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Das neue Maklerrecht: Ein Weihnachtsgeschenk

"Einen Tag vor Heiligabend bekommt die Immobilienbranche ein vorzeitiges Geschenk. Denn am 23. Dezember 2020 tritt das neue Maklerrecht deutschlandweit in Kraft." Ein Kommentar von Achim Amann, Geschäftsführer bei Black Label Immobilien.

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Das neue Maklerrecht ist ein Weihnachtsgeschenk: Zwar wird es zur Marktbereinigung kommen, doch die meisten Wettbewerber werde davon profitieren - das meint Achim Amann von Black Label Immobilien in seinem Gastbeitrag. (Bild: Kira auf der Heide/Unsplash)

Der Grundgedanke des neuen Maklerrechts ist, dass ab dem Tag des Inkrafttretens von Käufern im privaten Wohnungsmarkt für Makler-Dienstleistungen nicht mehr verlangt wird als vom Verkäufer. Oder anders ausgedrückt: Die Provisionshöhe wird frei verhandelbar.

Wir bei Black Label Immobilien freuen uns über diese Entscheidung, und auch Kollegen von anderen Unternehmen befürworten diese. In unserem Unternehmen haben wir es schon seit mehreren Jahren positiv gesehen, dass die Makler für ihre Leistungen ein Honorar vom Verkäufer bekommen. Das neue Maklerrecht wird der Branche aus unserer Sicht sehr guttun.

Das bisherige System hätte schon längst einer strukturellen Überholung bedurft. Besonders für unseren Hauptmarkt Berlin war die einseitige Bezahlung des Maklers durch den Käufer nicht mehr tragbar. Weil unsere Branche bislang keine einheitliche Regelung finden konnte, greift nun der Gesetzgeber ein. Im Grunde kann man sagen, dass die Weiterentwicklung unseres Berufs nun von oben forciert wird. Aber das "Wie" spielt dann ihm Nachhinein auch keine Rolle mehr. Es ist jetzt viel wichtiger, die Möglichkeiten des Gesetzes an die Kunden weiterzugeben. Für Käufer und Verkäufer bieten sich jetzt einige Chancen.

Beide Seiten werden in Zukunft Provisionen von drei Prozent plus gesetzlicher Mehrwertsteuer einplanen können – das ist meine Prognose. Die Verkäufer können dabei die Kaufpreise um drei Prozent erhöhen, vielleicht sogar noch mehr. Nach meiner Erfahrung ist es für den privaten Verkäufer tatsächlich die beste Lösung, wenn er die gesamte Provision übernimmt. Das hat sich vor allem bei Projekten im Ausland gezeigt, aber auch in Deutschland konnten wir dies schon beobachten. Auf diese Art kann der Käufer ohne Provision kaufen und spart Eigenkapital. Die meisten Banken finanzieren sowieso eher einen höheren Kaufpreis als die Maklerkosten.

In unserem Unternehmen bieten wir schon seit einigen Jahren sowohl ein Festpreis-Modell als auch eine flexible Maklervergütung an. Deshalb sehe ich den künftigen Veränderungen auch gelassen entgegen. Bei uns wird je nach gewünschter Dienstleistung ein pauschaler Satz mit dem Makler vereinbart und direkt durch den Verkäufer bezahlt. In den nächsten Jahren wird dies vielleicht sogar zu einer Art Beraterhonorar führen, wie es schon in vielen freien Berufen vorkommt. Und das ist der große Vorteil für uns als Makler: Die Arbeiten und Leistungen, die wir erbringen, werden am Ende auch vergütet. Darauf konnten wir uns bisher nicht verlassen.

Neben dem geringeren Einsatz von Eigenkapital ist für Käufer vor allem die bessere Transparenz und Vergleichbarkeit der Maklerleistungen von Vorteil. Da auf die Käufer keine oder eine halbierte Provision zukommt, können sie leicht erkennen, welcher Makler bei den Verkäufern welche Leistungen durchsetzt und abrechnet. Dadurch werden vermutlich kleine Makler auf dem Markt nicht bestehen können, doch für die Käufer wird es transparenter.

Die Anforderungen an uns Makler sind in den letzten Jahren immer weiter angestiegen. Neben den konstant wachsenden Kosten für Infrastruktur und Marketing hält auch das neue Maklerrecht einige Herausforderungen für unsere Branche bereit. Hinzu kommen gesetzliche Auflagen, die z.B. höhere Anforderungen für neue Makler oder wirtschaftliche Risiken mit sich bringen. Vor allem, wenn die Vergütung von einem erfolgreichen Abschluss abhängt.

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Achim Amann (Bild: Black Label Immobilien)

Insgesamt freue ich mich aber auf das neue Maklerrecht. Zwar wird es zu einer Marktbereinigung kommen, doch die meisten Wettbewerber werden davon profitieren. Es kommt nicht oft vor, dass alle Seiten von einer Sache profitieren. Das neue Maklerrecht könnte also tatsächlich eine Ausnahme werden, denn es nützt Käufern, Verkäufern und Maklern gleichermaßen. Deswegen man hier wirklich von einem Weihnachtsgeschenk sprechen.

Achim Amann ist Geschäftsführer bei Black Label Immobilien.

25.11.2020