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Micro Living: So viel Substanz zeigt sich in der Krise

Die neue IML-Studie zeigt: Das Corona-Jahr hat Spuren hinterlassen. Hendrik Kappe, Spezialist im Mikro-Segment, zieht im Gespräch mit Irmelin Ehrig eine durchaus positive Bilanz.

Hendrik-Kappe
Hendrik Kappe, Geschäftsführer der Kappe Projektentwicklung. (Bild: Marc Stantien)

Herr Kappe, die Initiative Micro-Living (IML) hat aktuell ihren Frühjahrsreport herausgegeben. Der Rückblick auf die letzten Monate offenbart eine schwierige Lage: Die Potenziale bei der Belegung und den Renditen können nicht mehr ausgeschöpft werden.

Sicherlich hat das Asset unter der Corona-Pandemie gelitten. Die Herausforderungen für Betreiber und Eigentümer waren groß. Laut den IML-Studien 2020 und 2021 haben viele von ihnen Anpassungen an der Angebotsstruktur vorgenommen und das Marketing verstärkt. Konzepte wie Gemeinschafts- und Cluster-Wohnungen für Mehrfachbelegungen waren schwerer zu vermieten als die kompakten Apartments für Einzelhaushalte. Das entspricht auch dem, was wir von Betreibern gehört haben: viel Entgegenkommen bei Buchungspreisen, Aufenthaltsdauer oder Vertragslaufzeiten.
Im Frühjahrsreport 2021 liegen die durchschnittlichen Auslastungsquoten im Schnitt bei immerhin 86 Prozent, das wird auch in der Studie positiv bewertet. Zwar ist bei Mikro- oder Serviced Apartments bekanntlich erst eine Auslastung ab 90 Prozent lukrativ. Trotzdem zeigt sich, dass das Asset ausreichend Substanz hat, um gut durch die Krise zu kommen.

Was macht die Substanz für Sie aus?

Aus dem Bereich Serviced Apartments wissen wir zum Beispiel, dass eine Erholung sehr schnell wieder einsetzte, als sich die Rahmenbedingungen ab Sommer 2020 normalisierten. Nach dem ersten Schock im März 2020 und einem absoluten Tiefpunkt im Mai mit oft 40 Prozent Belegung und weniger, besserte sich die Lage parallel zu den Öffnungen kontinuierlich, und ab Oktober 2020 stellte sich teils schon wieder Normalniveau ein – natürlich nur bis zum Beginn der langen Lockdown-Phase von Dezember 2020 bis in den Mai dieses Jahres. Die Rückmeldung, die ich bis heute von Betreibern dazu erhalte, ist, dass sich viele Geschäftsleute nicht mehr so stark von Aufenthalten abhalten ließen als noch zu Beginn der Krise.
Im wohnwirtschaftlichen Bereich verschlechterte sich allerdings die Lage mit den verschärften Lockdowns. Die „digitalen Semester“ setzten dem studentischen Wohnen zu und das flächendeckende Homeoffice machte eine Zweitwohnung zu teuer oder überflüssig. Darüber hinaus blieben die internationalen Mieter komplett aus. Die Erholung wird sich hier voraussichtlich wegen der langfristigeren Mietoptionen langsamer vollziehen als bei den Serviced Apartments, dafür war der Vermietungsrückgang geringer. All diese Aspekte zeigen, dass die Krise nach einem Jahr gravierender Belastung des Wirtschaftslebens zwar Spuren hinterlassen, aber bislang nicht zu großen Einbrüchen geführt hat.

Wie bewerten Sie dann die Auswirkungen der Corona-Krise auf das Asset?

Wie und wann eine Krise hereinbricht, wen sie trifft und wie auch der politische Umgang damit ist, lässt sich schwer vorhersagen. Ich denke, insofern verhält es sich mit dem „Micro Living“ nicht viel anders als mit anderen Assets. Im Gegenteil, die aktuellen Zahlen zeigen, dass es resilienter ist als etwa Hotel- oder Handelsimmobilien, die noch wirtschaftsabhängigere und damit spekulativere Assets sind. Der Bedarf an Wohnraum bleibt bestehen, Singlehaushalte nehmen weiter zu und das facettenreiche Segment „Micro Living“ liefert hier viele bedarfsgerechte Angebote. Es bietet zudem sehr gute Renditechancen und ist bei der Resilienz offenbar im oberen Mittelfeld angesiedelt. Das spiegelt sich übrigens auch im Interesse der Investoren wider, das nach wie vor ungebrochen ist.

Wie das Asset in der Krise funktioniert und welche Kriterien den Erfolg ausmachen, lesen Sie von Hendrik Kappe auf dem Fachblog Immobilien-Projekt im Fokus . Das Interview führte Irmelin Ehrig.

22.07.2021