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HR im Zeitalter der Digitalisierung

Die digitale Welt des Planens, Bauens und Betreibens von intelligenten Gebäuden und Quartieren stellt neue Herausforderungen an den Bereich Human Resources.

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Die Bau- und Immobilienindustrie hat aktuell die Chance auf einen lange überfälligen Paradigmenwechsel. Die Anforderungen an die Prozesstransparenz und Integration der einzelnen Fachdisziplinen steigt, doch bislang ist die Branche durch eine Trennung der Prozesse und der Akteure des Planens, Entwickelns, Bauens und noch mehr des späteren Betriebes gekennzeichnet. Im Vergleich zu anderen Industrien findet man in der Bau- und Immobilienwirtschaft selten einen integrativen Ansatz. Ursächlich hierfür ist unter anderem die Strukturierung der Studiengänge der Architektur, des Bauingenieurwesens und der Immobilienökonomie. Die Herausforderungen der neuen digitalen Welt liegen deutlich in der Integration der verschiedenen Fachdisziplinen rund um den Lebenszyklus einer Immobilie.

Ausbildung neu denken
Diese dynamische Entwicklung stellt unsere Industrie, auch im Bereich HR, vor enorme Herausforderungen, da eine Kultur der Integration der oben genannten Bereiche bislang begrenzt stattgefunden hat. Der Planer plant, der Entwickler entwickelt, der Bauingenieur realisiert und der Asset Manager betreibt. Die Zusammenarbeit der unterschiedlichen Bereiche funktioniert auf Basis von Dienstleisterverträgen. Nun sollen alle gemeinsam in einem integrativen Ansatz zusammenarbeiten. Bedingt durch gelernte und gelebte Silos ist dieser Change Prozess sehr schwierig und bedarf grundlegender Veränderungen in unserem Ausbildungssystem und unserem Denken. Die Studiengänge der Architektur, des Ingenieurwesens und der Immobilienökonomie sollten, neben dem Fokus auf die jeweiligen Fachdisziplinen, die jeweils anderen fachlichen Inhalte im Rahmen von Best-Practice-Modellen und Studienarbeiten berücksichtigen, um von vornherein fachdisziplinübergreifend zu lernen und das integrative Denken und Handeln bereits in der Ausbildung zu erproben.

Dieser Beitrag war Bestandteil der Titelstory zum imfokus-Projekt "Projektentwicklung - State Of The Art".

Sämtliche Vorträge des imfokus-Gipfeltreffens "Projektentwicklung - State Of The Art" können Sie sich hier herunterladen:

Die Phasendefinitionen der HOAI berücksichtigen bereits den ganzheitlichen Prozess des Planens und Realisierens, greifen aber bezüglich des Betriebes zu kurz. Auch ist in der Praxis zu beobachten, dass der ausgebildete Architekt entweder Planer oder Realisierer ist, jedoch bereits in seinem Studium nicht gleichgewichtig Interessens- und Qualifikationsschwerpunkte setzt beziehungsweise setzen kann.

Eine weitere kritische Herausforderung liegt in der Rekrutierung neuer Mitarbeiter. Es wird noch zu stark auf fachliche Qualifikationen und Vergangenheitserfolge des Berufslebens geachtet. Die Digitalisierung von Prozessen und Geschäftsmodellen erfordert ein völlig neues Denken. Es geht um eine potenzialorientierte Betrachtung der Fachkompetenzen und der überfachlichen Fähigkeiten von Fach- und Führungskräften, die sogenannten Softskills: Sind neue Mitarbeiter nicht nur in der Lage, technische und immobilienökonomische Prozesse miteinander zu verbinden, sondern stellen sie diese auch in einen innovativen Verhaltenskontext, der im Wesentlichen durch Business Cases und Best-Practice-Analysen vor Einstellung eines Mitarbeiters geprüft werden kann?

Karrierepfade ebnen
Zukünftig wird es immer wichtiger werden, Mitarbeiter, die mit hohem Aufwand gewonnen wurden, auch im Unternehmen zu halten. Dies gilt insbesondere vor dem Hintergrund starker Volatilitäten der jungen Generationen bei Einstellungs- und Karriereentscheidungen und bei der Herausforderung des Heranführens älterer Mitarbeiter an neue technologische Anforderungen. Die Unternehmen sind gefragt, ein generationsspezifisches Personalmanagement der Mitarbeiterentwicklung und der Mitarbeiterbindungssysteme zu entwickeln. Erste Indikation sind hier Flexibilisierung von Arbeitszeitmodellen, die immer wiederkehrende Forderung nach Home-Office-Arbeitsplätzen, aber auch Ansätze, um wertvolle Mitarbeiter während der Elternzeit auf einem Karrierepfad in den Unternehmen zu halten.

So wird deutlich, dass sich das Human-Resources-Management von einer Supportfunktion zu einer echten strategischen Managementherausforderung im Kontext der Digitalisierung entwickelt. Es richtet sich bereits auf die Ausbildungsgänge der Hochschulen, setzt sich im Recruiting und Personalentwicklungsprozessen fort und ist ein wesentlicher Motor für die Gestaltung neuer Plattform-Geschäftsmodelle bei Immobilieneigentümern und Projektentwicklern.

Autor: Inga Beyler ist Geschäftsführerin der Bernd Heuer Karriere GmbH & Co. KG.

20.05.2020