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Nachhaltigkeit: Marktkonzentration bei Gebäudesiegeln

RICS Deutschland und das Irebs Kompetenzzentrum für Nachhaltigkeit in der Immobilienwirtschaft haben den Markt für Nachhaltigkeitszertifikate in Europa ausgewertet. Die wichtigsten Ergebnisse gibt es hier.

Green Building ist vom Hype zum Alltagsthema für Investoren und Bestandshaltern geworden (Foto: iStock.com/Petmal)
Green Building ist vom Hype längst zum Alltagsthema für Investoren und Bestandshaltern geworden (Foto: iStock.com/Petmal)

Die Professional Group (PG) Sustainability der RICS Deutschland und das Irebs Kompetenzzentrum für Nachhaltigkeit in der Immobilienwirtschaft der Universität Regensburg haben den aktuellen Stand zu Nachhaltigkeitszertifikaten in Europa ausgewertet. Herausgekommen ist eine europäische Nachhaltigkeitsstatistik als gemeinsames Papier mit dem Titel „Grün kommt!“ Ein Fazit darin: Die Verbreitung der Nachhaltigkeitszertifikate hat europaweit um 16 Prozent zugelegt.

Wachstum besonders in Deutschland, Großbritannien und Frankreich
Die nunmehr fünfte Erhebung zu den europäischen Nachhaltigkeitszertifikaten belegt das Wachstum des Zertifizierungsmarktes. Neben der Nachfrage von nationalen und internationalen Investoren sind die ambitionierten Klimaziele mit den Einsparpotenzialen für die Immobilienwirtschaft ein wesentlicher Treiber für verbesserte Vergleichbarkeit und erhöhte Transparenz, beispielsweise zum CO2-Fussabdruck.

Neben der reinen Statistik bietet das Papier, das erstmals in wissenschaftlicher Kooperation mit Professor Dr. Sven Bienert vom Irebs Kompetenzzentrum für Nachhaltigkeit in der Immobilienwirtschaft erarbeitet wurde, auch eine Einordnung zu den aktuellen Entwicklungen des Themas Sustainability. 

Immer mehr Doppelzertifikate
Dr. Markus Surmann MRICS, stellvertretender Vorsitzender der PG Sustainability: „Die hohe Attraktivität von Nachhaltigkeitszertifikaten – insbesondere im Bereich der Neubauten und vorwiegend in sehr guten Lagen – ist für Marktakteure nach wie vor gegeben. Eine Entscheidung für oder gegen ein spezielles Zertifizierungssystem ist mittlerweile jedoch weniger in den zugrundeliegenden Bewertungskriterien begründet, sondern vielmehr der jeweiligen Akzeptanz und Nachfrage von nationalen und internationalen Investoren geschuldet – das Phänomen der Doppelzertifizierung unterstreicht diesen Trend.“

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Professor Dr. Sven Bienert: „Je mehr Nachhaltigkeitseigenschaften als Standard wahrgenommen werden und je stärker mittelfristig auf die Einhaltung internationaler wie nationaler Klimaziele geachtet werden muss, desto stärker spielt das Thema „future proof Asset“ eine entscheidende Rolle. Um mögliche „grey Discounts“ und „stranded Assets“ zu verhindern." Es geht also um Immobilien, die eben nicht mehr die zukünftigen Anforderungen in Bezug auf Nachhaltigkeit erfüllen und dann gegebenenfalls mit einem Abschlag gehandelt werden müssen. "Deshalb bearbeiten einzelne Marktteilnehmer ihre Portfolios bereits proaktiv. Investitionen in die gezielte Dekarbonisierung des Bestandes kristallisieren sich zunehmend als wesentliches Handlungsfeld heraus”, erklärt der Irebs-Geschäftsführer.

Die zentralen Ergebnisse von „Grün kommt!“ im Überblick:

1. Zertifizierungsmarkt im Wachstum
Die Immobilienbranche investiert ungebrochen in Nachhaltigkeitszertifikate. Derzeit sind europaweit rund 22.500 Immobilien mit einem Nachhaltigkeitszertifikat ausgezeichnet, dies entspricht einer Steigerung zum Vorjahreszeitraum von 16 Prozent. Insbesondere Deutschland, Großbritannien und Frankreich erzielten bei den Zertifikaten und Vorzertifikaten für Neubauten und Sanierungen ein deutliches Wachstum.

2. Zertifikate aber kein Massenprodukt
Zertifizierte Gebäude sind im Verhältnis zur Neubautätigkeit und den Bestandsbauten nach wie vor ein Nischenprodukt. Der Fokus liegt klar auf großvolumigen Gewerbeimmobilien.

3. Pro oder Contra Labelauswahl
Die Teilmarktrelevanz und der angesprochene Investorenkreis sind zentrale Auswahlkriterien für ein bestimmtes Nachhaltigkeitslabel. Die Zunahme an Doppelzertifizierungen (jeweils nationales und internationales Label) unterstreicht diese These.

4. Survival of the fittest auch bei Zertifikaten
Marktverdrängungen, Konzentrationsprozesse sowie der Druck durch weiterentwickelte Labels und Zusatznutzen prägen den Zertifizierungsmarkt. Dies forciert den Ausleseprozess in den kommenden Jahren.

5. „WELL Standard“ greift Markttrend auf
Der neue „Well Building Standard“ konzentriert sich auf die Themen Gesundheit sowie Wohlbefinden im Arbeitsumfeld und reagiert damit auf einen allgemeinen gesellschaftlichen Wandel.

6. Wirtschaftliche Nutzungsdauern sinken
Wandelnde Nutzerpräferenzen, erhöhte technische Anforderungen, fortschreitender Innovationsdruck und damit einhergehende (hohe) Zertifikateanforderungen wirken zunehmend als Katalysator für einen verkürzten Immobilienlebenszyklus. Die Flexibilität bei der Bauweise und den Baumaterialien sowie die frühzeitige Integration von Maßnahmen zur Erreichung der Klimaziele können die Verlängerung der wirtschaftlichen Nutzbarkeit positiv beeinflussen.

7. Benchmarking, Datensammlung und CO2-Fussabdruck
Big Data und Data Mining sind in Zusammenhang mit Verbräuchen und Einsparungspotenzialen in der Immobilienbranche Megathemen, um ambitionierte Klimaziele zu erreichen. Benchmarkinginitiativen (wie beispielsweise GRESB, GRA, Greenprint, CDP, ZIA-Benchmarkingleitfaden etc.) forcieren dabei die verbesserte Vergleichbarkeit und erhöhte Transparenz. Die Bedeutung der Thematik CO2-Fussabdruck nimmt dabei sukzessive zu.

8. Green Premium existent
Der ökonomische Vorteil von nachhaltigen Immobilien im Vergleich zu konventionellen Gebäuden wird durch eine Vielzahl an empirischen Studien bestätigt. Die Ergebnisse beziehen sich auf die Zahlungsbereitschaft sowie Miet- und Kaufpreise.

9. Grey Discount als „Ausblick“
Es zeichnet sich ab, dass Abschläge für eine schlechte Nachhaltigkeitsperformance zunehmen werden, je mehr nachhaltige Eigenschaften in der Immobilienbranche als „State of the Art“ angesehen werden.

10. Stranded Assets und Dekarbonisierung
Striktere gesetzliche Anforderungen an Gebäude im Rahmen von Klimastrategien erhöhen den Druck auf Portfolios ohne entsprechende Dekarbonisierungsstrategie. Die Gefahr von nicht mehr marktgängigen Assets, so geannten „Stranded Assets“, nimmt zu. Klare Dekarbonisierungsstrategien leiten sich direkt aus den nationalen Zielen für 2050 ab und sollten sukzessive im Asset Management integriert werden.

11. 2-degree-ready Portfolio
Immobilienbestände, die die notwendigen Weichenstellungen zur Dekarbonisierung ihres Bestandes einhalten, können als „future proof“ angesehen werden.

Nachhaltigkeitsstatistik "Grün kommt!"



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04.12.2017