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"Liefern, wenn der Markt sich dreht"

Mit Knotel ist ein weiterer Anbieter flexibler Büroflächen in den deutschen Markt eingetreten. Mitgründer Edward Shenderovich will kein herkömmlicher Co-Working-Anbieter sein. Was er anders machen will, verrät er im Interview.

Edward Shenderovich (Foto: Knotel)
Edward Shenderovich (Foto: Knotel)

"Dieser Gründer will Wework Konkurrenz machen" titelte kürzlich das Handelsblatt. Gemeint war Amol Sarva, der mit Knotel einen der am schnellsten wachsenden Anbieter von flexiblen Büroflächen weltweit gegründet hat. Deutschland nimmt bei den Expansionsplänen in Europa eine wichtige Rolle ein.

Wir sprachen mit Edward Shenderovich, Mitgründer und Vorstand von Knotel, über die Pläne des Unternehmens und darüber, was Knotel anders macht als herkömmliche Co-Working-Anbieter.

Herr Shenderovich, Sie sind mit dem Co-Working-Anbieter Knotel in den Berliner Markt eingetreten. Wie groß soll Ihr Flächenangebot in der Hauptstadt bis Jahresende werden?
Edward Shenderovich: Es wird allgemein viel über den Begriff Co-Working in der Presse und in den Medien gesprochen. Zwar sind wir mit der Übernahme von Ahoy!Berlin auch in den Co-Working-Markt eingestiegen. Doch wir haben Ahoy! schnell neu positioniert, um das Unternehmen an unser Kerngeschäft anzupassen. Und das sind flexible Büros, nicht Co-Working. Die meisten Unternehmen bevorzugen es, ihre eigenen Räume zu haben, in denen sie ihre eigene Kultur aufbauen können. Sie möchten nicht Teil einer anderen Kultur oder einer Gemeinschaft sein, die jemand anderes aufbaut. In Berlin gibt es bereits drei Knotel-Standorte und wir haben mehr als ein Dutzend in der Pipeline. 2019 ist für uns das Jahr, in dem wir den Grundstein für eine massive Expansion im Jahr 2020 legen.

In welchen deutschen Städten haben Sie außerdem vor zu eröffnen?
Edward Shenderovich: Deutschland ist ein einzigartiger Markt, weil er über mehrere gleichrangige Wirtschaftszentren verfügt. Berlin hat sich als einer der wichtigsten Technologiestandorte positioniert, daher war es für uns selbstverständlich, dort zu beginnen. Aber auch Frankfurt, München, Hamburg und andere deutsche Städte sind alle auf unserem Radar. Das Ruhrgebiet ist zudem besonders interessant wegen der hohen Bevölkerungsdichte, der Konzentration internationaler Geschäftsinteressen und der Nähe zu den Niederlanden. Dort starten wir ebenfalls in 2019.

Wie sehen Ihre Expansionspläne für Europa aus?
Edward Shenderovich: Knotel verfügt bereits über fast 40 Standorte in Europa, das macht uns zu einem der Marktführer auf dem Kontinent. Dutzende Unternehmen verlassen sich bereits auf Knotel, um qualitativ hochwertigen Raum zum Arbeiten zu schaffen. Wir werden unsere Präsenz innerhalb weniger Jahre verzehnfachen. Zu den unmittelbaren Plänen gehören dabei Dublin und Amsterdam. Letztendlich ist es so: Eine Stadt, in der sich mehrere der 2.000 global führenden Unternehmen für die Eröffnung von Standorten interessieren, ist auch interessant für uns.

Etliche Co-Working-Anbieter buhlen mittlerweile in Deutschland um Flächen und Marktanteile. Knotel will sich von Wework, Rent24 & Co. absetzen. Was steckt hinter der Idee des „Headquarter as a service“?
Edward Shenderovich: Das Produktangebot von Knotel unterscheidet sich sehr von den anderen Anbietern, die Sie nennen. Wie ich bereits erwähnt habe, sind wir keine Marke für Co-Working oder Corporate Suites. Wir liefern flexible Arbeitsplatzlösungen für die Global 2000 und ermöglichen es Unternehmen, sich auf ihr Kerngeschäft zu konzentrieren. Alle Räume sind individuell für den Kunden gestaltet, werden nicht mit anderen geteilt und spiegeln die Marken und die Arbeitsprozesse des Unternehmens wider. Wir betrachten den Arbeitsplatz als eine Geschäftslösung und nicht als einen Ort, an dem Mitarbeiter "untergebracht" werden können. Zudem definieren wir Flexibilität auf eine ganz andere Weise als die oben genannten Akteure der letzten Generation. Alle Co-Working Unternehmen bieten einen kleinen festen Platz für eine kurze Zeit. Das tun wir nicht. Knotel zielt nicht nur darauf ab, dass Unternehmen je nach Bedarf hoch oder runterskalieren können, sondern wir gestalten und bauen unsere Räume auch so, dass sie schnell veränderbar sind: Durch eine modulare Bauweise, bewegliche Wände, schnell erweiterbare oder modifizierbare Konferenzräume, sogar Küchenzeilen, die flach verpackt ankommen und direkt vor Ort montiert werden. Der Raum muss sich an Geschäftsbedürfnisse anpassen. Wenn sich diese ändern und entwickeln, so sollte das auch das Büro tun.

Knotel mietet die Flächen vom Eigentümer und vermietet sie als Betreiber weiter. Wie groß ist Ihre Marge an diesem Geschäft?
Edward Shenderovich: Das trifft nicht ganz zu. Immobilien sind ein wichtiger, ja notwendiger Teil dessen, was Knotel tut, aber sie sind nicht alles. Auch der Aus- und Einbau der Räume ist nicht unser Schwerpunkt. Auch der Betrieb ist notwendig, aber nicht ausreichend, um unser Konzept zu erklären. Erst die Kombination von Raum, Aufbau und Betrieb macht Knotel einzigartig. Es gibt noch weitere Komponenten, die dazu führen, dass wir ein von unseren Kunden geschätztes Produkt liefern. Darunter fällt zum Beispiel Knotels eigene Kultur der Kreativität und das ständige Streben nach Exzellenz. Immobilien sind kein Geschäft, das für Kundenzufriedenheit bekannt ist, aber das ist genau das, was wir bieten. Kunden sind bereit, dafür eine Gebühr zu zahlen, und wir sind bereit, einen Teil dieser Gebühr mit den Eigentümern zu teilen, die mit Knotel zusammenarbeiten.

Wird ein wirtschaftliches Abflauen die Co-Working-Anbieter als erste treffen?
Edward Shenderovich: Ich stimme dem zu, und das ist einer der Gründe, warum Knotel keine Co-Working Services anbietet. Wir sehen bereits, dass Co-Working Anbieter in einigen Märkten die Auswirkungen eines Abschwungs spüren. London ist übersättigt mit Co-Working und Corporate Suites, hat aber nicht genügend flexiblen Platz für größere Teams. Wir sind der Meinung, dass CEOs in der Defensive flexible Modelle wählen. Die werden wir auch noch liefern, wenn der Markt sich dreht.

Interview: Markus Gerharz

18.04.2019