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Mattner: "Es wäre mehr möglich beim Gebäudeenergiegesetz"

Berlin - Nach langem Warten wurde in der vergangenen Woche ein erster Entwurf zum neuen Gebäudeenergiegesetz bekannt. Zu den Plänen der Bundesregierung befragte energate Andreas Mattner, Präsident des Zentralen Immobilien-Ausschusses...

Berlin (energate) - Nach langem Warten wurde in der vergangenen Woche ein erster Entwurf zum neuen Gebäudeenergiegesetz bekannt. Zu den Plänen der Bundesregierung befragte energate Andreas Mattner, Präsident des Zentralen Immobilien-Ausschusses (ZIA).

energate: Herr Mattner, mit dem Gebäudeenergiegesetz sollen viele bürokratische Vorgaben entschlackt werden. Ist das aus Ihrer Sicht mit dem Entwurf gelungen?

Mattner: Das war eines der Ziele, das wir für das Gebäudeenergiegesetz gefordert haben. Und tatsächlich will der Gesetzgeber die verschiedenen Anforderungen der EnEV, des EnEG und des EEWärmeG harmonisieren. Dadurch entsteht ein einheitliches Energieeinsparrecht für unseren Sektor. Der vorliegende Entwurf schafft also tatsächlich eine erste Entschlackung. Eine deutliche Vereinfachung des Energieeinsparrechts steht aber noch aus.

energate: In Zukunft soll es möglich sein, Effizienzanforderungen in Gebäuden durch den Einsatz erneuerbarer Energien zu erfüllen. Wie bewerten Sie das?

Mattner: Hier wäre mehr möglich gewesen. Zwar soll etwa gebäudenah erzeugte Fotovoltaik erstmals als Option für die Erfüllung der energetischen Standards stärker berücksichtigt werden, auch für Biomethan soll es diese Möglichkeit geben. Aber insbesondere bei der Berücksichtigung von Ökostrom wäre noch mehr möglich und auch sinnvoll gewesen.

energate: Die Anforderungen für Neubau und Bestand werden mit dem Gesetz nicht verschärft. Lässt sich so der Klimaschutz im Gebäudesektor voranbringen?

Mattner: Es ist richtig und wichtig, dass es hier keine Verschärfungen der EnEV gibt. Wir haben in mehreren Gutachten unter Beweis stellen können, dass die aktuellen Anforderungen in vielen Gebäudetypen bereits das technisch und wirtschaftlich Machbare darstellen. Die Verbesserung der Ökobilanz des Gebäudesektors beruht keinesfalls nur auf baulichen Verschärfungen. Im Gegenteil, sie kann beispielsweise zu mehr Kühlungsaufwand und somit zu einer schlechteren Ökobilanz führen. Wir haben mit unserer Task Force Energie mehrere Maßnahmen zusammengetragen, wie sich der CO2-Ausstoß wirtschaftlich sinnvoll und technologieoffen reduzieren lässt. Ein Vorschlag ist etwa die Bilanzierung auf Quartiersebene, wie sie jetzt mit dem Gebäudeenergiegesetz auch ermöglicht werden soll. Die Gebäudehülle ist nur eine von vielen Stellschrauben, um die Energiewende im Gebäudesektor zu erzielen.

Die Fragen stellte Karsten Wiedemann, energate-Redaktion Berlin.

In Kooperation mit www.energate-immo.de .

30.11.2018