zurück

Prop-Tech: Die erste Konsoliderungswelle rollt

Mehr als 100 Unternehmen der Prop-Tech-Branche sind in Deutschland aktiv. Nach der Gründungsphase sortiert sich die Szene neu. Erste Start-ups sind bereits Geschichte.

Die Konsolidierungswelle rollt auf Prop-Tech zu.
Die Konsolidierungswelle macht auch vor den jungen Prop-Tech-Unternehmen nicht halt (Bild: Andreas Hermsdorf/Pixelio.de)

Prop Techs sind angetreten, Prozesse rund um Kauf, Verkauf, Vermietung und Bewirtschaftung von Immobilien über neu geschaffene Plattformen und Apps abzuwickeln. War 2015 das Jahr der Gründungen, so könnte 2016 das Jahr der Weichenstellungen werden: Den ersten Start-ups geht die Luft aus, andere werden durch neue, millionenschwere Investitionen bestätigt. Nur gut zehn Prozent der Start-ups werden überleben.

Auch inzwischen etablierte Prop-Tech-Unternehmen werden von der Konsolidierungswelle erfasst. Dazu zählt das IT-Haus Conject, das SaaS-(Software as a service) Lösungen für das Bauprojektmanagement und die Immobilienverwaltung entwickelt. Im Jahr 2000 wurde das Unternehmen als Start-up von zwölf Digitalisierungs-Pionieren gegründet. Im März 2016 kauft das australische Softwareunternehmen Aconex den Münchener Anbieter für 65 Millionen Euro, um den europäischen Markt besser abdecken zu können.

Licht und Schatten bei den Makler-Start-ups
Nicht alle Start-ups können wie Maklaro auf prominente Unterstützung aus der Immobilienbranche zählen - Branchenschwergewicht Jones Lang LaSalle hat sich beteiligt. Nach dem Inkrafttreten des Bestellerprinzips versuchten sich diverse junge Firmen als kostengünstige und moderne Alternative zu Maklern zu etablieren – und sind seither als direkte Konkurrenz dem besonderen Argwohn der traditionellen Immobilienvermittler ausgesetzt. Auch die Stiftung Warentest kritisiert, dass für die Start-ups statt Immobilienprofis „Mitarbeiter ohne einschlägige Ausbildung“ arbeiten würden. „Sie verdienen sich ein paar Euro dazu, indem sie Interessenten Wohnungen zeigen oder ein Exposé erstellen.“

Prop-Tech: Finanzierungsrunden. Übernahmen. Beteiligungen.

Eine Auswahl:

•    Realbest aus Berlin erhielt bereits 2015 unter anderem von der IBB und Ventech eine Millionensumme als Finanzierung. Im Februar 2016 bekommt die Immobilienplattform von neuen Investoren erneut eine siebenstellige Summe.

•    Mietercasting.de, das Mieter und Vermieter in einem digitalisierten Prozess zusammenführt, erhält im April 2016 in einer weiteren Runde eine Finanzierung im siebenstelligen Bereich.

•    Brick Vest: Die Immobilien-Crowdinvesting-Plattform hat im April 2016, vier Wochen nach dem Start, bereits eine Million Euro in Immobilienprojekte in Deutschland und Großbritannien investiert, die bei rund 1.500 Geldgebern eingesammelt wurden.

•    Maklaro (ehemals Im Check): Der US-amerikanische Immobilienkonzern Jones Lang LaSalle und der Innovationsfonds Hamburg beteiligten sich im April 2016 am Makler-Start-up. „Die Bewertung von Maklaro dürfte nun im hohen siebenstelligen Bereich liegen“, vermutet die Informationsplattform Deutsche-startups.de.

Das Blog „Gründerszene“ hat nach einem halben Jahr Bilanz gezogen und eine Marktübersicht der Makler-Start-ups erstellt. Das Fazit ist relativ ernüchternd: Einige Anbieter fallen bereits aus der Untersuchung heraus, weil sie fast keine Angebote im Netz haben. Das Rocket Internet-Start-up Vendomo wurde Ende 2015 eingestellt. Ein Schicksal übrigens, das kurze Zeit später auch dem Vermieter-Service von Immobilienscout24 widerfuhr (siehe unten.)

McMakler hat zum Untersuchungszeitpunkt im Januar 2016 mit 210 Angeboten die meisten Immobilien online. Es ist der einzige Anbieter, dessen Wachstumskurve vielversprechend aussieht, ein wichtiges Bewertungskriterium bei Start-ups. Doch Gründerszene-Autor Caspar Tobias Schlenk weist zum Vergleich auf Engel & Völkers hin, einen der großen klassischen Immobilienmakler: Er hat „etwa 650 Wohnungen und Häuser zur Miete im Angebot und bietet mehr als 1.700 Immobilien zum Kauf an“.

Hauseigener Inkubator und Start-up-Beteiligungen
Das Auftauchen der ersten Immobilienportale um die Jahrtausendwende bedeutete das, was die jungen Gründer von heute so gerne „Disruption“ nennen: Die traditionellen Marktplätze für Immobilien, die Anzeigenseiten der gedruckten Zeitungen, verloren rapide an Bedeutung. Betroffen war damals nicht – im Gegensatz zu heute – die Immobilienbranche selbst, sondern „nur“ die traditionellen Verlagshäuser. Die Entwicklung der digitalen Technologien macht aus den Newcomern von damals die (angreifbaren) Platzhirsche von heute.

Die Scout24-Gruppe, zu der Marktführer Immobilienscout24 gehört, hat die Zeichen der Zeit erkannt und bereits 2010 einen unternehmenseigenen Inkubator gegründet: „You Is Now“ unterstützt Gründer mit Finanzierungen, Know-how und den Ressourcen der Unternehmensgruppe. Mit einem knappen Dutzend Start-ups aus der Prop-Tech-Szene arbeitete der Inkubator bisher. „Wir sind kontinuierlich paranoid“, sagt Volker Wohlfahrt von Immoscout24 (IS24) augenzwinkernd über den Ansatz, mit Hilfe des Inkubators auch die Konkurrenz der Zukunft im Auge zu behalten.

Doch wer viel experimentiert, muss hin und wieder mal die Reißleine ziehen: Wie viele der neuen Prop Techs startete IS24 im Sommer 2015 einen „Komplett-Service für Vermieter“. Von der Grundriss- und Foto-Erstellung bis hin zur Wohnungsbesichtigung konnten Nutzer zum Festpreis den Prozess digital über das Immobilienportal abwickeln. Eine Alternative des Marktführers zu Start-ups wie McMakler. Die Vor-Ort-Termine übernahm dabei das Münchener Unternehmen On-Geo. Doch nach weniger als einem Jahr war Schluss: Anfang März 2016 wurde der Dienst überraschenderweise schon wieder eingestellt.

Autor: Eric Sturm

31.05.2016