zurück

Jung, weiblich, führend

2015 überraschte Thomas Flohr die Branche. Er inthronisierte zwei junge Frauen als Mit-Geschäftsführerinnen seiner Personalberatung. Mittlerweile ist klar, dass sich andere inhabergeführte Unternehmen von diesem Schachzug einiges abschauen können.

heuer-beyler-schröder
setzen auf Freundschaft und das Prinzip Leistungslust: stefanie schröder und Inga Beyler. (Bilder: Thomas Berberich Photography/Bernd Heuer Karriere)

In der Begegnung ahnt man schon nach kurzer Zeit, welche der beiden Geschäftsführerinnen wofür zuständig ist: Stefanie
Schröder, gut geerdet, im Umgang etwas zurückhaltender als ihre Kollegin, und Inga Beyler, sehr kommunikativ und offensiver. Eine Innenministerin, eine Außenministerin, die Kombination passt. Da haben sich zwei gesucht und gefunden.
Thomas Flohr erkannte die sich ergänzenden Talente der beiden Frauen – und hat sie beide in den Rang einer Geschäftsführerin erhoben. Ein eher ungewöhnlicher Schritt, denn zuvor hat Thomas Flohr viele Jahrzehnte lang das Personalberatungsunternehmen Bernd Heuer & Partner allein geführt und auch mehr oder weniger allein repräsentiert. Vielen geschäftsführenden Inhabern fällt es nicht eben leicht, anderen Einfluss und Kontrolle im eigenen Unternehmen zu überlassen – und dann auch noch zwei Frauen, die vom klassischen Geschäftsführeralter noch ein gutes Stück entfernt sind.

„Wer sich seit Jahren nachhaltig in der Immobilienwirtschaft für die Förderung von Frauen in Führungspositionen einsetzt, muss die einmalige Chance nutzen, die die hervorragenden komplementären Stärken unserer Geschäftsführerinnen für unser Unternehmen bieten“, begründet Thomas Flohr diese Entscheidung, für die er zudem ein Vorbild in seiner eigenen Biografie findet: „Auch ich durfte sehr früh unternehmerische Verantwortung bei meinem ehemaligen Partner Bernd Heuer übernehmen.“
Stefanie Schröder ist ein echtes Bernd Heuer & Partner-Gewächs. Sie studierte Pädagogik, Psychologie und Betriebswirtschaftslehre. Bei Bernd Heuer & Partner startete sie vor nunmehr 15 Jahren mit einem Praktikum, wurde studentische Aushilfskraft, schließlich Beraterin, dann Senior-Beraterin und seit 2015 Geschäftsführerin des Unternehmens, das seit immerhin 40 Jahren am Markt erfolgreich ist. Innerhalb der Geschäftsführung verantwortet Stefanie Schröder Human Resources und Finanzen. „Die Führung des Teams hat viele emotionale Aspekte, bei den Finanzen hingegen geht es um harte Zahlen – diese Mischung gefällt mir sehr gut.“
Zur gelungenen Karriere gesellt sich bei ihr eine für Führungskräfte zumindest in Deutschland noch seltene Konstellation: Stefanie Schröder hat zwei Kinder, beides Mädchen, im Alter von zwei und fünf Jahren. Deshalb arbeitet sie in Teilzeit: „Vieles kann ich auch von zuhause aus erledigen“, so Schröder. Zum Spagat wird diese Konstellation hin und wieder trotzdem, aber: „Mein Mann ist ebenfalls Führungskraft, unterstützt mich aber sehr, und meine Eltern wohnen in der Nähe.“ Das muss manchmal auch sein, denn auch wenn Schröder die internen Themen bearbeitet, so hat sie doch zusätzlich noch eine stattliche Anzahl von Außenterminen. Aktuell befinden sich 20 Projekte in ihrer Obhut. Deshalb ist sie viel unterwegs.

„Über die eigene Leistung“

Noch mehr reist ihre Geschäftsführungskollegin Inga Beyler. Sie verantwortet gemeinsam mit Thomas Flohr die Akquise und die Unternehmensentwicklung, außerdem das Marketing und die Pressearbeit. Erste Amtshandlungen waren eine neue Corporate Identity und ein neuer Online-Auftritt. Reisen ist ein zentraler Bestandteil ihres Berufs – und auch ihres Privatlebens. Das spielt sich, wie sie berichtet, „zwischen Düsseldorf, Zürich und Oslo ab“. Dass sie von Düsseldorf beispielsweise nach Berlin fliege, den Koffer aber gar nicht auspacke, weil es gleich weiter nach Oslo gehe, sei keine Seltenheit.
Inga Beylers Karriere begann als Werkstudentin: Über einen privaten Kontakt erhielt sie die Chance, parallel zu ihrem Studium der Betriebswirtschaftslehre für eine große internationale Personalberatung zu arbeiten – schon damals mit dem Schwerpunkt Immobilien. So nahm sie sehr früh schon Personalinterviews teil und lernte die Branche kennen. Mit 24 hatte sie ihren Abschluss als Diplom-Kauffrau sowie ein interessantes Angebot in der Tasche.
Vor dem Start in die klassische Arbeitswelt wollte sie aber „noch mehr erleben“. Als Asien-Fan zog es sie in eben diese Region: Sie sattelte auf ihr BWL-Diplom noch einen Master in Contemporary East Asia Studies und hatte dann schon das Angebot der Universitäten Duisburg und Shanghai für eine Doktorandenstelle angenommen. Aber ihr ehemaliger Arbeitgeber konnte sie dann doch zurück nach Düsseldorf locken. Kurze Zeit später wechselte sie dann zu Heuer Karriere. „In einem großen Beratungsunternehmen ist der Aufstieg nur über das Senioritätsprinzip möglich, in einem inhabergeführten Unternehmen wie diesem ausschließlich über die eigene Leistung.“ Eine Erwartung, die sich schneller erfüllte als gedacht: „Thomas Flohr warf mich ins kalte Wasser.“ Relativ schnell betreute sie auch große Mandate und stieg, noch 29 Jahre jung, zur Geschäftsführerin auf.
Vielleicht liegt es ja an ihren sehr verschiedenen Verantwortungsbereichen und Lebensentwürfen – jedenfalls sind Inga Beyler und Stefanie Schröder nicht einfach nur Kolleginnen, sondern Freundinnen. „Wir gehen miteinander und mit allen Kollegen sehr menschlich um und achten darauf, dass es auch in Stressmomenten so bleibt“, berichtet Beyler.

Gemeinsame Werte

Was nicht bedeutet, dass Heuer Karriere zur Kuschelecke wird. Im Gegenteil – der Anspruch an sich selbst bleibt hoch. „Leistungslust“ nennt Inga Beyler das dazugehörige Gefühl: „Beruf und Leben sind für mich keine strikt getrennten Bereiche.“ Thomas Flohr bestätigt diese Haltung: „Im Geschäftsführungskollegium verfügen wir über identische persönliche und unternehmensspezifische Werte.“ Und das sei auch unverzichtbar: „Leistungsfähigkeit, Schnelligkeit und sehr gute Beratungsergebnisse, verbunden mit einem verlässlichen, vertrauensvollen Umgang inhouse wie auch mit unseren Mandanten sind die Basis unseres Erfolgs.“
Eben wegen dieses Wertekanons haben Beyler und Schröder mit der Generation Y einige Reibungspunkte. Sie erleben viele junge Kandidaten, die hohe Ansprüche mit großer Unverbindlichkeit vereinen, die pünktlich Feierabend machen oder jede Überstunde einzeln abrechnen wollen. „Leistungslust“ gehört nicht unbedingt zum Vokabular dieser Kandidaten.
Unternehmensintern ist Stefanie Schröder für das Thema Human Resources richtungsweisend. Derzeit arbeitet sie daran, der Förderung und Entwicklung der Mitarbeiter innovative und flexible Strukturen zu geben. Außerdem sind neue, nicht monetäre Incentives geplant, unter anderem ein Personal Trainer. Und als Führungskräfte eines Beratungsunternehmens, das die Botschaften an die Kunden auch für sich selbst sehr ernst nimmt, lassen sich Beyler und Schröder von dem erfahrenen Coach Markus Klemm von The Development Artists umfassend beraten.
Nach innen wie nach außen können sich die beiden Frauen den Raum nehmen, den sie zu ihrer Positionierung brauchen. Und sind dafür sehr dankbar. Thomas Flohr hat ganz offensichtlich keine Probleme damit: „Da die Leistung und die Ergebnisse nachhaltig stimmen, möchte ich langfristig nicht mehr nur allein das Gesicht unserer Marke nach außen sein. Die unternehmerischen Grundlagen für die Gegenwart und Zukunft lege ich gern gemeinsam mit meinen Kolleginnen.“
Fragt man Chefs nach ihren unternehmerischen Zielen, fällt regelmäßig das Wort Wachstum – organisch, anorganisch oder wie auch immer. Nicht so bei Inga Beyler und Stefanie Schröder. Natürlich freuen sich die beiden über die seit ihrem Amtsantritt gestiegenen Umsätze und darüber, dass es dem Unternehmen gelingt, pro Jahr 90 Führungspositionen zu besetzen. In wesentlich größere Dimensionen expandieren soll Bernd Heuer & Partner allerdings nicht. Vielmehr soll das Unternehmen „eine Boutique der Real Estate Industry bleiben, die sich auf ihr Hauptgeschäftsfeld fokussiert – die Vermittlung von Führungskräften“, so Beyler: „Wir möchten durch inhaltliche Kompetenz und hervorragende Positionierung glänzen, nicht durch Größe.“
Gute Leute sind in der Roßstraße 96 dennoch immer gesucht. „Wir sind auch offen für Quereinsteiger der Branche“, verkündet Stefanie Schröder. „Beraterkenntnisse sind keine Voraussetzung.“ Auch in dieser Frage ist das Unternehmen also dicht am Puls der Zeit.

Dieser Artikel stammt aus der immobilienmanager Ausgabe 9-2016 (Autor: Christof Hardebusch).

Sie haben Interesse an unserem Printmagazin? Alle Abos im Überblick finden Sie hier.

29.06.2020