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Interview: Ohne Circular Economy geht es nicht

Nicht nur an den Klimaschutz, sondern auch an das ressourcenschonende Bauen sollte die Branche denken. immobilienmanager sprach darüber mit Dr. Peter Mösle, Partner der Drees & Sommer SE und Geschäftsführer der EPEA GmbH – Part of Drees & Sommer.

Dr. Peter Mösle (Foto: Drees & Sommer SE/EPEA GmbH)
Dr. Peter Mösle (Foto: Drees & Sommer SE/EPEA GmbH)

Wie gelingt es, Klimaschutz und Ressourceneffizienz wirtschaftlich in die Planung von Immobilien zu integrieren?
Was den Klimaschutz angeht, gibt es bereits diverse Methoden und Maßnahmen. Die Ressourceneffizienz in die Planung von Immobilien zu integrieren, ist hingegen deutlich schwieriger. Dies liegt zum einen daran, dass noch zu wenig Wissen in der Breite vorhanden ist. Zum anderen ist die Ressourceneffizienz nicht einfach nachrüstbar. Das heißt: Wird in der Planung nicht auf eine kreislauffähige Verwendung von Ressourcen geachtet, kann dies später – wenn die Immobilie bereits steht – nicht nachgeholt werden. Daher ist die Ressourceneffizienz, oder wie wir sagen das kreislauffähige Bauen beziehungsweise die Circular Economy, ganz klar eine Design-Frage. Die weitreichendste Methode hierfür ist das Cradle-to-Cradle-Designprinzip.

Was sind die entscheidenden Stellschrauben?
Will die Bau- und Immobilienbranche einen spürbaren Beitrag zum Klimaschutz und zur Ressourcenschonung leisten, führt kein Weg an der Circular Economy vorbei. Und dabei geht es nicht um das heute bekannte Recycling von Bauschutt oder die Verwendung von Baumaterialien wie Ziegel aus recyceltem PET-Plastik, denn diese werden nach ihrem zweiten oder dritten Einsatz trotzdem zu Müll und gehen somit verloren. Vielmehr geht es um eine echte Kreislaufwirtschaft, bei der die eingesetzten Ressourcen nach ihrer Nutzung als Ausgangsstoffe für neue, schadstofffreie Produkte dienen und kontinuierlich in Kreisläufen zirkulieren.

Wie lässt sich das erreichen?
Dafür muss zum einen die Transparenz über den Inhalt der Bauprodukte – und zwar bis auf die Chemieebene – sichergestellt werden, um Risikostoffe auszuschließen und nur gesunde, sortenrein trennbare Materialien zu verwenden. Zum anderen ist es unabdingbar, eine detaillierte Dokumentation der verbauten Produkte mit allen Informationen inklusive verfügbarer Rohstoffwerte zu erstellen. Dies ist mit einem sogenannten Building Material Passport, dem Pendant zum Energieausweis auf Baustoffebene, heute schon möglich.

Wer hat das dafür nötige Wissen?
Eine neue Kompetenz in der Planung ist nötig – und zwar die eines Material-Fachplaners beziehungsweise eines Circular Engineers, dersich mit der chemischen Zusammensetzung und der stofflichen Beschaffenheit von Bauprodukten auskennt und gleichzeitig planerische Kompetenzen vorweisen kann. Sofern ein Circular Engineer zu Planungsbeginn in das Planungsteam integriert wird, ist auch eine Wirtschaftlichkeit gegeben. Denn gesunde Gebäude mit trennbaren und restlos recycelbaren Materialien und Konstruktionen können heute schon einen monetären Mehrwert als Rohstoffdepots aufweisen.

Welche Punkte hat man bisher zu wenig beachtet?
Es ist bekannt, dass die Bau- und Immobilienwirtschaft für mehr als 50 Prozent des Rohstoffverbrauchs verantwortlich ist. Würden diese Ressourcen nach dem Lebenszyklus eines Gebäudes oder Produkts vollständig und in gleichwertiger Qualität herauskommen und für andere Güter und Immobilien wiederverwendet, könnten wir bereits jede Menge Ressourcen einsparen. Doch heute sind wir davon noch weit entfernt. So stellen Projektentwickler, Bauherren und Planer seit den 1990er Jahren die Energieverwendung und -effizienz in den Vordergrund, setzen dafür aber immer mehr Rohstoffe ein. Erst seit ein paar Jahren findet langsam ein Umdenken statt. Dennoch sind wir noch längst nicht so weit und sollten stärker daran arbeiten, schnelle und effektive Lösungen für Klima- und Ressourcenprobleme zu liefern. Denn langfristig werden wir keinen Mangel an Energie, sondern an Rohstoffen haben.

Das Gespräch führte Roswitha Loibl für die immobilienmanager Ausgabe 12-2019.

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06.12.2019