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Neue Rolle für Human Resources in der Immobilienwirtschaft

Damit der digitale Wandel gelingt, muss HR strategische Verantwortung auf höchster Ebene tragen. Spannende Einblicke aus anderen Branchen, klare Worte und lebhafte Diskussionen gab es beim dritten imFOKUS Gipfeltreffen Human Resources.

Der Kölner Harbour Club (Foto: Axel Schulten)
Es war wieder Gipfeltreffen-Zeit im Kölner Harbour Club (Foto: Axel Schulten)

Der Motor der Immobilienwirtschaft läuft auf Hochtouren. Es wird gebaut und investiert was das Zeug hält. Mitten in diesem Vollsprint müssen die Unternehmen ihre Geschäftsmodelle wetterfest machen für zukünftige Anforderungen weiterentwickeln. Denn schneller als jemals zuvor ändern sich durch die Digitalisierung Arbeitsprozesse, wandeln sich die Anforderungen von Kunden und die technologischen Möglichkeiten.

Lernen von Lufthansa und Deutscher Bank
Vor diesem Hintergrund diskutierten beim imFOKUS Gipfeltreffen Human Resources III führende Immobilien- und HR-Experten der Branche über Chancen und Herausforderung für das Personalmanagement. Es gab spannende Einblicke aus der Branche – zum Beispiel über den tiefgreifenden Veränderungsprozess, den die Commerz Real auf dem Weg zum digitalen Asset Manager durchschreitet. Und es gab vielfältige Erfahrungen von außen – etwa von der Lufthansa und der Deutschen Bank, bei denen sich durch die Digitalisierung ebenfalls die Arbeit und die Aufgaben von Human Resources stark verändern.

Die Transformation gleicht auch bei Immobilienunternehmen einer Operation am offenen Herzen und ist doch alternativlos. Denn eine agilere Aufstellung und schnelle, durchgängige Prozesse entwickeln werden wettbewerbsentscheidend. Für das Personalmanagement und die Personalentwicklung sind das große Herausforderungen.

Keynote-Speaker Christian Baier hat als Unternehmensberater bei der 4C Group bereits die Deutsche Bank und andere Kunden beraten, wenn es um digitale Transformation und Human Resources geht. Er sieht die Digitalisierung als große Chance, damit sich HR im Unternehmen in strategischer Rolle platziert. Seiner Meinung nach, wird sich vor allem Leadership verwandeln: „Die Führungskräfte müssen sich ändern, denn durch die Digitalisierung haben zum ersten Mal die Nachwuchskräfte mehr Wissen als die etablierten Führungskräfte.“

Mittendrin im fliegenden Veränderungsprozess ist derzeit die Commerz Real, die bis 2020 der erste digitale Asset Manager in Deutschland sein möchte. Sandra Scholz machte klar, dass es dabei nicht nur um Produkte und Technik geht. „Die Digitalisierung verändert insbesondere den Kern unseres Unternehmens.“ Fünf Bausteine sollen der Commerz Real helfen, mehr digitale Kompetenz in unternehmerisch-strategische Entscheidungen einfließen zu lassen. Dazu gehört ein „Schattenvorstand“, der sich ausschließlich aus Digital Natives zusammensetzt und ein Reverse Mentoring, bei dem Vorstände von Nachwuchskräften lernen können. Scholz machte außerdem klar, dass das Silodenken ein Ende haben muss: „Es ist wirklich wichtig, sich interne und über Unternehmensgrenzen hinweg zu öffnen und auszutauschen.“ Immer wieder wurde die Bedeutung von offener Kommunikation – intern wie extern – in diesem Zusammenhang angesprochen.

Thomas Flohr, Geschäftsführer von Heuer Karriere, erläuterte anschließend ein Instrument, das allen Immobilienprofis wohl vertraut ist: die Portfolioanalyse. Allerdings ging es ihm nicht um Immobilienportfolios, sondern um Eignungsdiagnostik bei Personalentscheidungen. Ein Instrument, dass nicht nur bei Neueinstellung angewendet wird, sondern zum Beispiel auch bei M&A-Prozessen und der anschließenden Integration von Mitarbeitern in ein Unternehmen.

Gaming als Türöffner für anderes Denken
Anschließend wurde es spielerisch. Die Synexs GmbH, 2016 ins Leben gerufener FM-Dienstleister im Hochtief-Konzern, ließ die versammelten Immobilien- und HR-Experten via ipads selbst ausprobieren, wie sich mit Hilfe eines Online-Spiels Verständnis für Aufgaben und Rollen innerhalb von FM-Prozessen schaffen lässt. Spieltrieb und Ehrgeiz bei den Teams an den Tischen waren geweckt, so dass anschließend über Nutzen, aber auch Grenzen derartiger Gaming-Tools lebhaft diskutiert wurde.

Die Vorträge der Referenten zum Download

Christian Baier, 4C Group AG
Case Study Deutsche Bank: Digitale Transformation in HR

Sandra Scholz, Commerz Real AG
Der Weg zum digitalen Asset Manager


Thomas Flohr, Bernd Heuer Karriere
Human Resources Portfolioanalyse

Jörg Ohle und Frederik Witt, Synexs GmbH

Lena Kaltenmeier, AirPlus International/Lufthansa
HR neu denken in Zeiten von VUCA

Sinan Eliguel, Drees & Sommer SE
Next Generation HR - Zeit, sich neu zu definieren

Lena Kaltenmeier, Executive Director HR bei der Lufthansa-Tochter Airplus International, war es vorbehalten, einen weiteren Einblick in eine immobilienfremde Branche zu geben. Sie zeigte eindrucksvoll, wie ihr Unternehmen mit der digitalen Transformation im HR-Bereich umgeht und welche Widerstände es dabei zu überwinden gilt. Gerade das „Über den Tellerrand gucken“ in andere Branchen war die Stärke dieses Gipfeltreffens.

Digitalisierung ist nicht bloß Automatisierung
„Wir HR-Leute haben leider oft noch nicht wirklich begriffen, was Digitalisierung tatsächlich ist“, sagte Kaltenmeier gleich zu Beginn. Viel zu häufig ginge es nur um Aspekte der Automatisierung und um die Einführung neuer Tools. „Im Kern geht es aber um das Rollenverständnis. HR darf nicht nur interner Dienstleister sein, wir müssen Partner auf Augenhöhe sein“, stellte sie klar. Auch die Lufthansa-Expertin betonte die strategische Bedeutung von HR.

Die Technologie könne bekannte HR-Prozesse übernehmen und so Ressourcen bei den HR-Experten frei setzen. Das bedeute aber auch, dass sich Personaler von bekannten Aufgaben lösen und lernen müssten ihre Rolle stärker strategisch auszufüllen. „Welche Arbeitsumfelder brauchen wir in Zukunft? Welche Mitarbeiter benötigen wir, wenn sich Prozesse und Geschäftsmodelle ändern und was müssen wir ihnen bieten? Mit diesen Fragen sollte sich HR auseinandersetzen“, forderte sie.

Ähnlich sah das auch Sinan Eliguel, seit gut drei Monaten weltweiter HR-Chef von Drees & Sommer. Auch für ihn muss HR selbst in eine Transformation gehen und sich strukturell und inhaltlich neu aufstellen. Dazu gehöre auch ein tieferes Verständnis des operativen Geschäftes und der Kunden des eigenen Unternehmens. „Wenn ich Kunden nicht verstehe, kann ich mein eigenes Unternehmen nicht auf die Zukunft vorbereiten und kann auch nicht die richtigen Mitarbeiter dafür auswählen.“ Eliguel, der unter anderem bei Opel und General Motors tätig war, sieht Human Resources in der Immobilienwirtschaft in diesen Belangen ein gutes Stück hinter anderen Branchen zurück.

Autor: Markus Gerharz

10.11.2017