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Rendezvous mit der Highstreet

Wie Innenstädte die Herzen der Kunden zurückgewinnen - ein Kommentar von Iris Schöberl, Managing Director Germany, Head of Institutional Clients bei BMO Real Estate Partners.

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Wie die Innenstädte die Herzen der Kunden zurückgewinnen erklärt Iris Schöberl mit ihrem Kommentar. (Bild: Eugene Zhyvchik/Unsplash)

Wie in allen Lebenslagen geht es auch in der Stadt in erster Linie um Beziehungen: Um Synergien, um Visionen, um Weiterentwicklung. Im Nutzungsspektrum eines städtischen Gefüges gehört auch der Einzelhandel dazu – sei es in Form von Fachmarkt- und Shoppingcentern oder einer innerstädtischen Highstreet.

Betrachten wir die heutigen Innenstädte, so sind sie bereits jetzt viel attraktiver als noch vor 10 Jahren: Die Durchmischung erhält wieder Einzug, der öffentliche Raum wird als Ergänzung betrachtet, Kundenberatung rückt vermehrt in den Fokus. All diese Faktoren führen zu einer Steigerung der Aufenthaltsqualität und der Kundenzufriedenheit. Dennoch gilt es immer einen Schritt weiterzudenken und am Ball zu bleiben. Folgende Faktoren sind dabei entscheidend:

Bleiben Sie flexibel und beobachten Sie genau wo aus einer scheinbar unverbindlichen Liaison etwas Ernsthaftes werden könnte.
Niemand kann in die Zukunft schauen, daher ist es notwendig verschiedene Szenarien im Blick zu behalten und die Synergien zwischen Nutzerverhalten und erbautem Raum in seiner Gänze zu betrachten. Projektentwickler, Assetmanager und Investoren sollten daher ihre Planungen so anpassen, dass sie in der Lage sind auf Trends schnellstmöglich zu reagieren. Hierzu gehört beispielsweise die flexible Umgestaltung, aber auch die flexible Bespielung von Flächen. Aus einem klassischen Grundriss für Textiler wird zum Beispiel eine Gastronomie - oder beides wird miteinander vereint. Denn Einzelhandel und Gastronomie scheinen bereit zu sein in ihrer Beziehung den nächsten Schritt zu gehen und damit die jeweiligen Potentiale zu vereinen. Dann heißt es nicht mehr entweder der Schuhkauf oder der Latte Macchiato. Beide Ereignisse lassen sich dann problemlos und entspannt verbinden und runden damit das Shoppingerlebnis ab.

Betrachten Sie den Online-Handel als Partner – auch in der Highstreet.
Hier wären wir mehr denn je bei der Beziehungspflege: Der Online-Handel sollte als Sparringspartner der stationären Fläche gesehen werden mit dem man sich im ständigen Austausch befindet, der einen inspiriert und neue Optionen aufzeigt. Noch mangelt es jedoch dem stationären Handel häufig an Offenheit und Interesse an Innovationen. Dabei bietet ein Omnichannel-Ansatz eine Bandbreite an Möglichkeiten, um die Kunden in die Läden zu holen. Wir sprechen von Click & Collect: Produkt bestellt, im Laden angeschaut und bei Nichtgefallen gibt es immer häufiger die Möglichkeit direkt vor Ort umzutauschen. Der Kunde bekommt so neben einer reellen Beratung auch den bestmöglichen Service und entdeckt eventuell im Sortiment das ein oder andere Produkt, das er beim Durchklicken Online noch nicht gesehen hatte. Entscheidend für die Marken ist, dass Umsatz gemacht wird und nicht wo.

Nur wenige Augenblicke entscheiden darüber, wie wir unser Gegenüber finden.
Der erste Eindruck zählt – und dieser wird vor allem durch Emotionen und Intuition gelenkt. Unser unbewusstes Vorgehen lässt sich auch auf den Einzelhandel übertragen: Der Kunde muss sich vom ersten Moment an wohlfühlen, muss direkt erkennen worum es geht, was die Marke und das Geschäft ausmachen. Hierauf aufbauend verstehen Hersteller und Marken die Präsenz auf der stationären Fläche zunehmend als unverzichtbaren Teil des Marketings. Neben dem Look und der Atmosphäre des Geschäftes spielt dabei der Verkäufer eine wichtige – wenn nicht die wichtigste – Rolle. Er muss Markenbotschafter, qualifizierter Berater und Designer zugleich sein. Nur so wird aus einem Showroom auch ein Shopping-Tempel für den Kunden.

Eine gute Beziehung führen bedeutet auch Arbeit.
Die Durchmischung in den Highstreets der Top-20-Städte wird weiter voranschreiten und findet künftig nicht nur auf horizontaler Ebene, sondern auch in der Immobilie statt. Aus Monostrukturen entstehen Flächen für Gastronomie, Dienstleistungen rund um Sport, Gesundheit, Technik. Neben den Modeshoppingbereichen, werden Coworking-Spaces und klassische Büros entwickelt, ergänzt durch verschiedenste Wohnformate. Diese Diversifikation innerhalb eines Gebäudes, innerhalb eines Areals bedarf einer umfassenden Abstimmung, Rücksichtnahme, Zusammenarbeit. Wenn alle Partner an einem Strang ziehen, die Vorteile für sich und die Kunden im Fokus behalten, werden die Highstreets nachhaltig unseren Alltag prägen.

Autor: Iris Schöberl, Managing Director Germany, Head of Institutional Clients bei BMO Real Estate Partners GmbH & Co. KG. Außerdem ist sie Jurorin beim immobilienmanager-Award .

18.02.2020