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Interview: "Eine Herkulesaufgabe"

Alexandre Grellier, Geschäftsführer und Gründer von Drooms, sprach mit immobilienmanager über Kooperationen mit anderen IT-Unternehmen und das Potenzial von APIs in der Immobilienwirtschaft.

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Alexandre Grellier: "Wenn alle über verschiedene Softwares arbeiten, können Prozesse in der Masse fehleranfällig werden."

Sie haben kürzlich europäische Immobilienexperten zu ihrem Umgang und ihren Erwartungen mit offenen Programmierschnittstellen – sogenannten APIs – befragt. Was haben Sie aus den Ergebnissen gelernt?

Alexandre Grellier: Unternehmen, die sich digitalisieren, wollen natürlich am liebsten eine Software, die alles kann – die sprichwörtliche „eierlegende Wollmilchsau“. Weil es die bislang nicht gab, brauchten sie in der Vergangenheit für jeden Anwendungsfall eine eigenständige Software. Mit dieser Tatsache verbunden war die Herausforderung, dass man in einem monolithischen System oft bestimmte Schwachstellen schlicht akzeptieren muss oder in bestimmten Anwendungsfällen keine Softwarelösung finden kann. In den vergangenen Jahren kauften viele Unternehmen deshalb kontinuierlich neue Software hinzu.

Was muss nun getan werden?

Heute stehen diese Unternehmen vor einer Herkulesaufgabe: Die eigene IT-Landschaft ist weithin unübersichtlich geworden, es sind Inseln und Silos entstanden. Um diese wiederum zu verbinden und Synergien zu schaffen, müssen jetzt Schnittstellen zwischen den einzelnen Softwares eingebaut werden. Diese Programmierschnittstellen ermöglichen es, im Rahmen der Digitalisierung die Informationsstreams zu vereinheitlichen und so zur Steigerung von Effizienz und Transparenz beizutragen.

Fast zwei Drittel der Befragten wünschen sich Verbesserungen der APIs. Woran hapert es noch?

Grundsätzlich gilt es vorab zu klären, was ich eigentlich mit meiner Schnittstelle erreichen will. Welche Vision habe ich? Was soll geleistet werden? Welches Anwenderproblem möchte ich lösen? Diese Schnittstellendefinition muss mit der Planung von Budget und Programmierkapazitäten einhergehen. Das mag sich idealistisch anhören. Fakt ist meiner Meinung nach aber auch, dass viele Unternehmen besonders das Thema Budgetierung, aber auch die Berücksichtigung von wirtschaftlichen Vorteilen einer API noch unterschätzen.

Mit Drooms gehen Sie immer wieder Kooperationen mit anderen IT-Firmen und Start-ups ein, kürzlich etwa mit dem Software-Anbieter Coyote oder zu Beginn des Jahres mit dem Proptech Doc Estate. Welche Ziele verfolgen Sie mit diesen Partnerschaften?

Unser Ziel ist es, eine digital einheitliche Infrastruktur für das ganzheitliche Datenmanagement im Immobilienzyklus anzubieten. Wir stellen immer wieder fest, dass die Daten aktuell noch vier- bis fünffach von verschiedensten Berufsgruppen vorgehalten werden. Das zeigt sich am Beispiel Mietvertragsdaten: Sowohl der Asset Manager, der Property Manager, die Anwälte als auch die Steuerberater benötigen Zugriff auf die Dateien. Wenn sie alle über verschiedene Softwares arbeiten, können Prozesse in der Masse fehleranfällig und in höchstem Maße ineffizient sein. Dem möchten wir mit unseren Partnerschaften begegnen. Das allgemeine Asset Management, aber auch die Due Diligence im Rahmen von Transaktionen sollen für unsere Kunden noch einfacher werden.

Drooms beschäftigt sich auch mit Blockchain-Lösungen. Welches Potenzial hat die Technologie für die Immobilienwirtschaft?

Die Blockchain-Technologie ist nur eine von vielen Lösungen, mit denen wir arbeiten. Ich denke, dass diese Technologie ihren Nutzern, sofern sie richtig verwendet wird, an der richtigen Stelle einen echten Mehrwert bringen kann. Voraussetzung ist hierbei selbstredend, dass die Unternehmen mögliche Risiken beachten wie die Zugriffsrechte oder die Hoheit über ihren Server. Wir nutzen Blockchain als „distributed ledger technology“, sprich für die revisionssichere Archivierung sensibler Transaktionsdaten im Kundenauftrag.

Das Gespräch führte Markus Gerharz für die immobilienmanager Ausgabe 4-2020.

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03.07.2020