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Smarte Fassaden und organische Fotovoltaik

Berlin - Bei der Energiewende im urbanen Raum setzen Architekten, Stadtplaner und Energieexperten zunehmend auf innovative Konzepte für die Gebäudehülle. Bei den diesjährigen Berliner Energietagen war den energetischen Möglichkeiten, die in Fenster- und Fassadenflächen schlummeren, ein eigenes Panel gewidmet...

Berlin (energate) - Bei der Energiewende im urbanen Raum setzen Architekten, Stadtplaner und Energieexperten zunehmend auf innovative Konzepte für die Gebäudehülle. Bei den diesjährigen Berliner Energietagen war den energetischen Möglichkeiten, die bei Fenster- und Fassadenflächen schlummert, ein eigenes Panel gewidmet. Das Potenzial ist immens. "Würde allein die bestehende Außenwandfläche der Wohngebäude in Deutschland moderat mit Fotovoltaikelementen oder anderen innovativen Technologien bestückt, ließe sich darüber etwa ein Drittel des Strombedarfs unserer Haushalte verbrauchsnah erzeugen", so Hans Erhorn vom Fraunhofer-Institut für Bauphysik.

Allerdings sind intelligente Fassaden und Fenster, die über die reine Dämmung hinaus auch die Energie erzeugen, komplexe bauphysikalische Projekte. Bei ihnen greifen Maschinenbau, Haustechnik, Glas- und Materialkunde sowie Leicht- und Metallbau ineinander, so dass sie Standardlösungen nur bedingt zugänglich sind. Deshalb erfordern sie im Vorhinein oft einen Mockup-Test mit Simulationsmodellen. Intelligente Fassaden, die etwa Strom liefern, erfordern stets eine Bewertung im Gesamtzusammenhang des Gebäudes einschließlich seiner Automation und Anlagentechnik. Auch muss eine "kontinuierliche Qualitätssicherung gewährleistet sein, um Schwachstellen der Fassade beizeiten zu identifizieren", führte Erhorn aus. Die wirtschaftliche Bewertung innovativer Gebäudefassaden sollte überdies eine Betrachtung seiner gesamten Lebenszykluskosten sein. "Dabei zeige sich dann auch, ob eine Fassadensanierung im Rahmen eines Energiespar-Contracting wirtschaftlich darstellbar ist", betont Stefan Haller von Engie Deutschland.

Innovative Technik prägt den Markt

Die hohen Erwartungen an innovative Technologien und Konzepte beim Fassadenbau haben Dynamik in die Branche gebracht. Ein Beispiel ist die Heliatek in Dresden. Die Firma ist nach eigenen Angaben Technologieführer bei organischen Fotovoltaikzellen in Folienform. In einer Pilotanlage stellt Heliatek die biegsamen, extrem leichten und durchsichtigen Folien in einem Rolle-zu-Rolle-Verfahren her. Die organischen Solarfolien bieten Einsatzmöglichkeiten, die die klassische Solarindustrie bislang nicht bedienen könnte. Sie reichen von energie-aktiven Hochhausfassaden bis hin zu emissionsfreien Fahrzeugen. Heliatek hat gegenwärtig Mühe, die Nachfrage nach seinen Fotovoltaikfolien zu decken. Daher hat das Unternehmen in einer Finanzierungsrunde Geld für eine zweite Ausbaustufe seiner Fabrik eingesammelt. Diese soll bis zu zehn Mio. Quadratmeter Folie pro Jahr liefern. Zu den Investoren gehören unter anderem Innogy, BASF und der Infrastrukturfinanzierer CEE.

Der französische Energiekonzern Engie beteiligte sich 2016 mit einem Anteil von 6,6 Prozent an der Heliatek. Sichtbares Zeichen dafür ist das Forschungszentrum Engie Laborelec, das der französische Energiekonzern in der belgischen Gemeinde Linkebeek betreibt. Auf dem Gelände wurden die Solarfolien aus Dresden an zwei Standorten installiert, zum einen direkt auf der Südfassade, zum anderen integriert in die Fenster am Eingang des Gebäudes. Insgesamt sind 50 Quadratmeter der organischen Solarfolie verbaut worden. Die geschätzte jährliche Stromerzeugung von 2.300 kWh entspricht dem Strombedarf eines kleinen Haushaltes. Das Pilotprojekt soll die neue Solartechnologie nicht nur unter realistischen Bedingungen erproben, sondern auch deren ästhetische Möglichkeiten demonstrieren. /gk

In Kooperation mit www.energate-immo.de .

18.05.2018