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ESG: Jetzt handeln!

Es ist drei Minuten vor zwölf. Wer sein Immobilienportfolio nicht nachhaltig ausrichtet, muss eventuell bald tief in die Tasche greifen. Ein Beitrag von Jan von Mallinckrodt, Head of Sustainability bei Union Investment.

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Gastautor Jan von Mallinckrodt (Bild: Union Investment)

Voraussichtlich ab Herbst 2021 sind Anlageberater verpflichtet, Kunden explizit zu ihren Nachhaltigkeitspräferenzen zu befragen. So sieht es der „EU Action Plan on Sustainable Finance“ vor. Das hat Konsequenzen: Einerseits müssen sogenannte nachhaltige Produkte zukünftig den festgelegten Kriterien standhalten. Andererseits müssen jedoch auch Produktanbieter von nicht explizit nachhaltigen Produkten Informationen zur Nachhaltigkeit ihrer Produkte bereitstellen. Was „nachhaltig“ in diesem Zusammenhang bedeutet, regelt die sogenannte Taxonomie. Ziel ist es, Geldströme in nachhaltige Geldanlagen zu lenken und so eine klimaschonende Transformation des Finanzsystems herbeizuführen.

Als nachhaltige Gebäude gelten künftig die besten 15 Prozent der Immobilien des jeweiligen lokalen Marktes. Bis im Immobilienmanagement anbieterübergreifend verlässliche Daten bezüglich der Taxonomie-Kriterien vorliegen, bedient man sich dabei der Energieausweise beziehungsweise Energy Performance Certificate (EPC) Ratings. Objekte gelten als nachhaltig, wenn sie über ein EPC Rating von A verfügen oder aber durch eine Sanierung der Primärenergiebedarf um mindestens 30 Prozent gesenkt wird. Die Anwendung der Taxonomie ist freiwillig, wenn die Investments nicht ausdrücklich als nachhaltig ausgewiesen werden.

Für nicht nachhaltige Immobilien beziehungsweise Portfolios könnte es künftig allerdings sehr schnell teuer werden. Schließlich steht spätestens seit dem Pariser Klimaschutzabkommen und der Sustainable Development Goals der UN fest: Es ist keine Frage mehr, ob, sondern nur noch wie Nachhaltigkeit beziehungsweise Klimaschutz in der Immobilienbranche umgesetzt wird. Um die ambitionierten Ziele zu erreichen, dürften in den kommenden Jahren Gesetze, Verordnungen und Bauvorschriften weiter verschärft werden.

In Deutschland etwa könnten die Bestimmungen des Klimaschutzgesetzes jederzeit auch mit Sanktionen verbunden werden, wenn Bestandshalter ihr Portfolio nicht entlang des aufgezeigten Klimapfads weiterentwickeln. In einigen Ländern wie beispielsweise den Niederlanden wurden bereits Gesetze verabschiedet, deren Missachtung deutliche Sanktionen zur Folge haben: So können Gebäude, die ab dem Jahr 2030 kein EPC Rating von A nachweisen, nicht mehr ohne weiteres vermietet werden. Schon eine Verbesserung des EPC Ratings von B auf A kann mit hohen Investitionen verbunden sein. Um die Klimaschutzziele 2050 noch erreichen zu können und auch um trotz zunehmender gesetzlicher Anforderungen wettbewerbsfähig zu bleiben, muss die Transformation der Immobilienbestände jetzt beginnen.

Autor: Jan von Mallinckrodt, Head of Sustainability bei Union Investment Real Estate.

Video: RICS-Präsidentin Susanne Eickermann-Riepe über notwendige Schritte zur Erreichung der ESG-Ziele

02.10.2020