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Franzosen steigen groß bei Pantera ein

Nexity übernimmt die Mehrheit beim Spezialisten für Serviced Apartments. Wir haben exklusiv mit Michael Ries, Gründer und Vorstand der Pantera AG, gesprochen.

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Michael Ries, Vorstand und Gründer der pantera AG. (Bild: Pantera)

Die Pantera AG in Köln und Nexity, Wohnimmobilienentwickler mit Börsennotiz in Frankreich, vereinbaren eine strategische Kooperation. Diese verschafft der Pantera AG Ressourcen für eine bundesweite Expansion und ermöglicht es Nexity als integriertem Anbieter von Immobilienentwicklungen und -dienstleistungen zugleich, den Markteintritt in Deutschland auf einer vorhandenen und marktführenden Projektpipeline aufzubauen.

Nexity übernimmt dazu 65 Prozent des Aktienkapitals der Pantera AG. Michael Ries, Gründer und Vorstand der Pantera AG, behält weiterhin 35 Prozent der Anteile.

Dies ist die zweite große Unternehmenstransaktion, die innerhalb weniger Tage bekanntgegeben wurde. Erst am vergangenen Freitag, 5. März, hat die Vonovia darüber informiert, dass sie den Hanauer Wohnungsprojektentwickler Bien-Ries AG übernimmt und das Unternehmen Teil des Developmentgeschäfts der Buwog wird.

Innnerhalb von zehn Jahren hat sich die Pantera AG zu einem der führenden Projektentwickler für Serviced Apartments in Deutschland entwickelt. Aktuell umfasst das Portfolio mehr als 2.500 Einheiten an bundesweit 15 Standorten. Das Projektvolumen beträgt rund 600 Millionen Euro. Zur Markenarchitektur gehören weiterhin auch Projekte im Bereich denkmalgeschützter Immobilien, Refurbishments sowie hochwertiger Wohnungsneubau.

Im Verbund beider Unternehmen soll das Ziel erreicht werden, "Serviced Living" als neuen Wohnstandard über Generationen hinweg zu etablieren (vom Studenten bis hin zum "Best Ager") sowie Wohnimmobilien für Selbstnutzer ("Buy-to-live") und Kapitalanlager ("Buy-to-rent") anzubieten.

Nexity hat in den vergangenen Jahren bereits in anderen europäischen Märkten wie Polen, Portugal, Italien und Belgien erste Standorte aufgebaut. 2019 wurden allein in Polen und Italien 640 neue Wohnungen platziert. Im Jahr 2022 soll das gesamte internationale Geschäft rund 2.000 platzierte Einheiten und zehn Prozent des EBITDA des Konzerns betragen.

Wir haben exklusiv mit Michael Ries gesprochen:

Von wem ging die Initiative aus?

Michael Ries: Wir hatten uns auf die Suche nach einem strategischen Partner gemacht. Für ein privat finanziertes Unternehmen wachsen die Bäume nicht in den Himmel. Also haben wir einen kapitalstarken und möglichst börsennotierten Partner gesucht für unsere bundesweite Expansionsstrategie im Bereich Serviced Apartments, mit dem wir die Wertschöpfungskette schon bei der Grundstücksakquise beginnen lassen können.

Warum gerade Nexity?

Michael Ries: Nexity ist kein bloßer Finanzinvestor, sondern hat sehr viel Know-How im Wohnungsbau  und ist insbesondere schon marktführend im Bereich Serviced Apartments in Frankreich. Zudem steht dort das eigene Bauen und Betreiben von Serviced Apartments im Mittelpunkt, anders als bei uns.

Wenige Tage vor Ihrer Meldung gab Vonovia den Erwerb des Projektentwicklers Bien-Ries bekannt. Sehen Sie da einen Trend?

Michael Ries: Ja, das ist der Anfang, zahlreiche Fusionen werden folgen. Die großen Wohnungsbestandshalter haben zwar viel Kapital, können aber mangels Produkt nicht so viel Vorrat anschaffen, wie sie wollen. Da Bestandsobjekte in guten Lagen teuer geworden sind, kann man auch gleich Neubauten kaufen. Mit einem Projektentwickler sichert man sich den Nachschub. Bei Vonovia wird das sicherlich nicht die einzige Übernahme bleiben.

Auch große Baukonzerne kaufen Entwickler, was für sie mehrere Vorteile hat: Sie sichern sich Aufträge, sie haben ein Volumen, mit dem sie fest kalkulieren können, und falls die Baukonjunktur eines Tages nicht mehr so rund läuft, verfügen sie über ein weiteres Standbein.

Was hat ein Projektentwickler davon?

Michael Ries: Er hat einen festen Absatzkanal und kann mit dem zusätzlichen Geld des Mutterunternehmens mehr produzieren. Und er kann auch an Dritte verkaufen. Es ist also die perfekte Win-Win-Situation. Wir verstehen uns als kleines, agiles Schnellboot, das nun ein großes Mutterschiff hinter sich weiß.

Das Gespräch führte Roswitha Loibl.

09.03.2020