zurück

München: Kirschgelände wird grünes Wohnquartier

Auf dem Münchener Kirschgelände soll ein Quartier mit rund 1.300 Wohnungen und 57.000 Quadratmetern Grünflächen entstehen.

kirschgelände-münchen
Der Siegerentwurf stammt von Hilmer Sattler Architekten Ahlers Albrecht gemeinsam mit den Landschaftsarchitekten vom Büro Keller Damm. (Bild: ALLPG/Hilmer Sattler/Keller Damm)

Nach außen hin fließende Gebäudeübergänge zur Nachbarbebauung, jede Menge in München dringend benötigter Wohnraum, 57.000 Quadratmeter Grünflächen, Dachgärten, wenige Straßen, nachhaltige Mobilitäts- und Sharing-Angebote: „Für das neue Stadtquartier auf dem ‚Kirschgelände‘ möchten wir vor allem eines: eine Lebensqualität schaffen, die es an diesem Standort bisher nicht gegeben hat – für die künftigen Bewohner und für die Nachbarn“, sagt Wolfgang Bogner, Geschäftsführer der Eckpfeiler Immobilien Gruppe. Gemeinsam mit der Büschl Unternehmensgruppe realisiert der Projektentwickler unter dem Joint Venture ALLPG das neue Quartier im Münchner Bezirk Allach-Untermenzing. Um möglichst vielfältige Ansätze für die Entwicklung zu prüfen, hatte die ALLPG gemeinsam mit der Landeshauptstadt München einen städtebaulichen und landschaftsplanerischen Wettbewerb ausgelobt. Die Sieger stehen seit Ende Juni mit Hilmer Sattler Architekten Ahlers Albrecht München und den Landschaftsarchitekten Keller Damm Kollegen München fest ( wir berichteten ). Ihre Entwürfe werden vom 18. bis zum 24. Juli öffentlich ausgestellt.

An dem Wettbewerb zur Entwicklung des rund zwölf Hektar großen bisherigen Gewerbe- und Mischgebiets hatten sich zwölf Planungsteams aus dem In- und Ausland beteiligt. Ein Preisgericht mit Experten aus Stadtpolitik, Stadtentwicklung, Architektur und Projektentwicklung hatte die Siegerentwürfe anhand eines umfassenden Kriterienkataloges gekürt. Wolfgang Bogner: „Von der Entscheidung des Preisgerichts sind wir mehr als begeistert. Denn mit den Entwürfen des Gewinnerteams können wir das Grundstück umfassend entsiegeln, Umgebungslärm für unser Quartier selbst wie auch für die Nachbarn reduzieren, durch die geplante Höhenstaffelung der Gebäude und die besondere Anordnung der Grünflächen auf die homogene, kleinteilige Bebauung der Nachbarschaft eingehen und zugleich eine Verbindung zu ihr schaffen.“

Seit Gründung des Dampfsäge- und Hobelwerkes „Theodor Kirsch & Söhne“ im Jahr 1892 wird das Areal als Gewerbe- und Mischgebiet genutzt – in den vergangenen Jahrzehnten vorrangig von Logistikunternehmen. Allerdings liegt es mitten in einem Wohngebiet mit vielen Ein- und Mehrfamilienhäusern. „Wir möchten an diesem Ort ein Quartier entwickeln, das sich in die Nachbarschaft integriert. Denn es soll Mehrwerte bieten, die allen Einwohnern des Stadtbezirks Allach-Untermenzing zugutekommen. Durch die Umwandlung des Areals in ein Wohngebiet reduzieren wir darüber hinaus die aktuellen Lärm- und Abgasemissionen deutlich“, erklärt Ralf Büschl, Vorsitzender der Geschäftsführung der Büschl Unternehmensgruppe.

Grüne Lunge mit Landschaftspark und Dachgärten

Der Baustart für das Quartier ist für 2022 geplant. Die Realisierung soll in drei Bauabschnitten erfolgen. Das städtebauliche Konzept von Hilmer Sattler Architekten Ahlers Albrecht München und den Landschaftsarchitekten von Keller Damm Kollegen München wird nun zur Grundlage des Bauleitplanverfahrens.

Über differenzierte Höhenstaffelungen der Gebäude, die an den Grundstücksgrenzen abfallen, planen die Architekten fließende Übergänge zu den Ein- und Mehrfamilienhäusern der Nachbarschaft. So entstehen im südwestlichen Grundstücksbereich beispielsweise Punkthäuser. Diese nehmen die Punktstruktur der umliegenden Einfamilienhäuser auf und schaffen durch Abstände ausreichend Raum zu ihnen.

Für den mittleren Bereich an der westlichen Grundstücksgrenze sehen die Entwürfe entlang der Kirschstraße einen 18.000 Quadratmeter großen öffentlichen Landschaftspark vor. Er öffnet das Quartier nach außen und bietet zahlreiche Erholungsmöglichkeiten. Zudem wird er so gestaltet, dass er bei zukünftigen Planungen den Ausgangspunkt eines Grünbereiches bis zur Würm bilden kann.

Im südlichen Teil des Areals sehen die Pläne einen zentralen Stadtgarten mit Gastronomie, Anwohnertreff, kleineren Gewerbeeinheiten sowie einer neuen Bushaltestelle vor. Und auch am östlichen Quartiersrand werden Grünflächen entstehen, die die Erholungsangebote abrunden. Auf einigen Häusern des Quartiers sind zudem private gemeinschaftliche Dachgärten geplant, um die Gebäude herum begrünte private sowie halböffentliche Bereiche.

Unterschiedliche Wohnformen, Kitas, eine Grundschule und Mobilitätsangebote

In den Gebäuden selbst sind 1.300 Wohnungen unterschiedlicher Art für verschiedene Einkommens-, Nutzer- und Altersgruppen vorgesehen. Sechzig Prozent der Wohnbauflächen sollen freifinanziert sein, vierzig Prozent kommen dem geförderten Wohnungsbau zugute. Beide Formen werden auf den einzelnen Baufeldern durchmischt angeboten. In die Wohnbebauung integriert sind außerdem vier Kindertagesstätten, eine temporäre Kindertagesstätte sowie eine dreizügige Grundschule inklusive einem „Haus für Kinder“ und einer Sporthalle mit Freisportanlagen.

Durch das Quartier wird mit der neu gestalteten, leicht geschwungenen Elly-Staegmeyr-Straße nur eine Fahrbahn führen. Sie bietet neben der Kirschstraße am westlichen Quartiersrand die Zufahrten zu den ein- bis zweigeschossigen Tiefgaragen. Alle übrigen Bereiche des Quartiers können Bewohner und Besucher über neu angelegte Rad- und Fußwege erreichen, die die Verbindung zu den nahegelegenen S-Bahn-Stationen Allach und Untermenzing erleichtern sollen. Die im Quartier angebotenen Car- und Bikesharing-Leistungen stehen wiederum nicht nur den Quartiersbewohnern zur Verfügung, sondern allen Allach-Untermenzingern. Der Lärmschutz für das Quartier und für die umliegenden Nachbarn wird darüber hinaus über Schallschutzmaßnahmen am östlichen Quartiersrand an der Bahnlinie München-Ingolstadt ergänzt.

Rita Ahlers, geschäftsführende Gesellschafterin von Hilmer Sattler Architekten Ahlers Albrecht München: „Der Reiz an diesem Projekt liegt für uns in der Umwandlung einer überwiegend versiegelten, gewerblich genutzten Fläche zu einem durchgrünten Wohnquartier. Unser Ziel ist es, das bisher wenig einladende und kaum zugängliche Areal in eine liebenswerte Umgebung für die künftig dort lebenden Menschen zu verwandeln. Der große Landschaftspark und die Grünräume zwischen den Häusern laden neue und bereits ansässige Nachbarn zum gemeinsamen Verweilen ein.“

Mit unserem Newsletter alles auf einen Blick:
Die wichtigsten Meldungen des Tages, Branchentrends, exklusive Inhalte aus unserem Printmagazin und Unterhaltsames aus der Immobilienwirtschaft. Jetzt kostenlos anmelden

Öffentliche Ausstellung zeigt die Planungen

Sobald unserer Redaktion weitere Visualisierungen vorliegen, werden wir sie Ihnen selbstverständlich nicht vorenthalten und online veröffentlichen. Wer noch früher wissen möchte, wie das künftige Quartier aussehen soll, kann die von der ALLPG initiierte Ausstellung besuchen. In dieser werden nicht nur die Siegerentwürfe präsentiert, sondern alle zwölf eingereichten Wettbewerbsarbeiten. Die Ausstellung befindet sich im Hochpunktgebäude auf dem „Kirschgelände“ in der Elly-Staegmeyr-Straße 15 und ist wie folgt geöffnet: am Samstag, den 18. Juli, und am Sonntag, den 19. Juli, jeweils von 9 Uhr bis 14 Uhr sowie vom 20. bis 24. Juli täglich von 16 Uhr bis 19 Uhr.

16.07.2020