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Automatisiertes Fliegen: Gebäudeinspektion per Drohne

Der Einsatz von Drohnen in der Immobilienbranche ist längst keine Zukunftsmusik mehr. Doch die technischen Möglichkeiten entwickeln sich weiter rasant, wie Frank Lochau in seinem Gastbeitrag aufzeigt.

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Gastautor Frank Lochau beim Steuern einer Drohne. (Bild: Flynex)

Drohnen kommerziell zu nutzen ist längst kein Neuland mehr. Bereits seit 2006 werden unbemannte Fluggeräte für gewerbliche Zwecke eingesetzt. Und der Markt mit kommerziellen Drohnen boomt: Die Zahl der verkauften unbemannten Flugobjekte mit einem Eigengewicht von mindestens zwei Kilogramm stieg 2019 deutschlandweit um 18 Prozent. In der DACH-Region wurden 2019 fast 65.000 gewerbliche Drohnen verkauft – davon allein 95 Prozent in Deutschland. Das hat das Marktforschungsunternehmen Branchenradar ermittelt.
Dieses Wachstum ist vor allem in vielen möglichen Anwendungsfällen begründet: So lässt der Stahlproduzent Thyssenkrupp Steel Europe beispielsweise Drohnen fliegen, um Stahlproben über sein Werksgelände ins Labor zu transportieren. Auch der Nürnberger Kommunalversorger N-Ergie setzt bei der Wartung seiner Photovoltaik-Anlagen auf Drohnen. Und die Immobilienbranche macht da keine Ausnahme: mit 27,5 Prozent werden Drohnen dort am häufigsten zur Inspektion von beispielsweise Dächern oder Fassaden genutzt.

Automatisierung und Digitalisierung in vollem Gang

Damit stellt sich nicht die Frage, ob Drohnen in der Immobilienwirtschaft eingesetzt werden. Sondern wie. Flogen Drohnen früher nur vereinzelt und handgesteuert, ist die technische Entwicklung heute schon sehr viel weiter. Immobilienunternehmen können einzelnen Flüge – und vor allem den dahinterliegenden Prozess – längst automatisiert und integriert steuern.
Dafür sind Softwareanwendungen wie zum Beispiel die Flynex-Plattform notwendig. Damit ist es möglich, Flugplanung, Befliegung und Datenauswertung aus einer Hand durchzuführen. Rechtssicher auf Basis von aktuellen Flugregeln und Flugverbotszonen. Ist die Planung abgeschlossen, muss die Drohne nur noch von einem Piloten gestartet werden. Dann fliegt sie automatisch entlang der festgelegten Flugroute ihre Inspektionsziele ab und nimmt hochauflösende Bilder auf. Nach dem Flug sind die digitalen Daten direkt und ohne weiteres Zutun online im jeweiligen Projekt-Speicher abrufbar. So lassen sie sich im Anschluss über eine Schnittstelle zum Beispiel an eine KI-Software übermitteln, die die Bilder automatisiert auswertet.

Einsatz von Hebebühne und Gerüst oft noch Mittel der Wahl

In der Vergangenheit haben Unternehmen solche Inspektionen mit einem Kletterer durchgeführt. Dieser musste beispielsweise ein Dach mithilfe von Gerüsten und Hebebühnen besteigen. Auch heute ist ein solches Vorgehen noch vielerorts üblich. Doch mit einem klaren Nachteil: Bei jeder Inspektion müssen Gerüste oder Hebebühnen gemietet werden. Je nach Modell und Größe kosten diese zwischen 100 und 300 Euro pro Tag. Diese müssen dann zum Ort des Geschehens transportiert sowie auf- und wieder abgebaut werden. Außerdem ist ebenso ein stabiler Boden notwendig, damit die Gerüste und Hebebühnen überhaupt sicher stehen.
Auf den ersten Blick erscheinen Drohneninspektionen daher deutlich simpler: kein Gerüst, kein Dachdecker und damit vor allem kein Risiko für mögliche Personenschäden. Doch auch bei Drohneninspektionen fallen insbesondere zu Beginn Anschaffungskosten an. Für die Gebäudeinspektion eignet sich beispielsweise das Drohnen-Modell DJI Phantom 4 Pro. Dieses ist aktuell für rund 1.700 Euro im Handel erhältlich. Ein weiterer Kostenfaktor sind Drohnenpiloten: Besitzen Unternehmen keine eigenen Piloten, können sie diese entweder kostenpflichtig für rund 400 Euro pro Person ausbilden lassen oder bei jeder Befliegung einen externen Piloten buchen. Je nach Einsatzdauer, Ort und Auftrag betragen die Kosten für beauftragte Piloten zwischen 200 und 2000 Euro pro Tag.

Drohnen bieten Schnelligkeit, Flexibilität und Sicherheit

Auch wenn diese initialen Kosten anfangs vielleicht abschrecken: Langfristig gesehen sind Drohneninspektionen im Vergleich zu Hebebühnen und Gerüsten deutlich schneller, sicherer, flexibler und kostengünstiger. Früher benötigte zum Beispiel der Gebäudedienstleister ITB Dresden für die Dachinspektion eines Zweifamilienhauses mit einer Hebebühne zwei Mitarbeiter mit rund 6 bis 8 Stunden Arbeitszeit. Zudem fielen Kosten für eine Tagesmiete der Hebebühne an. Für dieselbe Inspektion mit Drohne benötigt das Unternehmen heute nur ein Fluggerät sowie einen Mitarbeiter mit 3 bis 4 Stunden Arbeitszeit. Gleichzeitig entfallen die Kosten für die Hebebühne.
Und nicht zu vergessen: Eine käuflich erworbene Drohne kann über viele Jahre eingesetzt werden und lässt sich flexibel im Unternehmen nutzen. Bei der Miete von Hebebühnen sind Unternehmen auch darauf angewiesen, dass die Geräte beim Vermieter für den Wunschtermin verfügbar sind. Zudem sind mit Drohnen schwer erreichbare Stellen einzusehen, die mit einem Gerüst schwer zugänglich sind. Und ein weiterer wesentlicher Faktor: Mit Drohnen gehören abstürzende Kletterer der Vergangenheit an.

Mehrwert steigt durch softwarebasierte Automatisierung

Allein diese Faktoren sind schon ein echter Mehrwert. Dieser lässt sich allerdings noch einmal durch eine langfristige und automatisierte Nutzung mittels einer Software wie der Flynex-Plattform steigern. Denn dort greifen alle Prozesse ineinander, die vorher getrennt stattfanden: Flugplanung, Befliegung und Analyse. Natürlich fallen für die Software allerdings auch Lizenzgebühren an. Die Flynex-Plattform ist beispielsweise ab einem unteren dreistelligen Monatsbetrag erhältlich. Hinzu kommen Kosten für Analyse- und Auswertungstools.
Einmal digital und in hoher Qualität erhoben, sind die erhobenen Daten jederzeit verfüg- und abrufbar. Es wird also nicht mehr passieren, dass ein Kletterer schadhafte Stellen auf dem Dach übersieht. Und der wichtigste Mehrwert: Ist eine Flugroute einmal digital geplant, können Unternehmen die Befliegung regelmäßig und wiederkehrend durchführen. Ein maximaler Effizienzgewinn.

Verstärkte Nutzung von Drohnentechnologie im Immobilienbereich absehbar

Die Vorteile einer solchen, fortschrittlichen Inspektion haben auch Großunternehmen wie die Telekom Deutschland erkannt. Gemeinsam mit Flynex bietet das Bonner Unternehmen in seinem Geschäftsbereich Wohnungswirtschaft für seine Kunden an, ihr Gebäudemanagement mit Drohnen durchzuführen. Es ist davon auszugehen, dass weitere Wohnungsunternehmen folgen werden.
Und das Ende der technologischen Entwicklung ist noch längst nicht in Sicht. In Testzentren wird schon heute an neuen Technologien geforscht. So soll in Zukunft der Grad der Automatisierung von Drohnenflügen weiter ausgebaut werden. Insbesondere automatisiert durchgeführte, turnusmäßige Luftbilder von Dächern, Geländen und Solarananlagen sind weitere denkbare Anwendungsfälle. Instandsetzungs- und Wartungsarbeiten sind dann mit einem sehr geringen Aufwand möglich.
Somit ist eine volle Automatisierung von Flügen und die damit verbundene Erfassung von Daten einer der Meilensteine für die kommenden Monate und Jahre. Alles mit dem einen Ziel: Drohnenflüge noch einfacher, sicherer und effizienter für Unternehmen nutzbar zu machen.

Frank Lochau ist Vorstandsvorsitzender des Branchenverbands Zivile Drohnen e.V. und Drone Operations Solutions Manager für Wohnungswirtschaft beim Drohnensoftware-Unternehmen Flynex.

04.12.2020