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Quartiere, Menschen, Mehrwerte

Beim imfokus-Gipfeltreffen ging es um Erfolgsfaktoren von Quartiersentwicklungen. Es gab viele Diskussionen und drei Beispiele, an denen sich einiges lernen lässt.

Beim imfokus-Gipfeltreffen steht der direkte Austausch in kleinen Gruppen an den Tischen im Mittelpunkt (Foto: Detlef Szillat)
Das imfokus-Gipfeltreffen rückte Quartiersentwicklungen in den Blickpunkt (Foto: Detlef Szillat)

Es gibt Themen, die spielen jahrelang in der Diskussion und Wahrnehmung keine große Rolle. Doch eines Tages drängen sie ins Bewusstsein der Branche. Quartiersplanung ist so ein Thema, was auch das Gipfeltreffen des aktuellen imfokus-Projektes „Erfolgsfaktor Quartier“ gezeigt hat. Urbane Stadtquartiere können einige drängende Probleme lösen helfen – angefangen bei der Schaffung von qualitätsvollem Lebens- und Arbeitsraum, über Mobilität bis zur Energieversorgung. Da fragt man sich, warum Quartiersentwicklungen nicht schon viel früher so viel Aufmerksamkeit bekommen haben. „Das hat sicher auch damit zu tun, dass etwa Verkehrsprobleme, fehlende Integration und Interaktion oder mangelnde Lebensqualität in den Städten jetzt immer sichtbarer werden“, erklärte Julia Erdmann.

Die Architektin gehörte zu den Impulsreferenten des Gipfeltreffens und sorgte gemeinsam mit Professor Dr. Kerstin Hennig und Katharina Oetken vom Real Estate Management Institute der European Business School gleich zu Beginn mit provokanten Thesen für lebhafte Diskussionen. In manchen europäischen Städten zeige sich bereits eine Art moderne Verslummung, bei der die Bewohner isoliert bleiben, statt miteinander zu kommunizieren. So kann Stadt ihre Bewohner krank machen.

Moderne Stadtquartiere können das verhindern. Jedoch waren sich die Teilnehmer einig, dass der der Weg dorthin mit etlichen Herausforderungen gespickt ist. Gerade das Zusammenwirken mit der Verwaltung, der Politik und der Öffentlichkeit war immer wieder Thema der Diskussionen an den einzelnen Tischen und im gesamten Plenum.

Alle Impulsvorträge zum Download:

Einer, der alle beteiligte Seiten bestens kennt, ist Peter Buchholz. Er war Geschäftsführer der Projektentwicklungsgesellschaft Gateway Gardens und zuvor im Planungsamt der Stadt Frankfurt tätig. Heute ist er selbstständiger Berater und versuchte den versammelten Immobilienexperten einen Leitfaden durch das Dickicht der öffentlichen Hand zu geben. „Jede Kommune handelt anders, hat eine andere Geschichte und andere Beweggründe. Es gibt nicht die eine öffentliche Hand“, lautete seine zentrale Botschaft. Das müssten Entwickler und Investoren sich vergegenwärtigen und in den Dialog treten.

Mit diesem Dialog, hat Klaus Franken positive Erfahrungen gemacht, weshalb er auch die Politik – anders als der Großteil der Teilnehmer bei der Trendumfrage – nicht als größtes Hindernis bei der Planung und Umsetzung von Quartiersentwicklungen sieht. „Als Investor haben wir ganz ähnliche Ziele wie die Städte. Wir wollen beide unterschiedliche Nutzergruppen, Langlebigkeit und Durchmischung der Quartiere. Diese Interessensgleichheit müssen wir kommunizieren und zu einer Partnerschaft führen.“ Dazu geht Franken auch dorthin, wo es schonmal wehtun kann. In Düsseldorf oder auch Mönchengladbach, wo seine Catella Projektmanagement zwei große Quartiersentwicklungen vorantreibt, hat er sich vor Ort mit jeder Fraktion an einen Tisch gesetzt, um ihnen die Pläne zu erläutern. „Im direkten Kontakt lassen sich fast alle vorher geäußerten Kritikpunkte entkräften“, so seine Erfahrung. Allerdings sagte er auch: „Nach Berlin gehen wir derzeit nicht. Dort ist die Stimmung zu ideologisch aufgeladen.“

Um ein einmal errichtetes Quartier auch tatsächlich über lange Zeit erfolgreich und lebenswert zu machen, empfiehlt Franken den Blick auf Shoppingcenter. „Dort gibt es seit Jahrzehnten Centermanager, die sich um alles kümmern. Ich verstehe ehrlich gesagt nicht, warum es das bei Neubauquartieren nicht auch öfter gibt.“

Gut möglich, dass Quartiersmanager schon bald weiter verbreitet sind. Dann macht vielleicht auch das Beispiel der Heidestraße in Berlin Schule. Hier versucht Taurecon Real Estate gerade, den Trend der Quartiersentwicklung mit einem Megatrend zusammenzuführen: der Digitalisierung. Die Idee: ein umfassendes digitales Brain für das gesamte Quartier, das Daten sammelt, Wartungsarbeiten und Parkraummanagement steuert und viele weitere Einzelthemen mehr. So sollen mit digitaler Unterstützung die Lebens- und Arbeitsumstände im Quartier effizient und intelligent verbessert werden.

Ein solches Brain würde sich auch Veränderungen im Quartier anpassen, etwa wenn sich im Laufe der Jahre die Nutzungen ändern. So geschehen im Carlswerk in Köln. 2007 hatte Beos die Industrieliegenschaft erworben – „damals fast ohne Mitbewerber“, wie Vorstand Martin Czaja sagte. Geplant war die schrittweise Entwicklung der Unternehmensimmobilie in Lager-, Büro- und Werkstattflächen. „Aber am Carlswerk sieht man, wie sich ein Quartiersprojekt wandeln kann“, so Czaja. Denn heute sind in Köln-Mülheim wesentlich mehr Büros und viele höherwertige Nutzungen angesiedelt wie Freizeit, Kultur und Gastronomie.

Bei der abschließenden Abstimmung kristallisierte sich ein solch breiter Mix an Nutzungen nach Meinung der meisten imfokus-Teilnehmer als entscheidender Erfolgsfaktor im Quartier heraus. Denn Mischung bringt Mehrwert für die Nachbarschaft, die Investoren und die Stadt.

28.03.2019