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Facility Management 4.0

Drohnen, Mikrochips und Wearables: Dem Facility Management steht ein grundlegender Wandel bevor. Treiber sind der technologische Fortschritt und der Fokus auf das Nutzerwohlbefinden in Gebäuden.

Der technologische Fortschritt verändert das Facility Management massiv (Foto: Franck Veschi/unsplash.com)
Der technologische Fortschritt verändert das Facility Management massiv (Foto: Franck Veschi/unsplash.com)

Das Facility Management ist eine dynamische, agile Disziplin, der ein grundlegender Wandel bevorsteht. Dies ist vor allem auf den technologischen Fortschritt und die stärkere Fokussierung auf das Nutzerwohlbefinden in Bürogebäuden zurückzuführen. Facility Manager sind gefordert neue Ideen zu entwickeln, Trends zu adaptieren und einen Mehrwert für ihre Kunden zu schaffen. Heute mehr denn je.

Weiterentwicklung des Arbeitsplatzes
Die europäischen Volkswirtschaften erholen sich seit einigen Jahren wieder, daraus resultiert unter anderem ein höherer Bedarf an Mitarbeitern. Dabei ist es in jeder Branche schwierig, Talente für das eigene Unternehmen zu gewinnen. Das hat nicht nur mit der Attraktivität des jeweiligen Sektors zu tun, sondern auch mit der limitierten Anzahl der zur Verfügung stehenden Arbeitskräfte. Vor diesem Hintergrund müssen in die Rekrutierung neuer Mitarbeiter verschiedener Altersstufen sowie für die Bindung der bestehenden Belegschaft Geld, Zeit und Energie investiert werden.

Neben der Vergütung haben qualifizierte Arbeitnehmer von heute und morgen immer häufiger das Ansehen der Branche und des Unternehmens, die ausgewogene Work-Life-Balance und ein anregendes Betriebsklima im Fokus. Attraktive Büroarbeitsplätze werden seltener und teurer. Das  sind Gründe für das verstärkte Aufkommen neuer Konzepte, die als „Co-Working“, „Collaboration“ und „Knowledge Sharing“ von Anbietern wie Wework, Tribes, Regus oder Spaces vermarktet werden.

Die diesjährige World Workplace Conference and Expo von IFMA und RICS findet vom 15. bis 17. Mai 2018 in Barcelona statt. Der thematische Schwerpunkt liegt auf der wachsenden Bedeutung digitalisierter Arbeitsplätze.

Hinsichtlich des Wandels in der Arbeitsplatzumgebung sind neue Technologien und die Digitalisierung ausschlaggebend. Gelungene Büroflächen bieten Angestellten maßgeschneiderte Lösungen, bei denen das Gebäude in Echtzeit mit den Menschen über das Smartphone (heute) oder einen implantierten Chip (in der Zukunft) kommuniziert.

Ein Beispiel dafür ist das Gebäude „The Edge” in Amsterdam, in dem rund 35.000 Sensoren verbaut sind, die die Bewohner rund um die Uhr „vermessen“, um individuelle Dienstleistungen für sie bereitstellen zu können, während sich Roboter um die Gebäudesicherheit kümmern. Im Jahr 2016 bewarben sich 4.000 Hochschulabsolventen für einen Job in diesem Gebäude, weil sie in einem zukunftsweisenden Objekt mit vielen neuen, spannenden Technologien arbeiten wollten.

Ein weiterer Vorteil von Technologie und Digitalisierung liegt in der optimalen Nutzung des Gebäudes. Die Effizienz wird gesteigert, Kosten gesenkt. Darüber hinaus ermöglicht Künstliche Intelligenz (KI) die Früherkennung von Störfaktoren für die Betriebskontinuität eines Gebäudes und gestattet somit die rechtzeitige Behebung von technischen Fehlern.

Künstliche Intelligenz und Facility Management
Die Speicherung großer Datenmengen und die Beschleunigung der Rechenleistung von Computerchips sind in den vergangenen Jahrzehnten exponentiell gestiegen. Jedoch hat diese Technologie erst mit dem Aufkommen der Künstlichen Intelligenz ihr disruptives Potenzial voll entfaltet.

Die Bandbreite der Beispiele für den Einsatz von FM-Technologien reicht von Drohnen, die zum Zweck der Gebäudeinstandhaltung genutzt werden, über Wearable-Technologien, mit denen die Bewegung der Angestellten nachverfolgt und lebenswichtige Körperfunktionen überwacht werden, bis hin zu in den Armen implantierten Mikrochips, mit deren Hilfe Türen geöffnet, Drucker betrieben oder Snacks mit einer einfachen Handbewegung gekauft werden können. Bis heute fehlt allerdings die nahtlose Konnektivität zwischen den verschiedenen KI-Anwendungen, die eine von menschlichem Eingreifen vollkommen unabhängige Interaktion ermöglicht.

Laut dem aktuellen  Insight Paper „Artificial intelligence: what it means for the built environment”, das gemeinsam von IFMA und RICS veröffentlicht wurde, wird sich KI am stärksten auf das Facility Management auswirken. Der Grund dafür ist das hohe Automatisierungspotenzial vieler FM-Aufgaben. Durch KI-optimierte Maschinen können höhere Effizienzpotenziale realisiert und viele Aufgaben schneller und zuverlässiger erledigt werden. Dies führt zu einer höheren Sicherheit, niedrigeren Kosten und Mehrwert für Kunden. Laut dem Bericht werden sich betriebliche Tätigkeiten, wie Reinigung, Sicherheit, Instandhaltung, Verpflegung und viele logistische Tätigkeiten aufgrund des Einsatzes von KI dramatisch verändern. Der menschliche Faktor bleibt aber im Kundenmanagement und der Strategieentwicklung von wesentlicher Bedeutung.

IFMA und RICS
Mit der Veränderung der Arbeitsweisen im digitalen Zeitalter müssen sich Facility Manager neue Kenntnisse aneignen. Die Zusammenarbeit von IFMA und RICS fördert diesen Prozess. Sie stellt einen bedeutenden Fortschritt in der Entwicklung des Facility Managements dar: eine bislang einzigartige Branchenunterstützung für die wachsenden Anforderungen von 25 Millionen FM-Experten weltweit. So wurden die Qualifizierungen und Zertifizierungen von IFMA und RICS zur Schaffung von einheitlichen Standards im Facility Management weltweit angeglichen. Personen mit unterschiedlichen Ausbildungen, Kompetenzen, Karrierezielen oder Berufserfahrung erhalten somit Zugang zu einer Reihe weltweit anerkannter Qualifikationen.

Der Einfluss der KI im Facility Management eröffnet zudem neue Chancen für die Geschäftsentwicklung. Mit Hilfe neuer Technologien kann der Zugang zu bislang unerschlossenen Märkten gewonnen werden. Für Immobilienprofessionals ist es daher von essentieller Bedeutung, die Vorteile und Risiken der Digitalisierung der Industrie 4.0 zu verstehen, um so Strategien zu formulieren und umzusetzen.

Digitale Ethik
Trotz der positiven Effekte, die mit Technologie und Digitalisierung einhergehen, ist es unabdingbar, die Bedeutung einer digitalen Ethik hervorzuheben. Dabei stehen vor allem die folgenden Faktoren im Vordergrund: moralische und ethische Gesichtspunkte, die technischen Möglichkeiten sowie die gesetzlichen und aufsichtsrechtlichen Vorgaben. Die folgenden vier Fragen spielen in diesem Zusammenhang eine maßgeblichte Rolle (Avanade, 2016):

  • Wie sollen wir Technologie verwenden?
  • Was kann die Technologie, welche Möglichkeiten eröffnet sie?
  • Wie können wir Technologie einsetzen?
  • Was sollen wir der Technologie erlauben?
 

Im Rahmen einer breiten gesellschaftlichen Diskussion dieser vier Fragen muss erörtert werden, wie viel Veränderung die Gesellschaft akzeptiert und wo sie Grenzen für eine weitergehende Entwicklung oder Nutzung von Technologie setzt.

Das Facility Management wird in der Immobilienbranche weiterhin eine zentrale Rolle spielen und sich dabei immer mehr zu einer strategischen High-Tech-Disziplin entwickeln.

Autor: Maarten Vermeulen FRICS, ist Regional Managing Director for Europe, Russia & CIS der Royal Institution of Chartered Surveyors (RICS) .

23.04.2018

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