zurück

Einzelhandelsimmobilien: Europas Investmentmarkt auf Aufholjagd

Rückstand zum Vorjahr dank guter Angebotslage spürbar verringert.

Dank einer verbesserten Angebotslage hat der europäische Investmentmarkt für Einzelhandelsimmobilien im dritten Quartal 2019 eine Aufholjagd gestartet. Das Transaktionsvolumen liegt nach drei Quartalen bei 24,2 Milliarden Euro und damit rund 22 Prozent unter dem Wert zum selben Zeitpunkt des Vorjahres. Zur Jahresmitte war der Abstand mit 37 Prozent noch deutlich größer, was vor allem an einem außergewöhnlich starken Vergleichshalbjahr 2018 lag. Zur Mitte des laufenden Jahres betrug das Volumen 14,6 Milliarden Euro, in den vergangenen drei Monaten kamen nun knapp zehn Milliarden Euro hinzu.

Sandra Ludwig, Head of Retail Investment JLL Germany: „Die Investoren haben die Chance genutzt, dass im Vergleich zum ersten Halbjahr deutlich mehr hochwertige Produkte auf dem Markt verfügbar war. Das gilt vor allem für Fachmarktprodukte mit Nahversorgungskomponente wie Lebensmittel, Discounter und Drogerien, die den täglichen Bedarf bedienen und damit besonders onlineresilient sind.“

Deutscher Markt liegt vor Großbritannien und Frankreich an der Spitze des Feldes
Den Löwenanteil von rund 5,2 Milliarden Euro steuerte in diesem Jahr Deutschland bei, gefolgt vom Vereinigten Königreich (4,3 Milliarden Euro), das zur Jahresmitte noch vorne lag. Deutschland bilanziert damit zwar knapp ein Fünftel unter dem Vorjahreswert, macht aber weiterhin konstant rund 20 Prozent des gesamteuropäischen Volumens aus. Dahinter rangiert Großbritannien, das rund 24 Prozent weniger Volumen als im Vorjahr verbuchte. Frankreich, traditionell der drittgrößte Markt Europas, kommt zum dritten Quartal auf 3,2 Milliarden Euro Transaktionsvolumen. Es folgen die Niederlande mit 1,48 Milliarden Euro sowie knapp dahinter Italien mit 1,46 Milliarden Euro Transaktionsvolumen. Europas traditionelle Top-5-Märkte, Großbritannien, Deutschland, Frankreich, Spanien und Italien, haben damit aktuell einen Marktanteil von 63 Prozent. Im Gesamtjahr 2018 hatte dieser Wert noch etwas niedriger bei 60 Prozent gelegen. Berücksichtigt man, dass die Niederlande diesmal ein höheres Transaktionsvolumen als Spanien hatten, liegt der Wert der aktuellen Top 5 sogar bei 65 Prozent.

Zahl der Transaktionen fast konstant, doch die Volumina sind geringer
Insgesamt ging die Anzahl der Transaktionen im Jahresvergleich nur minimal von 492 auf 482 Abschlüsse zurück. Signifikant ist dabei weiterhin das Ausbleiben großer Abschlüsse: So gibt es bislang keine Transaktionen mit mehr als einer halben Milliarde Euro. Im Vorjahr waren es zum selben Zeitpunkt bereits drei. Im laufenden Jahr gab es derweil fünf Abschlüsse zwischen 300 und 500 Millionen Euro, während es im 2018 noch acht waren.

Über ganz Europa gesehen sind die Nutzungsarten relativ ausgeglichen: Shopping Center kommen auf einen Volumenanteil von 30 Prozent – nach 43 Prozent im Vorjahr. Direkt dahinter folgen High-Street- und Fachmarktprodukte gleichauf mit 24 Prozent. Im vergangenen Jahr hatten sie mit 27 beziehungsweise 15 Prozent noch deutlich unterschiedlicher abgeschnitten.

Die größte Transaktion des bisherigen Jahres entfällt auf das Vereinigte Königreich: Auf eine Sale-and-Lease-Back-Transaktion von Sainsbury entfallen dort 492 Millionen Euro. Dahinter rangiert eine Sale-and-Lease-Back-Portfoliotransaktion von Monoprix an Groupe Casino für 470 Millionen Euro. Dies belegt zusätzlich die Nachfrage nach Einzelhandelsobjekten, die Waren des täglichen Gebrauchs anbieten.

Der Ausblick auf den Jahresendspurt fällt optimistisch aus: „Das dritte Quartal hat wieder viel Dynamik in den Markt gebracht, da die Investoren zunehmend Anlageoptionen mit soliden Erträgen sehen. Zudem sind längst noch nicht alle Transaktionen abgeschlossen. Das stimmt zuversichtlich, dass der Rückstand zum Vorjahr nochmals deutlich reduziert werden kann“, blickt Sandra Ludwig auf die verbleibenden Wochen des Jahres.

13.12.2019