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Projekt Zukunft

Beim imfokus-Gipfeltreffen ging es um die Herausforderungen und Chancen moderner Projektentwicklung. Auch Human Resorces, BIM und die Verantwortung der Entwickler für die Stadt spielten dabei eine Rolle.

Professor Dr. Shervin Hagsheno vom KIT bei seiner Keynote beim imfokus-Gipfeltreffen (Foto: Andreas Schulten/immobilienmanager)
Professor Dr. Shervin Hagsheno vom KIT bei seiner Keynote beim imfokus-Gipfeltreffen (Foto: Andreas Schulten/immobilienmanager)

Die Zahlen, die Professor Dr. Shervin Hagsheno zum Auftakt präsentierte, hatten es in sich. Zum Beispiel diese: 14,9 Milliarden Euro Fehlerkosten hatte die Bauwirtschaft bei Projekten im Jahr 2017 angehäuft. Kein gutes Zeugnis für die Branche. So wie auch eine weitere Statistik: Der wertschöpfende Teil der Aktivitäten an der gesamten Arbeitszeit beträgt je nach Untersuchung lediglich zwischen zehn und 50 Prozent. Und: Die Produktivität in der Bauwirtschaft hat sich seit 1990 nicht erhöht.

Riesiger Kostenheben - praktisch kaum beachtet
Für den Professor des Karlsruher Institute für Technologie (KIT) gute Gründe, in seiner Keynote beim imfokus-Gipfeltreffen den Kern jeder Projektentwicklung in den Mittelpunkt zu rücken: den Bauprozess. Gerade hier sieht Haghsheno erheblichen Verbesserungsbedarf in Deutschland und äußerte die These: „Sie als Projektentwickler interessiert das gar nicht! Wann haben Sie zum Beispiel zuletzt versucht, die Produktivität Ihres Bauprozesses zu messen?“ Die geringe Bedeutung des Themas sei erstaunlich, schließlich würden 75 bis 80 Prozent der Gesamtkosten eines Projektes auf die Baukosten entfallen. Ein riesiger Hebel, der wenig bis keine Beachtung findet.

Besserung wäre nach Haghshenos Ansicht mit der Anwendung von Lean Construction möglich. Dahinter steht eine Management-Philosophie, die auf die Autoindustrie und Toyota Production Systems zurückgeht. Im Kern geht es darum, nach Perfektion zu streben und die eigenen Prozesse ständig in kleinen Schritten zu verbessern.

Deutsche Demut
Weit verbreitet ist das Prinzip hierzulande allerdings nicht – anders als in der internationalen Bauwirtschaft. „Auf internationalen Konferenzen tritt man als Deutscher Bauprofessor mit sehr viel Demut und Bescheidenheit auf. Auch bei der Live-Befragung der Gipfeltreffen-Teilnehmer wurde deutlich, dass hierzulande Lean Construction kaum eine Rolle spielt. Das Thema war zwar immerhin für rund ein Drittel ein Begriff. Tatsächlich angewendet hatten es dann allerdings nur noch ganze zwei Teilnehmer.

Ineffizienzen und Produktivitätsmangel sind nicht die einzigen Herausforderungen, die die Teilnehmer des Gipfeltreffens als Painpoints der Projektentwicklung ausgemacht haben. In der Trendumfrage „Was ist das derzeit am meisten unterschätzte Risiko im Projektentwicklungs-Geschäft“ nannten sie auch:

  • „Keine Verlässlichkeit in der Politik“
  • „Marktentwicklung bei Projektzeiträumen von vier bis sechs Jahren“
  • Einen gewissen „Innovationsphlegmatismus, der Branche geht es zu gut“

Auch der Fachkräftemangel fehlte in dieser Auflistung nicht. Laut Inga Beyler besteht die aktuelle Herausforderung bei der Gewinnung neuer Mitarbeiter auch darin, dass sich die persönlichen Erwartungen von Kandidaten zunehmend von den Bedürfnissen der Unternehmen entfernen: Flexible Arbeitszeiten, Aufstiegschancen und Gehalt vs. Projektdruck und Leistungsbereitschaft.

Riesige Gehaltssprünge und veränderte Erwartungen
Wie wichtig solche Themen immer mehr Mitarbeitern werden, konnte sie aus der Auswertung eigener Stellenbesetzungen berichten. „80 Prozent der Kandidaten, aus dem Gehaltsbereich 100.000 Euro, sprechen in den ersten drei Fragen die Möglichkeit von flexiblen Arbeitszeiten und Home Office an.“ Die Unternehmen müssten stärker als bislang verstehen, was Mitarbeitern und Kandidaten wirklich wichtig ist.

Der Druck auf die Unternehmen auch in der Projektentwicklung nimmt zu. Analog zum Begriff des „Mietermarktes“ hat sich der Jobmarkt in der Bau- und Immobilienwirtschaft längst zu einem Kandidatenmarkt gedreht. Gehaltssprüngen bei der Besetzung von Fach- und Führungspositionen in Höhe von 20 bis 25 Prozent alleine in den letzten Jahren, sind dafür ein deutliches Signal.

Sämtliche Vorträge des imfokus-Gipfeltreffens können Sie sich hier herunterladen:

Weitere Themen des imfokus-Gipfeltreffens waren die Optimierung von Lebenszykluskosten durch baubegleitende FM-Beratung, die gesellschaftliche Verantwortung von Projektentwicklern, ein Beispiel für modularen Wohnungsbau im großen Stil und der Einsatz digitaler Tools bei der Planung eines Stadtquartiers für , die 150.000 Einwohner sowie die praktische Umsetzung von BIM.

Autor: Markus Gerharz

04.10.2019