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Kreditausfälle nur bei Gewerbeimmobilien ein Thema

Das NPL-Barometer 2021 zeigt, dass es im Wohnbereich kaum Kreditausfälle gegeben hat.

Im Jahr 2020 hat es wesentlich weniger Kreditausfälle gegeben, als zu Beginn der Corona-Pandemie erwartet worden war. Zu diesem Ergebnis kommt die Bundesvereinigung Kreditankauf und Servicing (BKS) in ihrem NPL-Barometer 2021. Die BKS befragte dazu Risikomanagerinnen und Risikomanager von 62 Finanzinstituten.

Die Ausfälle im Wohnimmobilienbereich konnten in den letzten zehn Jahren auf ein Mindestmaß reduziert werden – die NPL-Quote liegt hier bei gerade einmal 1,1 Prozent. Selbst im vergangenen Jahr konnten 28 Prozent der Risikomanager hier einen Rückgang bei den NPL-Beständen beobachten, während nur ein Prozent einen Anstieg verzeichnete. Für die kommenden zwölf Monaten erwarten die meisten Befragten gleich bleibende Bestände (49 Prozent) und einen Anstieg (19 Prozent) der Bestände.

Entsprechend sind auch die Verkaufspreise in den letzten zwölf Monaten nicht gestiegen – die Mehrheit sah hier stagnierende (30 Prozent) und steigende (13 Prozent) Preise. Für die kommenden zwölf Monate erwarten aber immerhin 15 Prozent der Teilnehmer*innen sinkende Verkaufspreise.

Aufgrund der Stabilität dieser Assetklasse sind auch der Verkauf und das Servicing wohnwirtschaftlicher Immobilien-NPLs weiter zurückgegangen. So konnten 19 Prozent einen Rückgang beobachten, während nur ein Prozent einen Anstieg bei der externen Bearbeitung sehen. Für die kommenden zwölf Monate erwarten etwas mehr Teilnehmer, dass der Anteil der verkauften oder extern bearbeiteten Forderungen steigen wird (13 Prozent) als dass er zurückgehen wird (neun Prozent).

Steigende NPL-Bestände im Gewerbebereich erwartet

Bei den notleidenden gewerblichen Immobilienkrediten zeigt sich ein gemischtes Bild. Die Risikomanager konnten sowohl steigende (14 Prozent) als auch fallende (24 Prozent) NPL-Bestände beobachten. Mit Blick auf die kommenden zwölf Monate erwartet jedoch eine große Mehrheit (38 Prozent) steigende NPL-Bestände.

Auch sinkende Preise (29 Prozent) und mehr Verkäufe bzw. externe Bearbeitungen durch Servicer (22 Prozent) werden für die Zukunft erwartet. Bis 2022 wird ein Anstieg der NPL-Quote von jetzt 1,7 auf dann 3,1 Prozent erwartet.

Claus Radünz Landesbank Baden-Württemberg, Executive Director, Risikomanagement Spezialkredite, meint dazu: „Die Immobilienfinanzierungen sind in Folge der drohenden Mietausfälle und der damit verbundenen Abschwächung der Mieterbonitäten schon jetzt belastet. Eine künftige Reduzierung an Mietflächen im Büro-Segment (Stichwort Homeoffice) und der aktuelle Überlebenskampf im stationären Non-Food-Handel sowie im Hotel-Sektor zeigen bereits Auswirkungen. LBBW Research rechnet aufgrund der drohenden Geschäftsschließungen mit Wertverlusten bei Immobilien und einer Verödung der Innenstädte. Die große Insolvenzwelle wird zwar mit hoher Wahrscheinlichkeit ausbleiben, und diese nachgelagerten Probleme werden vermutlich später einsetzen als bei den Firmenkundenfinanzierungen, aber dafür über eine längere Zeit andauern. Dies wird letztendlich auch zu einer Erhöhung der aktuellen NPL-Quote führen.“

21.05.2021