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Nebenkosten sind die halbe Miete

Machen es sich die Vermieter zu bequem? Frank Wojtalewicz, Geschäftsführer d.i.i. Deutsche Invest Immobilien, findet klare Worte zum Umgang der Wohnungsunternehmen mit den Nebenkosten. Hier sein Kommentar.

Frank Wojtalewicz, Geschäftsführer d.i.i. Deutsche Invest Immobilien (Foto: d.i.i.)
Frank Wojtalewicz, Geschäftsführer d.i.i. Deutsche Invest Immobilien (Foto: d.i.i.)

Zwischen drei und vier Euro zahlen deutsche Mieter im Durchschnitt pro Quadratmeter monatlich an Nebenkosten, und für mich steht fest: Das ist angesichts steigender Mieten deutlich zu viel. Wenn der Immobilienmarkt, wie er es jetzt einmal wieder beweist, letztlich ein Derivat der Finanzmärkte ist, dann sind es die Investoren den übrigen Marktteilnehmern auch schuldig, alle Hebel zu identifizieren, um einzelne monatliche Kostenpunkte zu senken. Ich kann mir daher nicht erklären, warum so viele Vermieter die ihnen diktierten Dienstleistungsverträge der öffentlichen Hand derart widerstandslos hinnehmen – zu Lasten ihrer Mieter.

Dabei wäre es so einfach: Die Preise für Strom, Gas, Entsorgung und etliche weitere Bestandteile der Nebenkostenabrechnung lassen sich heutzutage ohne größere Umstände vergleichen. Wer mehrere Liegenschaften hat, kann auch prüfen, ob sich die einzelnen Verträge nicht bündeln lassen; da spielt es auch keine Rolle, ob man den Strom vor Ort einkauft oder vor einem Anbieter am anderen Ende der Republik. Was zählt, sind die Preisnachlässe, die bei größeren Paketen plötzlich möglich werden, und da gilt: Man darf ja mal nachfragen. Von Ausschreibungen will ich gar nicht erst reden. Wenn Investoren Vertragsverlängerungen zum Anlass nähmen, um Vergleichsangebote einzuholen, würden von sich aus viele Bestandsdienstleister ihre Verträge nachbessern, allein um der Kundenbindung willen.

Machen es sich die Vermieter also zu bequem? Ich befürchte, dass viele Investoren sich mit der derzeit attraktiven Situation des deutlichen Nachfrageüberhangs begnügen, statt zu schauen, an welchen Stellen Kosten für Mieter gesenkt werden können. Denn es ist nicht ersichtlich, warum bei einer jährlichen Inflation von 1,5 Prozent Dienstleistungen, die den Nebenkosten zuzuordnen sind, im selben Zeitraum um bis zu acht Prozent und mehr steigen sollen. Beim besten Willen: Die Gehälter der Mitarbeiter sind es nicht, die davon profitieren.

Zwischen 15 und 25 Prozent der Nebenkosten lassen sich durch Nachverhandlungen einsparen, weitere zehn bis 30 Prozent durch energetische Investitionen. Zusammengelegt lassen sich die Nebenkosten also teilweise sogar halbieren. Gerade in der aktuellen Situation mit einer inzwischen bundesweit geführten Diskussion um bezahlbaren Wohnraum könnten also Bestandshalter mit wenigen Schritten viel für Ihre Mieter erreichen. Sie müssten es bloß tun und dabei anerkennen, dass sie kraft ihrer Größe mehr bewegen können als private Eigentümer.

06.12.2019