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„Industrie 4.0 verunsichert die Unternehmen“

Beos-Vorstand Hendrik Staiger übernimmt den Vorstandsvorsitz von Crenet. Wohin der Verband für mittelständisches Corporate Real Estate Management (CREM) unter seiner Ägide marschieren soll, verrät er im Interview mit immobilienmanager.

Hendrik Staiger: „Industrie 4.0 verunsichert die Unternehmen“ (Bild: Crenet)
Hendrik Staiger: „Industrie 4.0 verunsichert die Unternehmen“ (Bild: Crenet)

Crenet steht für die regionale und nationale Vernetzung von mittelständischen Unternehmen, Corporates und mit CREM befassten Projektentwicklern und Dienstleistern. In welche Richtung möchten Sie als neuer Vorstandsvorsitzender den Verband weiterentwickeln?
Hendrik Staiger: Neu ist die Möglichkeit, als Unternehmen Mitglied von Crenet zu werden. Zuvor gab es nur persönliche Mitgliedschaften. Ansonsten werden wir unsere bewährte Arbeit fortsetzen. Stärken wollen wir den Fokus auf Unternehmensimmobilien sowie den Austausch mit anderen Institutionen. Das können Hochschulen sein, aber auch andere Verbände, die sich mit Unternehmensimmobilien befassen, wie beispielsweise die Initiative Unternehmensimmobilien, der ZIA und auch Corenet. Denn letztlich ziehen wir doch alle am selben Strang.

Welches Thema steht derzeit im mittelständischen Corporate Real Estate Management im Mittelpunkt?
Hendrik Staiger: Wir spüren eine starke Verunsicherung. Die Unternehmen können nicht genau einschätzen, welche Veränderungsprozesse im Rahmen von Industrie 4.0 und E-Commerce auf sie zukommen. Der Verband kann – unter anderem durch die beschriebene Vernetzung – den Zugang zu Know-how verbessern und professionelle Kontakte herstellen. CREM steckt im Mittelstand noch in den Kinderschuhen. Doch der Druck auf die Unternehmen steigt, eigene Immobilienstrategien zu entwickeln und sich zumindest von Teilen ihrer Immobilienbestände zu trennen.

Warum?
Hendrik Staiger: Auch wenn noch nicht detailliert absehbar ist, welche Veränderungen Industrie 4.0 bringen wird, ist doch eines klar: Die Unternehmen brauchen mehr Flexibilität, um auf neue Anforderungen und Chancen rasch reagieren zu können. Dazu gehört die Möglichkeit, Flächen flexibel nutzen oder wieder verlassen zu können. Die Zeit der Produktionshalle, in der 50 Jahre lang produziert wird, ist vorbei. Immobilienbesitz reduziert diese erforderliche Flexibilität. Zudem sind die erzielbaren Preise für Unternehmensimmobilien attraktiv, und die Veräußerung setzt Mittel frei, die dann wieder in Industrie 4.0 investiert werden können.

Natürlich muss der Markt auf der anderen Seite auch entsprechend flexibel anmietbare Flächen zur Verfügung stellen, was bislang nicht überall der Fall ist. Übrigens spielt auch die zunehmende internationale Verflechtung vieler mittelständischer Unternehmen auf der Gesellschafterebene eine Rolle. Ein hoher Anteil an Immobilienbesitz in der Bilanz wirkt sich hier für die Unternehmensbewertung umso negativer aus.

Interview: Christof Hardebusch

17.07.2017