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Sachkundenachweis & Bestellerprinzip: Alles was recht ist

Der Sachkundenachweis steht vor der Tür, das Bestellerprinzip könnte bald auch für Verkäufe gelten. Das sagen drei Makler, die selbst betroffen sind, dazu.

Ist der Sachkundenachweis für Immobilienmakler nur unnötiges (Puppen-)theater? (Foto: Liliane Limpens/unsplash.com)
Ist der Sachkundenachweis für Immobilienmakler nur unnötiges (Puppen-)theater? (Foto: Liliane Limpens/unsplash.com)

Wer jemanden mit einer so wichtigen Entscheidung wie der Vermietung oder dem Verkauf seiner Immobilie beauftragt, möchte sicher sein, dass dieser Vermittler ein Experte auf seinem Gebiet ist. Bisher musste man sich hier auf den guten Ruf des Maklers verlassen.

Geht es nach der Bundesregierung, so gibt es bald eine handfestere Grundlage für diese Entscheidung: den Sachkundenachweis für Immobilienmakler. Das geplante Gesetz zur Einführung einer Berufszulassungsregelung betrifft alle Immobilienmakler mit einer Gewerbeerlaubnis nach Paragraf 34c Gewerbeordnung sowie WEG - Verwalter.

Das Bestellerprinzip und seine Folgen

Allen Unkenrufen zum Trotz: Die Maklerwelt ist nicht untergegangen. Nach den bisherigen Erfahrungen der Branche mit dem Bestellerprinzip lautet das Fazit:
Alles halb so schlimm

Nach aktuellem Stand des Gesetzesvorschlags wird es für Makler drei Möglichkeiten geben, das eigene Wissen nachzuweisen: eine anerkannte Berufsqualifikation (Liste der anerkannten Qualifikationen steht noch nicht fest), Tätigkeit im Markt über mindestens sechs Jahre („alte-Hasen-Regelung“) sowie die neue Sachkundeprüfung. Ab wann genau die Makler ihr Wissen beweisen müssen, steht noch nicht fest. Am 31. August 2016 hatte die Bundesregierung den Gesetzentwurf beschlossen. Der Bundesrat hat im Oktober Nachbesserungen eingebracht. Diese müssen nun in den Ausschüssen besprochen werden. Anschließend stimmt der Bundestag über den Entwurf ab. Danach geht es wieder zurück zum Bundesrat, zur Gegenzeichnung an das zuständige Ministerium und zur Unterzeichnung zum Bundespräsident. Das Gesetz soll am Tag nach der Verkündung in Kraft treten. Über den genauen Zeitplan kann der Bundestag aber derzeit noch nichts sagen.

IW fordert Bestellerprinzip auch bei Verkäufen
Welche Auswirkungen das Bestellerprinzip für sie hat, spüren Immobilienvermittler dagegen bereits seit dem 1. Juni 2015. Seither muss derjenige die Provision eines Maklers bezahlen, der ihn auch beauftragt hat. Die Regelung gilt nur bei der Vermittlung von Mietwohnraum. Aber das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) plädiert aktuell dafür, auch für Käufe das Bestellerprinzip einzuführen, um die in Deutschland vergleichsweise hohen Erwerbsnebenkosten zu senken.

immobilienmanager wollte wissen, wie die Makler selbst die aktuellen Veränderungen ihres Berufes bewerten. Dazu haben wir drei Vertreter befragt, die den Markt noch mit frischen Augen betrachten: Fabian Mellin, Gründer Moovin, Hanno Heintzenberg, Gründer und Geschäftsführer McMakler, und Ralf Michels, Geschäftsführer der AS Hausverwaltung und Präsidiumsmitglied im Dachverband Deutscher Immobilienverwalter e.V.
Wie stehen Sie zum Sachkundenachweis für Immobilienmakler?

Ralf Michels: Jeder Berufsgruppe tut ein Sachkundenachweis gut. Gerade die Immobilienmakler gehen mit so hohen Werten um, die für die Verbraucher die Existenz bedeuten können. Von daher ist ein Sachkundenachweis mehr als erforderlich.

Hanno Heintzenberg: Die Einführung eines Sachkundenachweises für Makler ist sicherlich ein Schritt in die richtige Richtung zu mehr Transparenz in der Branche. Eine obligatorische Prüfung der beruflichen Kompetenz sollte mittelfristig auch zur Qualitätssicherung führen, ist also für Kunden sowie für uns als Anbieter nur zu begrüßen.

Würde dies auch dem Image des Maklers nützen? 
Fabian Mellin ist als Gründer mit Moovin seit dem Frühjahr 2015 am Markt (Foto: Moovin)
Fabian Mellin ist als Gründer mit Moovin seit dem Frühjahr 2015 am Markt (Foto: Moovin)

Fabian Mellin: Ich glaube, dass man den Maklerberuf auch ohne den Nachweis erfolgreich und seriös ausüben kann. Während des Studiums habe ich selbst als Makler gearbeitet, wobei ich zu diesem Zeitpunkt keinen Sachkundenachweis hätte erbringen können. Auch ohne diese spezielle Ausbildung konnte ich die Kunden damals erfolgreich betreuen. Dennoch können berufliche Standards dafür sorgen, dass weniger Kunden schlechte Erfahrung mit diesem Berufsstand machen und das Image des Maklers langfristig besser wird.

Im internationalen Vergleich sind Erwerbsnebenkosten für Immobilien in Deutschland sehr hoch. Ist das ein Grund, warum nicht mehr Deutsche zu Eigenheimbesitzern werden?

Ralf Michels ist Präsidiumsmitglied im Dachverband Deutscher Immobilienverwalter (Foto: AS Hausverwaltung)
Ralf Michels ist Präsidiumsmitglied im Dachverband Deutscher Immobilienverwalter (Foto: AS Hausverwaltung)

Ralf Michels: Dies trifft definitiv zu, allein eine Grunderwerbssteuer  in Höhe von 6,5 Prozent des Kaufpreises ist eine absolute Abschreckung. Die Bundesregierung sollte für die Eigenheimnutzer eine Ermäßigung oder bis zu einem bestimmten Kaufpreis eine Aufhebung erlassen. Aufgrund der Rentenhöhenproblematik ist es mehr als sinnvoll, dass die Menschen im Alter in der bezahlten selbstgenutzten Immobilie wohnen.

Fabian Mellin: Ich denke, dass neben den hohen Erwerbsnebenkosten auch hohe Grundstückspreise und Baukosten dazu führen, dass in Deutschland lieber gemietet wird.

Wäre das Bestellerprinzip hier eine Lösung? 
Bei Hanno Heintzenberg und McMakler gibt es Vermietung zum Pauschalpreis (Foto: Jonas Friedrich/McMakler)
Bei Hanno Heintzenberg und McMakler gibt es Vermietung zum Pauschalpreis (Foto: Jonas Friedrich/McMakler)

Fabian Mellin: Auf jeden Fall. Das Entfallen der Käuferprovision oder das Aufteilen der Provision zwischen beiden Parteien, wie bereits vielerorts üblich, würde sich positiv auf den Markt auswirken. Wie auf dem Mietmarkt würde das Bestellerprinzip zu mehr Wettbewerb zwischen den Anbietern sowie marktgerechten Preisen führen.

Ralf Michels: Ich würde die Courtage zwischen Käufer und Verkäufer aufteilen, weil er für beide Vertragsparteien tätig ist und nicht eine Seite bevorzugt behandeln darf und sollte.

Hanno Heintzenberg: Das Bestellerprinzip im Verkauf einzuführen, würde unserer Meinung nach keine positiven Auswirkungen auf die Wohneigentumsquote haben.

Autorin: Bianca Diehl

03.05.2017