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Autonomes Fahren: Fahrroboter verändern die Stadt

Die Daimler und Benz Stiftung beschäftigt sich intensiv mit den Möglichkeiten autonomer Fahrzeuge. Christof Hardebusch sprach darüber mit dem Vorstandsvorsitzenden der Stiftung, Professor Dr. Eckard Minx.

Zukunftsperspektive autonomer Fahrzeuge (Bild: Daimler und Benz Stiftung/Illustration Vierus & Wilfert)
Zukunftsperspektive autonomer Fahrzeuge (Bild: Daimler und Benz Stiftung/Illustration Vierus & Wilfert)

Warum halten Sie die Mobilität für so zentral?
Eckard Minx: Unsere Städte sind erst durch die Mobilität zu dem geworden, was sie sind. Große Städte liegen immer an wichtigen Verkehrsknotenpunkten – Häfen, Flüssen, Straßen, Schienen. Die Ausprägung der Städte steht in einer engen Wechselwirkung mit der technischen Entwicklung der Mobilität. In der Antike und im Mittelalter hatten Städte in der Regel einen Durchmesser von maximal vier Kilometern, weil sich die Menschen zu Fuß bewegten. Die Einführung der Dampfmaschine hat den Radius auf 15 Kilometer und mehr erweitert. Jetzt stehen wir wieder an einer vergleichbaren Schwelle der Entwicklung.

Wie rasch werden autonome Fahrzeuge zu Veränderungen führen?
Eckard Minx: Diese Technik muss erst einmal im Bestand funktionieren. Deshalb halte ich eine Übergangsphase von fünf bis zehn Jahren für wahrscheinlich. Aber dann wird es spannend.

Professor Dr. Eckard Minx ist Zukunftsforscher und Vorsitzender der Daimler und Benz Stiftung (Foto: Daimler und Benz Stiftung)
Professor Dr. Eckard Minx ist Zukunftsforscher und Vorsitzender der Daimler und Benz Stiftung (Foto: Daimler und Benz Stiftung)

Was konkret könnte passieren?
Eckard Minx: Autonome Vehikel können uns abholen, am Ziel absetzen und dann an zentralen Sammelstellen unterirdisch parken. Gelingt es dann noch, diese Fahrzeuge zum Bestandteil der öffentlichen Flotte zu machen, werden große Teile des bislang für das Abstellen und Bewegen von Pkw genutzten öffentlichen Raums für andere Nutzungen frei. Wenn diese Fahrzeuge elektrisch betrieben werden, reduziert das zudem die vom Verkehr verursachten Umweltbelastungen.

Bislang zeigen viele Menschen eine große Skepsis gegenüber selbst fahrenden Autos.
Eckard Minx: Es wird wie immer Early Adopters geben. Dazu kommen alle diejenigen, die bislang nicht eigenständig am Individualverkehr teilnehmen können: Senioren, Kinder, Menschen mit Handicap. Wer lange Fahrtzeiten zum Arbeitsplatz in Kauf nehmen muss, könnte ebenfalls sehr schnell auf den Geschmack kommen. Denn fährt das Auto selbst, kann der Passagier anderen Tätigkeiten nachgehen. Generell ist zu erwarten, dass Menschen unter 30 für solche technischeen Entwicklungen sehr offen sein werden.

Sollte man angesichts der teils schweren Unfälle mit autonomen Pkw nicht doch die Hände am Steuer lassen?
Eckard Minx: Die Technik ist noch nicht ausgereift genug, wird es aber bald sein. Gerade die rechtlichen Rahmenbedingungen müssen entwickelt werden, inklusive der Frage, wer im Schadensfall haftet. Denkbar ist, dass man autonome oder teilautonome Fahrzeuge nur inklusive einer speziellen Versicherung erwerben beziehungsweise nutzen kann.

Interview: Christof Hardebusch.

Dieses Interview ist zuerst als Teil der Titelstory "Verkehrsflächen zu Bauland" in der gedruckten November-Ausgabe von immobilienmanager erschienen.

23.11.2016