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Smart Homes in der Vermietung?

Wenn man hierzulande über Smart Homes diskutiert, dann geht es fast immer nur um Eigenheime oder selbstgenutzte Eigentumswohnungen. Dabei greift der Trend allmählich auch nach der vermieteten Kapitalanlagewohnung. Von Jens R. Rautenberg

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Jeder vierte Mensch hierzulande kann sich vorstellen, für Wohnungen mit Smart-Home-Lösungen eine höhere Miete zu zahlen. (Bild: geralt/Pixabay

Die Offenheit vieler Bauträger zum Thema Smart Home liegt vor allem darin begründet, dass die Baukosten nicht signifikant höher liegen, eine gute Planung vorausgesetzt. Vielleicht sogar noch wichtiger ist allerdings: Der Bauträger sieht Chancen auf einen rascheren Abverkauf. Denn Smart-Home-Lösungen bringen für den Käufer wiederum einen Vermietungsvorteil.

Der Vermietungsvorteil betrifft mehrere Ebenen. Eine erste Ebene umfasst bereits die geschafften Voraussetzungen: Viele Smart-Home-Lösungen erfordern eine breitbandige und stabile Internetverbindung. Die entsprechenden Bauträger binden ihr Projekt daher an das Glasfasernetz an. Und Konnektivität ist unabhängig von Smart-Home-Ansätzen längst ein grundsätzliches Kriterium für private Anleger: Wer heute eine Wohnung zur Vermietung erwirbt und 1.000 MBit/s anbieten kann, vielleicht sogar noch ein übergreifendes W-Lan, das auch in ausgewählten Gemeinschaftsflächen nutzbar ist, der wird dies in seine Kaufentscheidung im Sinne einer besseren Vermietbarkeit einbeziehen. Vor allem abseits der Zentrumslagen und der Metropolen ist dieser Punkt höchst relevant.

Stromverbrauch vs. Heizenergie

Eine weitere Ebene ist Nachhaltigkeit. Gerade bei der Heizenergie spüren die Mieter durch intelligente Technik entsprechende Einsparungen: Bei einer Wohnung im Mehrfamilienhaus liegen diese durch Smart-Home-Lösungen bei etwa neun Prozent. Dem steht ein erhöhter Stromverbrauch um drei Prozent gegenüber, der auf die entsprechend zusätzlich verbaute Technik zurückgeht.

Es verbleibt demnach eine positive Bilanz und damit auch eine Einsparung bei den Nebenkosten. Errechnet wurde dies durch das Öko-Institut im Auftrag der Verbraucherzentrale NRW. Dabei wurde auch die Klimabilanz analysiert: Einer jährlichen CO2-Vermeidung von rund 255 Kilogramm durch ein Smart-Home-Energiesparszenario stehen nur 29 zusätzliche Kilogramm durch den erhöhten Stromverbrauch gegenüber.

Höhere Miete für Smart Homes

Ein Vermietungsvorteil liegt außerdem im Alleinstellungsmerkmal: „Normal“ sind intelligente Wohnung in der Vermietung noch lange nicht. Es bietet sich hier neben den traditionellen Faktoren wie Lage, Architektur, Grundriss et cetera, also eine zusätzliche Möglichkeit, aus dem Markt herauszustechen. Implizit werden dann auch höhere Mieteinnahmen wahrscheinlich: Jeder vierte Mensch hierzulande kann sich vorstellen, für Wohnungen mit Smart-Home-Lösungen eine höhere Miete zu zahlen. Das hat der Digitalverband Bitkom repräsentativ ermittelt. Und sollte ein lokaler Markt zu schwach für einen Mietaufschlag sein, dürften sich zumindest die Leerstandszeiten reduzieren. Und dies bedeutet bekanntlich dann auch wieder mehr Mieterlös.

Haushalt, Energie, Gesundheit und Sicherheit

Geeignete smarte Lösungen liegen dabei meiner Meinung nach in Feldern wie Haushalt und Energie, Gesundheit oder Sicherheit. Beispiele sind die digitale Heizungssteuerung, eine funkbasierte Beleuchtung und Ansteuerung von Rollläden, der automatisierte Notruf bei gesundheitlichen Problemen sowie digitale Türschlösser und Videogegensprechanlagen mit Speicherfunktionen oder Push-Nachricht aufs Handy. Natürlich ist auch das smarte Entertainment vom Bluetooth-Lautsprecher bis zur Streaming-Box ein weiteres wichtiges Gebiet. Allerdings wird dieses häufig durch die Bewohner unkompliziert selbst eingebracht.

Um ihre Vorteile auszuspielen, sollten smarte Lösungen mit Einfachheit und intuitiver Bedienbarkeit glänzen. Einfachheit gilt dabei quer über alle Funktionen und bedeutet: Alle Funktionen sollten möglichst über ein einziges Endgerät angesteuert werden können. Niemand hat Lust und Zeit, sich in seiner Wohnung erst aufwendig in dutzende Systeme einzuarbeiten. Die Ansteuerung sollte nicht verstreut sein auf Alexa, Google, Smartphone und vielleicht noch in der Wand installierte Touchscreens. Es geht um Erleichterung im Haushalt und nicht darum, diesen zu verkomplizieren.

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Jens R. Rautenberg. (Bild: Conversio)

Ein Beitrag von Jens R. Rautenberg, Gründer und geschäftsführender Gesellschafter der Conversio-Gruppe .

21.05.2021