Projektmanagern (Bau) der Mittelstand und nicht die Großunternehmen ganz oben auf der Wunschliste. Jeder zweite Bachelor-Student möchte bei einem KMU einsteigen. Als Angestellter für ein Start-up zu arbeiten, ist nur für wenige eine Option.

Das heißt allerdings nicht, dass die Technik-Studenten unternehmerisches Risiko scheuen würden. Denn als Freiberufler oder Unternehmensgründer Karriere zu machen, können sich fast ein Drittel aller befragten Nachwuchskräfte vorstellen. Damit landet dieser Karrierepfad nur knapp hinter einem Job bei einem Familienunternehmen auf Rang zwei (Mehrfachnennungen waren möglich). Hier zeigt sich ein Unterschied zu den Wirtschaftsstudenten. Die wünschten sich überwiegend Aktienunternehmen als Arbeitgeber und können sich eine Laufbahn bei der öffentlichen Hand überhaupt nicht vorstellen.

Ein Schlüssel zu mehr Wahrnehmung bei den Studenten ist schlicht und einfach die Sichtbarkeit der Immobilienunternehmen. Gerade im bautechnischen Bereich haben etwa Projektentwickler oder Projektsteuerer jungen Akademikern tolle Aufgaben und Projekte zu bieten. Die sollten sie zeigen, etwa auf den bei Studenten beliebten Karrieremessen, wie es sie an fast allen Hochschulen gibt.

Auf Karrieremessen begeistern
Wer selber schon einmal eine Karrieremesse für angehende Ingenieure besucht hat, der weiß, an welchem Stand es den größten Andrang gibt: dort, wo am „lebenden Objekt“ gefachsimpelt werden kann. Egal ob es das Modell eines Hybridmotors ist, an dem die Studenten schrauben dürfen, ein Flugsimulator oder das Miniatur-Labor eines Chemiekonzerns. Mit etwas Leidenschaft und Einfallsreichtum können auch Immobilienunternehmen die Aufmerksamkeit der Nachwuchskräfte auf sich ziehen.

Von den angehenden Architekten und Projektmanagern (Bau) konzentrieren sich die meisten auf die klassischen Einstiegsbereiche: Ingenieur- und Architekturbüros, Bauträger, Bauunternehmen und Projektentwickler. Immerhin knapp 15 Prozent aller Stimmen entfiel auf die Branche „Immobilienwirtschaftliche Beratung und Projektsteuerung“, keine einzige hingegen auf „Bestands- und Portfoliomanagement“. Auch FM-Unternehmen scheinen mit 3,8 Prozent nur wenig Anziehungskraft auf die Studenten zu haben.

Video: Bewerbungsgespräch mit dem Immobilien-Nachwuchs

Damit wären wir dann auch schon wieder bei der eingangs erwähnten Aussage, dass drei Viertel der Studenten überhaupt kein Immobilienunternehmen mit Namen kennen. Bilfinger und Hochtief werden immerhin noch sechs- beziehungsweise fünfmal genannt. Allerdings dürften diese Stimmen wohl eher der Bekanntheit der Baukonzerne und weniger ihrer Immobiliengesellschaften oder -divisionen geschuldet sein.

Ansonsten: wenig, bis auf einige lokale Unternehmen. Lediglich die Makler von Engel & Völkers und die Projektsteuerer von Drees & Sommer sind als überregionale Player in den Köpfen der Studenten verankert. Beim Makler-Franchise sicher ein Zeichen, was breit angelegtes Marketing bewirken kann.

Alles Makler, oder was?!
Bei der Frage, welche Berufsbilder der Immobilienwirtschaft bekannt sind, zeigt sich, wie viel Arbeit noch vor den Unternehmen liegt. Zehn Studenten nannten den Makler, sechs den Projektentwickler. Investor, Portfoliomanager, Immobilienbewerter, Fondsberater, Hausverwalter? Unbekannt. Die Studenten haben schlicht keine Vorstellung, welche unterschiedlichen Jobs die Branche zu bieten hat. Hier scheint die Wissenslücke noch größer zu sein als bei den BWL-Studenten. Vielleicht hilft es, sich eine Marketing- Binsenweisheit ins Gedächtnis zu rufen: Erst Bekanntheit erzeugen, dann Relevanz zeigen. Oder anders gesagt: Wenn der Student den Beruf des Property Managers nicht kennt, kann er diesen Job später auch nicht ergreifen.

Autor: Markus Gerharz

23.05.2016

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