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Report: Wohnhochhäuser in Deutschland

Eine aktuelle Studie beleuchtet den Hochhaus-Markt in Deutschland. Dazu stehen 20 europäische und über 60 deutsche Wohnhochhaus-Projekte im Vergleich.

Die Baugenehmigung für „160 Park View
Die Baugenehmigung für „160 Park View" soll noch in der ersten Jahreshälfte vorliegen (Foto: KSP Jürgen Engel Architekten / RFR Holding GmbH)

Bis Ende 2016 entstanden in deutschen Großstädten Berlin, Frankfurt, München, Stuttgart und Düsseldorf mindestens 17 Wohnhochhäuser beziehungsweise wurden aus dem Bestand saniert, ergab der Wohnhausreport von JLL und Zabel Property. Weitere 30 Wohntürme befinden sich aktuell im Bau, 20 weitere in Planung. Damit erreicht der aktuelle europäische Trend zum Bauen in die Höhe mit zehn bis fünfzehn Jahren Verspätung auch Deutschland. Ein Imagewandel von Stadtrandsiedlung zu attraktiven Wohn- und Anlageobjekt sowie wiederkehrende ästhetische Akzeptanz für Wohntürme in den Innenstadtlagen hat diese Entwicklung möglich gemacht.

"Ein Umdenken musste erst her, zuerst auf der Seite der Stadtplaner, die eine innenstädtische Bebauung über die Traufhöhe zulassen mussten", erklärt Thomas Zabel, Geschäftsführer von Zabel Property und Head of Residential Development von JLL Germany. "Die Gründe für das Umdenken liegen auf der Hand: Das massive Wachstum aller deutschen Großstädte führt zum signifikanten Mangel an Wohnraum. Letzterer wird sichtlich an den rapide sinkenden Leerstandsquoten, in manchen Großstädten drohen sie sogar die notwendige Mobilitätsgrenze von drei Prozent zu erreichen", erklärt Zabel. Der Trend betrifft fast alle Großstädte mit mehr als 500.000 Einwohnern und führt zu steigenden Mieten und Kaufpreisen. Vor diesen Hintergrund gerät die Errichtung von Wohnhochhäusern zunehmend in den Fokus von Kommunen, Entwicklern und Investoren. "Wobei die Behörden den Umnutzungskonzepten für bestehende Bürohäuser oder der Bebauung der leerstehenden Industrieflächen bedeutend freundlicher als dem reinen Neubau in innenstädtischen Quartieren entgegensehen", ergänzt er.

Die in Kooperation mit JLL Research entstandene Erhebung bietet der Branche einen vergleichenden Überblick über Lagekriterien, Ausstattungsmerkmale und Zielgruppen der Wohntürme, sowohl in Bezug auf Nutzer wie auch auf Investoren. Der internationale Vergleich zeigt, dass die deutschen Konzepte im Service- und Freizeitangebot im Wohnhochhaus recht gering ausfallen. Das begründen die Experten mit der fehlenden Höhe der Gebäude und damit geringerer Fläche für die besonderen Annehmlichkeiten. Die Hochhäuser in Deutschland messen im Durchschnitt 85 Meter, während die Vergleichsobjekte im Ausland bei 100 Meter Höhe erst anfangen, stellt die Studie fest. Sollte das Konzept eines umfassenden Dienstleistungsangebots im Wohnturm sich wie erwartet etablieren, wird auch die Breite des Angebots ausgebaut, so die Voraussage.

Die Preise für das Wohnen im Turm sind in Deutschland sehr heterogen und betragen im Kaufbereich durchschnittlich 9.000 Euro pro Quadratmeter und bis zu 25 Euro pro Quadratmeter zur Miete. Mit weiterer Etablierung dieser Wohnform als state-of-the-art und Wahrnehmung des einhergehenden Technologiewandels in der Architektur und Haustechnik ist von steigenden Preisen auszugehen, so die Erhebung. "Durch hohe Integration in den Stadtraum unter anderem durch moderne Mobilitätssysteme und bessere Ausnutzung ehemaliger Gewerbegebiete können Wohntürme den Wohnmangel in den Großstädten lindern, ohne Verdrängungsprozesse zu initiieren", bekräftigt Zabel.

23.06.2017