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Entbürokratisierung und Markttransparenz notwendiger denn je

RICS fordert Vernetzung und weitere Öffnung der Kaufpreissammlungen der Gutachterausschüsse in Zeiten dynamischer Wohnungs- und Immobilienmärkte.

Am Westrand Münchens lässt sich beobachten, wie ein neuer Stadtteil heranwächst. In Freiham sollen eines Tages 25.000 Menschen leben. Das Luftbild zeigt den Blick von Aubing in Richtung Süden. Das Gut Freiham liegt oben rechts an den gelben Rapsfeldern (Foto: Fototag Luftbild München/Artur Gerngross)
Überblick und Einblick gefordert: Die RICS macht sich für mehr Transparenz bei Immobilienmarktdaten stark (Foto: Fototag Luftbild München/Artur Gerngross)

In vielen Städten und Regionen hat sich die Lage auf den Wohnungsmärkten seit 2012 verschärft. Aus diesem Grund stehen Wohnungspolitik und -wirtschaft vor der gesellschaftspolitischen Herausforderung, Maßnahmen zu ergreifen, damit das Wohnen auch in strukturstarken Regionen für breite Schichten der Bevölkerung finanzierbar bleibt.

Die RICS plädiert dafür, dass politische Entscheidungsträger, Wirtschaft, Verwaltung und Bürger Zugang zu aktuellen, interessenunabhängigen Informationen über den Grundstücksmarkt erlangen. Vor dem Hintergrund des am Dienstag vom Arbeitskreis der Oberen Gutachterausschüsse, Zentralen Geschäftsstellen und Gutachterausschüsse in Deutschland (AK OGA) veröffentlichten Immobilienmarktberichts Deutschland 2019 fordert die RICS in ihrem aktuellen Positionspapier die Vernetzung und weitere Öffnung der Kaufpreissammlungen der Gutachterausschüsse.

„Die Immobilienmarktdaten der rund 1.200 Gutachterausschüsse sind von entscheidender Bedeutung für die Markttransparenz. Sie bilden den deutschen Immobilienmarkt in seiner gesamten Breite ab“, erläutert Sabine Georgi, Country Managerin der RICS Deutschland. Derzeit werden unterschiedliche Kaufpreissammlungen geführt und uneinheitliche Standards bei der Datenerhebung und -auswertung benutzt. Zwar arbeiten die Bundesländer daran, zentrale Kaufpreissammlungen aufzubauen, „allerdings dauert die Umsetzung seit längerem an, so dass die Immobilienmarktdaten nur mit beträchtlicher Zeitverzögerung zur Verfügung stehen.

RICS fordert mehr Tempo
Angestrebt werden sollte eine einheitliche, zentrale Datenbank mit modularem Aufbau, untergliedert in Datenerhebung, -haltung, -analyse und -bereitstellung", so Georgi. Zudem sollen die Daten schneller bereitgestellt werden. Wünschenswert seien eine flächendeckende Verfügbarkeit, deutschlandweite und überregionale Auswertungen sowie unterjährige Immobilienmarktprogosen, zumindest für Teilmärkte. Zudem sei der Zugriff auf die Kaufpreissammlung unter Wahrung des Datenschutzes bundesweit einheitlich zu regeln.

Ausgehend von der bestehenden dezentralen Sammlung empfiehlt die RICS:

  • Aufbau einer zentralen und bundeseinheitlichen digitalen Kaufpreissammlung, geführt durch eine Geschäftsstelle
  • Schnelle und digitale Übermittlung der Daten durch die Notariate
  • Verbesserung der Kaufpreissammlung durch die Erweiterung der Datensätze um bewertungsrelevante Informationen über die Immobilie

Carla Seidel FRICS, Vorsitzende der RICS Professional Group Geomatics, betont, dass sich die Anstrengungen lohnen: „Die Daten der Gutachterausschüsse sind ein Schatz, den wir dringend für das Immobilienmarkt-Research, für Marktbeobachtungen und -prognosen benötigen. Es gilt daher, diesen so effektiv wie möglich zu nutzen und die Daten bestmöglich zu sammeln und mittels Data Analytics auszuwerten. Daten und das entsprechende Knowhow sind die Kernthemen der Zukunft.“

Dr. Stefan Ostrau MRICS, Vorsitzender des Gutachterausschusses für Grundstückswerte im Kreis Lippe und in der Stadt Detmold und Co-Autor des Positionspapiers, ergänzt: „Der angespannte Wohnungsmarkt erfordert flächendeckende Markttransparenz im deutschen Immobiliensektor. Entscheidend ist die konsequente Umsetzung bundesweit standardisierter Datenerhebungen der rund eine Million jährlich registrierten Kaufverträge, die digitale Vernetzung der Kaufpreissammlungen sowie die schnellere Bereitstellung aktueller Immobilienmarktanalysen und -prognosen. Über die bisherigen Fortschritte in der amtlichen Wertermittlung hinaus sind zusätzliche Kraftanstrengungen der (Oberen) Gutachterausschüsse für Grundstückswerte erforderlich. Bundes- und Landespolitik sind dazu aufgefordert, die erforderlichen Ressourcen bereitzustellen.“

20.12.2019