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Logistik ist mehr als nur Online-Handel

Aengevelt Research analysiert rückläufige Flächenumsätze im ersten Halbjahr 2020 auf dem deutschen Logistikmarkt.

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Die Nachfrage nach Logistikflächen seitens des produzierenden Gewerbes und der Industrie ist gesunken. (Bild: Hannes Egler/Unsplash)

Zu Beginn der Corona-Krise war die nahezu einstimmige Expertenmeinung, dass der Markt für Logistikflächen einer der großen Gewinner der Krise sein wird. Basis dafür war die zutreffende Annahme, dass der Online-Handel unter anderem angesichts von temporären Schließungen im stationären Einzelhandel massiv an Fahrt gewinnt. Ungeachtet dessen analysiert Aengevelt Research im ersten Halbjahr 2020 gegenüber dem Vorjahreszeitraum rückläufige Logistikflächenumsätze in Deutschland. Ausschlaggebend dafür ist insbesondere eine sinkende Flächennachfrage seitens des produzierenden Gewerbes und der Industrie.

Im ersten Halbjahr 2020 wurden in Deutschland knapp 2,6 Millionen Quadratmeter Logistikfläche kontrahiert. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum (1. Hj 2019: rd. 3,1 Mio. m²) bedeutet dies einen Rückgang um rund 18 Prozent.

Wie im Spitzenjahr 2019 entfielen davon erneut knapp eine Million Quadratmeter auf den Handel. Sein Anteil am Gesamtflächenumsatz erhöhte sich indessen um etwa sieben Prozentpunkte auf gut 38 Prozent.
Dass die hohen Flächenumsätze des gesamten Handelssegmentes gehalten werden konnten, ist nach Analysen von Aengevelt Research vor allem einer deutlich anziehenden Flächennachfrage seitens des Online-Handels zu verdanken.
Diese Entwicklung hat sich bereits seit Längerem abgezeichnet und wurde Corona-bedingt beschleunigt. Dies wird sich auch weiter fortsetzen: So ergab eine Umfrage des Bundesverbandes E-Commerce und Versandhandel Deutschland Anfang Juli 2020, dass jeder zweite Konsument in Zukunft verstärkt auf den Online-Handel ausweichen wird.

Demgegenüber verzeichneten das produzierende Gewerbe und die Industrie im ersten Halbjahr 2020 aufgrund Corona-bedingt stark sinkender Absatz- und Exportzahlen massive Einbrüche: Wurden von diesen Branchen im ersten Halbjahr 2019 noch etwa 1,3 Millionen Quadratmeter beziehungsweise über 40 Prozent des gesamten Logistikflächenumsatzes kontrahiert, waren es in den ersten sechs Monaten 2020 nur noch ein Viertel beziehungsweise rund 600.000 Quadratmeter.

Die Analysen von Aengevelt Research machen deutlich, dass das Geschehen am Logistikmarkt - wie auch im Investmentbereich mit seinen unterschiedlichen Asset-Klassen – von den Entwicklungen in den verschiedenen Teilsegmenten bestimmt wird. Und sie machen deutlich, dass die Ausfälle in der Industrie durch das Wachstum im Online-Handel aktuell nicht kompensiert werden können.

In Abhängigkeit vom weiteren Verlauf der Corona-Krise und davon, wie schnell sich die deutsche Wirtschaft hinsichtlich Einzelhandels- und Exportumsätzen, Absatzzahlen der Automobilbranche und der Konsumgüterindustrie etc. wieder erholt, prognostiziert Aengevelt Research für das zweite Halbjahr 2020 einen Logistikflächenumsatz von rund 3,2 Millionen Quadratmetern. Auf das Jahr 2020 gesehen entspräche dies einem Gesamtflächenumsatz von rund 5,8 Millionen Quadratmetern. Dieser Wert läge 17 Prozent unter dem 2019er Ergebnis sowie 14 Prozent unter dem Fünfjahre-Mittel (Ø 2015-2019: rd. 6,7 Mio. m² p.a.).
Mittelfristig werden sich die Logistikflächenumsätze nach Einschätzung von Aengevelt Research wieder auf einem Niveau über sechs Millionen Quadratmetern einpendeln. Damit ist und bleibt das Logistiksegment ein wichtiges Standbein für die deutsche Wirtschaft und die Immobilienbranche.

31.07.2020