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Proptech-Studie: Zahlreiche Hürden für Digitalisierung

Mangelnde Datenverfügbarkeit erweist sich als größte Hürde für die Digitalisierung der Immobilienwirtschaft, zugleich gewinnen Kooperationen unter den Proptechs an Bedeutung - das zeigt die erste "Proptech Germany 2020 Studie".

Schritt für Schritt müssen Unternehmen vorgehen, wenn sie Proptech-Lösungen erfolgreich einführen wollen. (Foto: Geerati/istock)
Proptechs sehen zahlreiche Hürden für Digitalisierung der Immobilienbranche. (Foto: Geerati/istock)

Die größte Hürde beim Aufbau eines Geschäftsmodells liegt für Proptechs in Deutschland aufgrund der vorherrschenden Intransparenz in der Immobilienbranche im Zugang zu und der Auswertung von Daten. Das ist ein zentrales Ergebnis der neuen Proptech-Germany-2020-Studie der Technischen Hochschule (TH) Aschaffenburg, dem auf die Digitalisierung der Immobilienbranche spezialisierten Blackprint Booster und dem Anbieter von Proptech Consulting Brickalize.

Im Rahmen der Studie haben die Partner in qualitativen Interviews Vertreter von neun ausgewählten Proptechs aus verschiedenen Entwicklungsphasen und mit unterschiedlichen Ausgangssituationen zu ihren Erfahrungen beim Markteintritt in die deutsche Immobilienwirtschaft und den dabei auftretenden Hürden befragt. Die Studie "PropTech Germany 2020" ist damit die erste wissenschaftliche Untersuchung in Deutschland, die die Digitalisierung der Branche aus Sicht der Proptechs bewertet. Sie bildet zudem den Auftakt einer Studienreihe. Im Fokus der Interviews, die im Juli und August 2020 durchgeführt wurden, standen Fragen zur Markt- und Geschäftsentwicklung, den Voraussetzungen für die erfolgreiche Etablierung eines Proptech-Geschäftsmodells, den größten Hürden beim Aufbau eines Geschäftsmodells und Kooperationen im Proptech-Markt.

Das sind die wichtigsten Studienergebnisse:

  • Voraussetzungen für die erfolgreiche Etablierung eines Proptech-Geschäftsmodells: Rund 80 Prozent der befragten Gründer und C-Level-Vertreter geben an, dass Ineffizienzen im persönlichen oder beruflichen Umfeld ausschlaggebende Impulse für den Aufbau ihres Geschäftsmodells waren. Um Branchenbedürfnisse zielgerecht adressieren zu können, ist nach Einschätzung der Studienteilnehmer ein umfassendes Verständnis für die oftmals komplexe und heterogene immobilienwirtschaftliche Wertschöpfungskette notwendig. Da viele Proptech-Unternehmen im Wesentlichen mit IT-getriebenen Geschäftsmodellen in den Markt eintreten, raten die Interviewpartner, Branchenexpertise bei Bedarf extern einzuholen.
  • Die größten Hürden beim Aufbau eines Geschäftsmodells: 94 Prozent der Befragten betrachten den erschwerten Zugang zu und die Auswertung von Daten als größte Hürde. 88 Prozent geben die Heterogenität der Branche als weitere signifikante Hürde an. Auch das mangelnde Verständnis der etablierten Unternehmen für Proptech-Geschäftsmodelle (75 Prozent) und der Mangel an fachlich qualifizierten wie versierten Entwicklern (75 Prozent) erschwert den Aufbau eines neuen Geschäftsmodells.
  • Kooperationen im Proptech-Markt: Um etablierten Unternehmen Gesamtlösungen anzubieten und die eigene Wahrnehmung im Markt zu verbessern, wächst die Bedeutung technischer und vertriebsseitiger Kooperationen unter den Proptechs. Rund 78 Prozent der Befragten geben an, bereits mit anderen Proptech-Unternehmen zu kooperieren. 100 Prozent sind auch künftig Kooperationen mit anderen Proptechs gegenüber aufgeschlossen. Der Fokus liegt dabei auf der produktorientierten Zusammenarbeit, die durch den Auf- und Ausbau von Schnittstellen darauf abzielt, mit anderen, komplementären Proptech-Lösungen gesamte Prozessabschnitte der jeweiligen Zielkunden abzubilden.

Nach ihrer Einschätzung der Marktentwicklung und einer Prognose ihrer künftigen Auftragslage gefragt, sehen die Studienteilnehmer perspektivisch grundsätzlich mehr Chancen als Barrieren. Die Covid-19-Pandemie habe eine Sensibilisierung für die Nützlichkeit und Notwendigkeit digitaler Innovationen begünstigt. Zugleich zeigt die Studie deutlich, dass die Rahmenbedingungen für Proptechs in der Immobilienbranche nach wie vor verbesserungsfähig sind.

Prof. Dr. Verena Rock, Direktorin des Instituts für Immobilienwirtschaft und -management an der TH Aschaffenburg, leitet daraus ab: „Der Zeitpunkt für unsere Studie hätte nicht besser sein können. Bisher haben sich Studien zur Digitalisierung der Immobilienwirtschaft im deutschsprachigen Raum auf die Sicht der etablierten Unternehmen konzentriert. Mit unserer Proptech-Germany-2020-Studie schließen wir diese Lücke und stellen die Proptechs in den Fokus. Ein besseres Verständnis beider Seiten füreinander ist ausschlaggebend, um die nach wie vor langsam voranschreitende Digitalisierung der Immobilienbranche voranzutreiben.“

Sarah Schlesinger, Managing Director von blackprint Booster, erläutert: „Digitalisierung, Innovation und Nachhaltigkeit werden für die Immobilienwirtschaft immer wichtiger. Durch neue Regulatorik im Finanzsektor wie etwa die Offenlegungs- und Taxonomie-Verordnung der Europäischen Union wächst auch der Druck auf unsere Branche, sich nachhaltiger aufzustellen. Das geht nur durch den Einsatz neuer Technologien. Mit unserer Studie wollen wir Transparenz schaffen und die Bedingungen verbessern, damit Proptechs den Markt erobern und wertvolle Impulse für die Nachhaltigkeit unserer Branche setzen können.“

Philipp J. Liebold, geschäftsführender Gesellschafter von Brickalize, ergänzt: „Unser Studiendesign war darauf ausgelegt, in ausführlichen Interviews mit den Proptechs in die Tiefe zu gehen. So konnten wir uns einen detaillierten Überblick über die Pain Points der Tech-Unternehmen verschaffen. Die Ergebnisse geben wichtige Ansatzpunkte, um die Voraussetzungen für den digitalen Wandel zu verbessern, die Hürden, die die Anbieter von Innovationen erleben, abzubauen, und die Zusammenarbeit der etablierten Branche und der Proptechs zu intensivieren.“

Die Ergebnisse der qualitativen Befragungen werden im nächsten Schritt in einer breiter angelegten Proptech-Untersuchung quantifiziert und schließlich in einer weiteren Studie mit der Perspektive etablierter Immobilienunternehmen abgeglichen. An der ersten Befragung nahmen 21st Real Estate, Allthings, Assetti, Dabbel, Docestate, Evana, Inzept 3D, Kiwi und Plentific teil. Die Tech-Unternehmen sind jeweils zu gleichen Teilen den Kategorien Early-Stager (deutsche Proptechs in der Etablierungsphase), Grown-Ups (deutsche, bereits im Markt etablierte Proptechs) und Conquerer (ausländische Proptechs, die den Markteintritt in Deutschland planen oder bereits vollzogen haben) zuzurechnen

Die komplette Studie finden Sie hier.

29.10.2020