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Gegen den Zyklus

Anfang des Jahres eröffnete der Kölner Projektentwickler und Investor Art-Invest eine Niederlassung in London. Unlängst startete er dort im Joint Venture mit der ECE sein erstes Projekt. Immobilienmanager sprach darüber mit Dr. Markus Wiedenmann und Ali Abbas.

Dr. Markus Wiedenmann und Ali Abbas im Doppelinterview (Bilder: Art-Invest Real Estate Management GmbH & Co. KG)
Dr. Markus Wiedenmann und Ali Abbas im Doppelinterview (Bilder: Art-Invest Real Estate Management GmbH & Co. KG)

Großbritannien steht kurz vor einem ungeregelten Austritt aus der Europäischen Union, mit wahrscheinlich gravierenden wirtschaftlichen Folgen. Warum engagiert sich Art-Invest dennoch und ausgerechnet jetzt in London?
Markus Wiedenmann: Wir halten London für sehr attraktiv und denken schon seit Längerem über einen Markteintritt nach. Aber erst jetzt passt die zyklische Phase, in der sich die Londoner Immobilienmärkte befinden, zu unserem Geschäftsmodell. Denn nun können sich Opportunitäten auftun, die es vorher nicht gab, und die wir im Einkauf nutzen können. Wir denken strategisch langfristig, und aus dieser Sicht wird London weiterhin ein starker Markt und ein „global gate“ der Weltwirtschaft sein. Mit Ali Abbas haben wir einen Partner gefunden, der über 25 Jahre Kapitalmarkt- und Fondserfahrung verfügt.
Ali Abbas: London ist ein natürlich wachsender Markt. Europäische und globale Investoren sollten deshalb immer auch dort investiert sein. Man muss allerdings präzise durch die vorhandenen Risiken navigieren. Lokales Marktwissen ist unbedingt erforderlich. Dann kann man von den zyklischen Korrekturen, die wir derzeit sehen, profitieren.

Das schwache Pfund spielt ausländischen Investoren in die Hände. Ist das ein wichtiges Motiv?
Ali Abbas: Das schwache Pfund ist selbstverständlich auch für uns von Vorteil, steht aber nicht im Vordergrund. Wir setzen auf die Fundamentaldaten dieses Marktes, und die sind und bleiben stark.

H eißt das in punkto kaufen „now or never“?
Ali Abbas: Eben nicht. Wir haben keine Eile.

Welche Assettypen kommen infrage?
Markus Wiedenmann : Ein breites Spektrum – wobei Gewerbeimmobilien wie Büro- oder ggf. auch Einzelhandelsobjekte und -projekte im Vordergrund stehen.

Das erste Engagement von Art-Invest passt allerdings wenig ins Beuteschema „Manage to core“. Gemeinsam mit der ECE und einem britischen Partner entwickeln Sie in der Cleveland Street ein gemischtes Quartier mit 103 Wohnungen und 3.500 Quadratmeter Einzelhandelsfläche. Wie passt das zusammen?
Ali Abbas: In der Tat handelt es sich nicht um ein typisches Art-Invest-Projekt. Aber um eine Gelegenheit, die sich aus dem bereits beschriebenen zyklischen Umfeld ergeben hat. Die Lage ist exzellent – der Postcode W 1 ist ein „goldener“ Postcode – und der Kaufpreis war sehr attraktiv. Zudem hat der Bauzyklus in London anders als beispielsweise in Deutschland den Zenit noch nicht überschritten.
Markus Wiedenmann: In London herrscht ein großer Mangel an Wohnraum. Vor allem in dem Bezirk W1 ist das Angebot extrem begrenzt. Die Gelegenheit in diesem Bezirk, solch ein tolles Projekt antizyklisch angehen zu können, durften wir uns nicht entgehen lassen. Für uns war dieses Projekt dennoch ein mutiger Schritt, der allerdings belohnt wird: Wir konnten bereits sehr viele Wohnungen veräußern, vor allem an Käufer aus dem asiatischen Raum. Dass wir dieses Projekt mit der ECE im Joint Venture realisieren können, freut uns besonders.

Hat dort das Thema Brexit keine abschreckende Wirkung?
Ali Abbas: Nein, aus Sicht asiatischer Käufer ist London ein sicherer Hafen. Und wegen der Schwäche des Britischen Pfundes ist es derzeit für sie besonders interessant, für sich und ihre Familien eine Wohnung in London zu erwerben.

Bauen trotz Brexit

Art-Invest entwickelt im Joint Venture mit der ECE und dem britischen Developer Dukelease im Londoner Stadtteil Fitzrovia 88 Eigentumswohnungen, 15 geförderte Wohnungen sowie 3.500 Quadratmeter Einzelhandelsfläche. Angeboten werden die Wohnungen auch im asiatischen Markt. Die Wohnungen sind zwischen 50 und 150 Quadratmeter groß. die Angebotspreise reichen von 1,285 Millionen bis zu 5,5 Millionen Pfund Sterling.

Interview: Christof Hardebusch

08.10.2019