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Gemeinsames Wohnen gewinnt an Dynamik

Ein neuer CBRE-Report gibt Einblicke in die Entwicklung der aufstrebenden Assetklasse Co-Living in verschiedenen europäischen Märkten.

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Co-Living-Anbieter The Base plant unter anderem Häuser in Berlin, Frankfurt und Hamburg. (Bild: The Base)

Co-Living hat in den vergangenen Jahren bei Investoren, Betreibern und Bewohnern großes Interesse geweckt. Kern der Co-Living-Konzepte ist es zeitlich beschränkt Wohnraum für unterschiedliche Zielgruppen zur Verfügung zu stellen. Studenten werden dabei ebenso angesprochen, wie Pendler oder die so genannten „Digital Nomads“. Die Konzepte reichen dabei von der Vermietung von einzelnen Wohnungen über eine gemeinsame Plattform, über klassische Mikroapartmentkonzepten in einem extra dafür errichteten Wohngebäude bis hin zu hochwertigem Service-Wohnen. In Deutschland ist Berlin das wichtigste Ziel der internationalen Betreiber, wenn der Markt auch erst am Anfang seiner Entwicklung steht. Immer mehr im Mittelpunkt steht die Förderung einer Community. Die internationalen Nutzer sollen sich, egal in welchem Land sie Co-Living nutzen, sofort direkt einen Zugang zu einer Gemeinschaft finden.

Der CBRE „Europe Co-Living Report“ konzentriert sich auf eine Auswahl von Schlüsselmärkten, die auf die aktuelle Nachfrage von hochmobilen Nutzern mit Co-Living-Programmen reagieren. Der Bericht befasst sich mit den wirtschaftlichen und sozialen Markttrends, die in Europa zu diesem neuen Lebensstilführen, wobei der Schwerpunkt auf, Amsterdam, Berlin, London, Madrid, Mailand und Wien liegt.

Treiber der Nachfrage

Jennet Siebrits, Head of Research bei CBRE in Großbritannien, erklärt: „Immer mehr Menschen leben in Europa zur Miete – insgesamt sind es mittlerweile mehr als 30 Prozent der Bevölkerung. Angetrieben wird diese Entwicklung durch die zunehmende Unbezahlbarkeit von Wohneigentum, durch die Urbanisierung und durch soziale Veränderungen.
In vier der sechs Städte, auf die wir uns bei unserer Analyse konzentriert haben, sind die Kosten für Co-Living, oft einschließlich Nebenkosten und Reinigung, günstiger als klassische Mietwohnungen. Das macht sie besonders für junge Erwachsene attraktiv, die ihren Heimat- oder Studienort verlassen, um ihre Karriere in einer Großstadt fortzusetzen oder zu beginnen.
Das Zusammenleben in einer Gemeinschaft kann dazu beitragen, einige der Herausforderungen einfacher zu bewältigen, mit denen junge Menschen konfrontiert sind. Unsere Untersuchung ergab, dass Einsamkeit in ganz Europa ein Problem ist. Co-Living versucht dieses Problem zu lösen, indem es ein soziales Element sowie Gemeinschaftsräume bietet, was Freundschaften und Netzwerken fördert. Darüber hinaus gehört die Zielgruppe zu den ‚Digital Natives‘, welche die vielfältigen digitalen Lösungen der Betreiber von Co-Living-Objekten stark nachfragen. Zudem reduziert Co-Living über die gemeinsame Nutzung von Wohnflächen den individuellen CO2-Fußabdruck, was für immer mehr Menschen ein wichtiges Argument ist.“

Auswirkungen von Covid-19 auf das Co-Living

Jo Winchester, Executive Director, PBSA und Co-Living Valuation & Advisory Services bei CBRE, sagt: „Mit seinen abgegrenzten Räumlichkeiten für Singles und Paare bietet Co-Living bessere Möglichkeiten für soziale Distanzierung als beispielsweise Wohngemeinschaften. Viele Betreiber haben sich schnell an die neue Situation angepasst und zum Beispiel kontaktlose Annahmestellen für Bestellungen eingerichtet und die Reinigung der Gemeinschaftsbereiche verbessert.
Aber auch das Gemeinschaftselement des Co-Livings ist nicht auf der Strecke geblieben. Die Betreiber berichten sogar von einem hohen Maß an Engagement bei sozialen Aktivitäten vor Ort – so diese denn angesichts der jeweiligen örtlichen Einschränkungen erlaubt sind. Die Digitalisierung ermöglicht es den Anbietern, staatlich verordnete soziale Distanzierungsmaßnahmen in Gemeinschaftsbereichen umzusetzen und ,virtuelle‘ soziale Events zu veranstalten.
Viele Co-Living-Objekte bieten ihren Mietern standardmäßig Hochgeschwindigkeitsinternet. Manche Anbieter bieten gar Coworking-Flächen oder Cafés an, in denen ‚Homeoffice‘ möglich ist. Auf diese Weise können die Bewohner effektiv arbeiten, ohne sich sozial vollständig isolieren zu müssen.“

Co-Living in Berlin

Die Ergebnisse von CBRE deuten darauf hin, dass sich die Co-Living-Konzepte in allen untersuchten Städten insgesamt sehr ähneln. Es gibt jedoch Unterschiede bei den Raumgrößen und -typologien und den lokalen rechtlichen Rahmenbedingungen. Diese werden im aktuellen Report für die eingangs erwähnten Schlüsselmärkte untersucht.

Das Co-Living Segment in Berlin entwickelt sich sehr dynamisch, auch wenn es sich noch nicht das Niveau von den reiferen Märkten in anderen europäischen Ländern erreicht hat. Dominierend sind bisher klassische Mikroapartmentkonzepte, die sich aus privaten Studentenwohnheimen entwickelt haben. Hier nutzen die Bewohner gemeinschaftliche Einrichtungen, wie Fitnessräume oder Treffpunkte, mit dem Ziel eine Community zu bilden.
Darüber hinaus gibt es zunehmend Plattformen, die Konzepte vergleichbar mit klassischen Wohngemeinschaften anbieten. Hier können Nutzer allein oder auch in einer kleinen Gruppe leben. Die Ansprache, Abrechnung und die Community werden über Apps und Online Plattformen durchgeführt. Die Zielgruppe ist dabei äußerst technikaffin.

Rechtlich unterliegt Co-Living in Deutschland sowohl der gewerblichen als auch der wohnungswirtschaftlichen Gesetzgebung. Bereits vor der Errichtung wird dies bestimmt durch Bebauungspläne und das Baurecht. Beim zusätzlich buchbaren Angebot von Dienstleistungen oder bei kurzfristigen Mietverträgen müssen darüber hinaus steuerliche Aspekte berücksichtigt werden.

"Vor dem Hintergrund der starken angespannten Wohnungsmärkte, der aktuellen Diskussion über Mietpreisbremse und Mietpreisdeckel bietet betreiberbasiertes Co-Living insbesondere in Berlin eine Möglichkeit zusätzlichen Wohnraum für hochmobile Menschen zu schaffen. Auch der Kostenaspekt spielt eine nicht unwesentliche Rolle. So sind die durchschnittlichen Gesamtkosten für das Wohnen in einem Co-Living Objekt in bis dato Berlin sogar günstiger als das Anmieten einer regulären 30-Quadratmeter-Wohnung, in denen zudem kein zusätzlicher Service angeboten wird“, so Jirka Stachen, Director Research bei CBRE, abschließend.

27.10.2020