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Platz sparen beim Wohnen

Zehn-Punkte-Plan für einen besseren Umgang mit der knappen Ressource Fläche im Wohnungsbau.

Vierteiliges Wohngebäude
Vorhandenen Wohnraum effizienter nutzen - das hilft auch beim Klimaschutz. (Bild: Michal Lis/Unsplash)

Der Trend zu steigender Wohnfläche pro Person soll gestoppt werden. Dafür haben jetzt mehrere Wissenschaftler einen Zehn-Punkte-Plan vorgelegt. Sie weisen darauf hin, dass Bauen das Klima belastet und daher Bestandsgebäude besser genutzt werden sollten.

Folgende Instrumente schlagen sie vor:

1. Kommunale Aktionsstellen zur effizienten Wohnraumnutzung mit Beratung für Eigentümerinnen, um vorhandenen Wohnraum besser zu nutzen. Diese Stellen arbeiten ähnlich wie bestehende Energie- und Klimaschutzagenturen und können diese ergänzen oder mit ihnen zusammenarbeiten.

2. Bauliche Teilung von Ein- und Zweifamilienhäusern zur Abtrennung einer abgeschlossenen Wohnung oder Einliegerwohnung. Dabei Einführung eines „Bestandsschutzes für Altbau“, sodass nur für neue Bauteile neue Auflagen gelten. Ausbau der Förderung für solche Maßnahmen; offensive Bewerbung der bestehenden Fördermöglichkeiten durch die KFW.

3. Soziale Wohnraumvermittlung (bei sozialen Wohnraumagenturen, kirchlichen und kommunalen Trägern und der freien Wohlfahrt). Sie mobilisiert leerstehenden Wohnraum und vermittelt ihn an Menschen mit besonderem sozialem Bedarf. Dafür begleitet sie vermietungswillige Eigentümerinnen mit Mietgarantien und Renovierungszuschüssen (etwa nach dem Vorbild von „Wohnraum durch Akquise“ in Karlsruhe und dem „Raumteiler Baden-Württemberg“).

4. Professionelle Vermittlungsstellen von „Untermietern ohne Untermiete“ nach dem Modell „Wohnen für Hilfe“ (etwa nach dem Vorbild von Homeshare UK sowie dem belgischen 1toit2ages).

5. Alternative Wohn- und Nutzungskonzepte, beispielsweise Mehrgenerationen-Wohnungen und gemeinschaftliche Wohnprojekte, abhängig von der Wohnfläche pro Kopf und von der Erstellung eines Konzepts für die dauerhaft flexible Wohnraumnutzung.

6. Förderung flexibler Wohnformen wie Clusterwohnungen, Schalträume und Jokerzimmer, teilbare Wohnungen; insbesondere deren Berücksichtigung in den Landesförderprogrammen für Wohnraum.

7. Ganzheitliches Umzugsmanagement, insbesondere in und zwischen kommunalen Wohnungs-gesellschaften sowie Wohnungsgenossenschaften (bei beiden auch mit Belegungsvorgaben bei Neueinzug), mit Umzugsberatung, Zuschüssen und Prämien, Tauschprogrammen mit Wohnraumbörse, Garantie bisheriger Quadratmetermiete bei Verkleinerung sowie Alternativangeboten für Umzug in direkter Nachbarschaft.

8. Förderung aller an den oben genannten Instrumenten beteiligten Beratungs- und Vermittlungs-Akteure für den in Bestandsbauten geschaffenen Wohnraum durch einen Zuschuss, abhängig von der mit Wohnraum versorgten Personenzahl oder den genutzten Quadratmetern.

9. Leerstand von Wohnraum erfassen (Kataster) und beseitigen, insbesondere spekulativen Leerstand.

10. Wiederbelebung leerstehender Wohnräume nach dem Modell „Jung kauft Alt“ (nach dem Vorbild von Hiddenhausen und anderen).

Die Instrumente für flächensparendes Wohnen sollten zu einem ganzheitlichen Programm kombiniert werden, das operativ vor allem in den kommunalen Aktionsstellen durchgeführt wird.

Erarbeitet wurde der Plan von Daniel Fuhrhop (Carl von Ossietzky Universität Oldenburg) als Initiator sowie von Tanja Kenkmann und Corinna Fischer (Öko-Institut e.V.), Julia Siedle (Bergische Universität Wuppertal), Anja Bierwirth (Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie), Lars-Arvid Brischke und Angelika Paar (Ifeu – Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg gGmbH) und Immanuel Stieß (Isoe – Institut für sozial-ökologische Forschung).

13.11.2020