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Kommentar zu Green Finance

Sabine Barthauer ist Vorstandsmitglied der Deutschen Hypothekenbank. In ihrem Kommentar nimmt sie Banken in die Verantwortung für das Thema Nachhaltigkeit und nennt konkrete Potenziale.

Immobilien gehören zu den größten CO2-Produzenten und sind deswegen ein wichtiger Faktor, um die Klimaziele zu erreichen (Foto: Chris Barbalis/Unsplash.com)
Immobilien gehören zu den größten CO2-Produzenten und sind deswegen ein wichtiger Faktor, um die Klimaziele zu erreichen (Foto: Chris Barbalis/Unsplash.com)

Wer sich freitags um die Mittagszeit zum Beispiel in Berlin die Schüler-Demos „Fridays for Future“ am Invalidenpark anschaut, sieht eine junge Generation, die mit großer Ernsthaftigkeit und Leidenschaft vermeiden will, was uns unmittelbar bevorstehen könnte, wenn wir jetzt nicht handeln: eine weltweite Klimakrise mit immer noch ungeahnten Folgen. 

Nach Angaben der Royal Institution of Chartered Surveyors (RICS) sind mehr als 50 Prozent des Gesamtvermögens der Welt in Infrastruktur und Immobilien gebunden. Unsere Branche gehört bekanntermaßen zu den größten CO2-Produzenten und ist deswegen ein wichtiger Faktor, um die Klimaziele zu erreichen. Dazu muss jeder seinen Beitrag leisten – die Immobilienunternehmen genauso wie die Finanzwirtschaft. Mit Produkten wie dem Green Loan und dem Green Bonds schaffen wir als Immobilienfinanzierer wichtige Anreize zur Ressourcenschonung sowie zur nachhaltigen, umweltbewussten Bauweise. Die hohe Nachfrage von Kunden und Investoren bestätigt uns die Relevanz dieses Themas.

 Nichtsdestotrotz stehen wir noch ganz am Anfang. Daher plädiere ich dafür, dass sich Investoren, Projektentwickler und Finanzierer gemeinsam des Themas annehmen und in den Dialog treten, um im zusammen durchgeführten Prozess zu lernen und der Nachhaltigkeit und Energieeffizienz oberste Priorität im gesamten Lebenszyklus einer Immobilie zukommen zu lassen. Zunächst gilt es herauszuarbeiten, welche Faktoren für alle Parteien am wichtigsten sind. In der Deutschen Hypo berücksichtigen wir zum Beispiel bei unseren Green Loan- und Green Bond-Programmen auch das Kriterium Flächenversiegelung oder die Nähe zum öffentlichen Personennahverkehr mit dem Ziel, positive Impulse in den Bereichen Wasserkreislauf sowie Individualverkehr zu setzen. Natürlich spielen dabei auch internationale Standards zur grünen Finanzierung eine wichtige Rolle. Daher begrüße ich den Sustainable Finance-Aktionsplan der Europäischen Kommission ausdrücklich.

Sabine Barthauer (Foto: Deutsche Hypo)
Sabine Barthauer: „ Bedenklich ist, dass die praktische Umsetzung der EU-Klimavorgaben europaweit teilweise sehr unterschiedlich erfolgt" (Foto: Deutsche Hypo)

Blicken wir auf die Asset-Klassen, zeigt sich, dass Büroimmobilien aufgrund von Zertifizierungen schon länger durch das Thema Nachhaltigkeit geprägt werden. Und auch im Bereich Wohnimmobilien ist der Klimaschutz beispielsweise durch den KfW-55-Standard oder das Passivhaus-Konzept zunehmend relevant geworden. Nun aber erreicht die grüne Welle erfreulicherweise auch die Anlageformen Logistikimmobilien mit beispielsweise begrünten Dachflächen oder Hotelimmobilien mit Konzepten zur Kreislaufwirtschaft oder Abfallvermeidung. Wichtige Schritte, die weiter verfolgt werden müssen, um noch mehr Selbstverständlichkeit für die „grüne Welle“ zu generieren. 

Noch vor gar nicht allzu langer Zeit waren grüne Finanzierungen ein absolutes Nischenprodukt. Heute sind wir zwar auf dem richtigen Weg, aber noch lange nicht am Ziel. Letztlich muss ein Investment in Nachhaltigkeit – genauso wie jedes andere Investment auch – ein angemessenes Verhältnis von Kosten und Nutzen aufweisen. Unser immer größer werdendes Nachhaltigkeitsengagement liefert nicht nur positive Beiträge für Umwelt und Gesellschaft, sondern dient auch der Beibehaltung unserer hohen Portfolioqualität.

Bedenklich ist, dass die praktische Umsetzung der EU-Klimavorgaben europaweit teilweise sehr unterschiedlich erfolgt. Das verringert die Transparenz und erschwert Marktteilnehmern so die Weiterentwicklung der eigenen Nachhaltigkeitsaktivitäten. Weitere Standardisierungen sind hier gefragt. Entsprechende Initiativen sind bereits gestartet. Zudem wäre ein für jeden einsehbares öffentliches Register für Energieausweise, wie etwa in den Niederlanden, auch für andere Länder wünschenswert. Denn wenn unsere Branche ernsthaft als einer der Hauptverursacher von CO2-Emmissionen den Klimawandel stoppen will, ist Finance for Future keine Modeerscheinung, sondern ein Muss! 

Autor: Sabine Barthauer ist Vorstandsmitglied der Deutschen Hypothekenbank.

27.06.2019