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Proptech-Macher und ihre Investments

Immobilien-Start-ups und ihre Ideen sind in aller Munde. Über die Investoren, Business Angel und Kapitalgeber hinter den Kulissen wird hingegen weniger gesprochen. immobilienmanger stellt einige Know-how- und Kapitalgeber vor, die in Proptechs investieren.

Wer steckt dahinter? Einige der aktivsten Proptech-Investoren und Ihre Beteiligungen (Foto: Andrew Worley/unsplash.com)
Wer steckt dahinter? Einige der aktivsten Proptech-Investoren und Ihre Beteiligungen (Foto: Andrew Worley/unsplash.com)

Verglichen mit den Summen, die Wagniskapitalgeber in den USA oder Asien in Start-ups investieren, backt Deutschland wahrlich noch kleine Brötchen. Gemeinsam mit Investoren wie dem Canada Pension Plan und Soros Fund Management investierte der japanische Technologiefonds Softbank kürzlich 865 Millionen US-Dollar in das Start-up Katerra.

Das Bau- Unternehmen aus dem Silicon Valley wurde erst 2015 gegründet und verfolgt einen von Toyota inspirierten Ansatz, bei dem ein Bauprojekt wie eine Massenproduktion funktionieren soll. Kunden bekommen bei Katerra angefangen beim architektonischen Design bis hin zum eigentlichen Bau des Gebäudes alles aus einer Hand.

Dreistellige Millionensummen entlocken deutsche Immobilien- Start-ups den Kapitalgebern (noch) nicht. Dennoch lohnt sich ein Blick darauf, wer die Proptechs mit frischem Geld ausstattet. Egal ob Business Angel, Seed-Investor oder Venture- Capital-Geber – einige Namen tauchen immer wieder auf:

1. Rolf Elgeti (Obotritia Capital)
Besonders aktiv – vor allen Dingen in der Fintech-Szene – zeigt sich der ehemalige CEO der TAG Immobilien AG, Rolf Elgeti. Über seine Obotritia Capital KGaA investiert er direkt und indirekt in deutsche Geschäftsimmobilien und -unternehmen. Prominentes Beispiel aus dem Proptech-Universum sind Realbest und Almondia. Außerhalb der Immobilienwirtschaft hat Elgeti mit Obotritia zum Beispiel eine siebenstellige Summe in Commnex investiert, eine Vermittlungsplattform für Kommunalfinanzierungen. 2016 übernahm er außerdem die Aktionärsbank Kulmbach und wird sie als Obotritia Bank zu einem gewerblichen Immobilienfinanzierer machen. Anfang 2018 dann das nächste strategische Investment: Elgeti wird Ankeraktionär bei der German Start-ups Group, einem Start-up-Finanzierer. Damit weitete der Ex-TAG-Chef seine 30-Prozent-Beteiligung an dem Virtual-Reality-Experten Staramba weiter aus.

2. Marius Marschall von Bieberstein (Proptech 1 Ventures)
Marius Marschall von Bieberstein begann nach seinem Studium des European Business seine Karriere mit einem Führungskräftenachwuchsprogramm bei der Mercedes Benz Bank AG. Seit 2009 ist er mit der Evoreal Gruppe aktiv und hat Immobilien im Wert von über 350 Millionen Euro gebaut, im Bau und verkauft. Die aktuelle Projektpipeline ist etwa 700 Millionen groß. Noch bevor die Vokabel „Proptech“ Einzug in den Sprachgebrauch fand, begann Marius Marschall, als Business Angel in Innovationen aus dem Immobiliensektor zu investieren, und gehörte bei realbest.de zu den frühen Investoren. Zudem ist er im Beirat des Venture-Capital-Fonds Project A. Er hat gemeinsam mit der Cooperativa Venture Group Anfang des Jahres das Investmentvehikel Proptech 1 Ventures aufgelegt, einen branchenspezialisierten Kapitalgeber, der sein Wagniskapital ausschließlich in Proptechs investiert. Das Unternehmen hatte anfänglich 15 Gesellschafter, soll aber weiter wachsen. Dazu soll auch eine Bafin-Lizenz beitragen.

3. Claudia Nagel (High Rise Ventures)
Claudia Nagel hat mit High Rise Ventures einen Proptech Company Builder gegründet. Das Unternehmen will Tech- Start-ups in der Früh- und Seedphase helfen, passende neue Geschäftsmodelle für ihre Technologien und nutzerzentrierte Anwendungsfälle zu entwickeln. Dafür geht High Rise Ventures auf die Suche nach talentierten Teams mit überzeugender Hardware, die in Gebäuden eingesetzt werden kann. Eine erste Beteiligung ist beim Start-up Rysta erfolgt, welches IoTbasierte- Sensorik für die Erhebung von Raumklima- und Umweltdaten herstellt. Die Hardware-Lösung von Rysta wird für die Schimmelprävention in Gebäuden eingesetzt. Nagel ist promovierte Ingenieurin und Mit-Gründerin des Proptechs Kiwi, bei dem sie weiterhin als Geschäftsführerin tätig ist.

4. Kai Panitzki (Bitstone Capital)
Ende 2017 wagte Kai Panitzki den Schritt in die Immobilienbranche. Gemeinsam mit Art-Invest Real Estate gründete er die Venture-Capital-Gesellschaft Bitstone Capital, die in Proptech- Unternehmen investiert (siehe Interview ab Seite 38). Zuvor war er Vorstand der Frankfurter Finlab AG, einem der größten Company Builder im Fintech-Segment. Als geschäftsführender Gesellschafter will er Bitstone Capital zu einem der führenden Investoren mit Schwerpunkt auf Technologie fokussierte Start-ups im Immobilienbereich machen. Dazu soll nicht nur in innovative digitale Real-Asset-Geschäftsmodelle investiert, sondern deren Wachstum auch mit eigenen Ressourcen beschleunigt werden.

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5. Einar Skjerven (32nd Floor)
Ende 2015 gründete der Namensgeber der Skjerven Holding seine Beteiligungsgesellschaft 32nd Floor. Kapital, Knowhow und Netzwerk bietet Skjerven den Start-ups, von denen sich die Makler-Vergleichsplattform 123makler als erste darüber freuen durfte. Weitere folgten, unter anderem die Crowdinvesting-Plattform ifunded.

6. Marc Stilke (Sprengnetter Immobilienbewertung)
Der ehemalige CEO von Immobilienscout investiert parallel zu seiner Tätigkeit als Geschäftsführer von Sprengnetter Immobilienbewertung als Business Angel in junge Unternehmen des Proptech- und Fintech-Sektors. Seine Karriere startete Stilke 1993 als Assistent des Vorstandsvorsitzenden der Bertelsmann AG. Immobilienscout 24 führte er bis zum Börsengang 2015. Er ist Mit-Initiator des Accelerator-Programms Blackprint Booster. Selbst investiert er in mehrere Immobilien- Start-ups wie zum Beispiel Maklaro, Allthings, vermietet.de oder das Inkasso-Start-up Pair Finance.

Auch einige der großen Immobilienkonzerne sind mittlerweile unter die Proptech-Finanzierer und -Förderer gegangen. So engagieren sich im Blackprint Proptech Booster unter anderem Vonovia, Techem oder Commerz Real als strategische Partner. JLL hat gleich den eigenen Accelerator Concrete aufgelegt – gemeinsam mit Starwood Capital und dem Tech-Investor Seedcamp. Einen ähnlichen Weg beschritt Colliers und rief gemeinsam mit dem US-amerikanischen Technologienetzwerk Techstars ein Accelerator-Programm ins Leben. Gute Voraussetzungen also für junge Unternehmen mit guten Ideen. Geldgeber und Förderer stehen bereit.

Dieser Beitrag ist Teil der  April-Ausgabe von immobilienmanager.

03.04.2018