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Effizienztreiber der Immobilienbranche

Warum Dienstleister und Software in Zukunft aufgrund von Schnittstellen ausgewählt werden.

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Wie sieht es mit den Schnittstellen der Software aus? (Bild: drogatnev/istockphoto)

Wer heutzutage Bauprojekte plant, gewerbliche Immobilien verwaltet oder Transaktionen durchführt, hat oft ein Problem: viele Beteiligte. Mit fortschreitender Digitalisierung und damit zusammenhängend der steigenden Anzahl von Kommunikationswegen und eingesetzten Systemen erhöht sich die Komplexität weiter. So kann die durch Software und Technologie versprochene Effizienzsteigerung schnell ins Gegenteil verkehrt werden. Denn zusätzliche Kommunikationswege schaffen Unübersichtlichkeit und verschiedene Systeme manuellen Aufwand. Und so wird ein Wettbewerbsfaktor immer entscheidender: die Konnektivität der IT-Systeme von Dienstleistern mit denen ihrer Auftraggeber. Ein Konzept verspricht und liefert schon lange Abhilfe: die Programmier-Schnittstelle, in der Fachsprache auch Application Programming Interface (API) genannt.

Eine API bietet eine Möglichkeit der programmierbaren (Programming) Interaktion (Interface) zwischen Anwendungen (Application). Die Schnittstelle ist hier gleichzusetzen mit einer Benutzeroberfläche, die Menschen die Interaktion mit Software ermöglicht, nur dass im Falle der API eben eine Software mit der anderen interagiert. Schnittstellen haben im Web hauptsächlich zwei Funktionen: Sie ermöglichen die Nutzung von Services und dienen zum Datenaustausch zwischen Anbietern verschiedener Systeme und Tools.

Schnittstellen haben verschiedene Funktionen
Services, also Dienste für spezielle Aufgaben, werden heute von vielen Tech-Unternehmen per API genutzt und angeboten, sei es für die Navigation (Google Maps), die Zahlungsabwicklung (Stripe) oder die Suche (Algolia). Dies rührt daher, dass diese Funktionen zum einen sehr komplex und aufwendig zu programmieren sind und zum anderen nicht den Kern des Geschäftsmodells darstellen. Für die meisten Endnutzer ist dies zumeist nicht oder nur auf den zweiten Blick zu
erkennen und bei der Entscheidung für ein System nicht relevant. Für Unternehmen, die selbst Anwendungen entwickeln wollen – Proptechs etwa, aber zunehmend auch Immobilienunternehmen selbst – ist das Wissen um und Verständnis von per API nutzbaren Services hingegen hochrelevant. Je nach Anforderung reicht es heute, eine Benutzeroberfläche zur Verfügung zu stellen und den Rest durch externe Services abzudecken. So ist es möglich, mit geringen Investitionen und ohne umfangreiche eigene Entwickler-Kapazitäten Testprodukte zu bauen und auszuprobieren. In der Proptech-Szene
gibt es bereits Unternehmen, die in dieser Form auf APIs bauen und darüber Services anbieten. Beispiele sind Bots4You, die einen Chatbot programmiert haben und diesen unabhängig vom Kommunikationskanal – von Whatsapp bis Facebook – anbieten, oder Mietwise, die eine Lösung zur Kautionsverwaltung entwickelt haben und diese konsequent anderen Proptechs per API zur Verfügung stellen. Gerade im Fall von Mietwise wird so aus einem sehr spezifischen Produkt ein Teil eines Komplett-Systems für die Immobilienverwaltung. Und in beiden Fällen erweitern die Unternehmen ihre potenzielle Kundenbasis immens, da Nutzer der integrierten Systeme die Zusatzfunktion ohne Hürde einsetzen können.

Weniger Aufwand durch Datenaustausch zwischen Software-Lösungen
Relevanter für die etablierte Immobilienbranche ist allerdings der Datenaustausch zwischen verschiedenen Systemen und damit auch deren Anbietern. Denn erst dadurch lassen sich manuelle Arbeit und menschliche Kommunikation in Prozessen mit vielen Beteiligten reduzieren und diese effizienter gestalten. Verdeutlichen lässt sich dies besonders am Beispiel der Verwaltung von gewerblichen Immobilien. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass Asset- und Facility Manager in absehbarer Zukunft identische Systeme verwenden werden. Allein schon deshalb, weil die Anforderungen von Asset- und Facility
Managern an Software grundverschieden sind und es für einen neuen Anbieter eine Mammutaufgabe wäre, in beiden Bereichen eine entsprechende Marktdurchdringung zu erreichen. So kommen beide nicht umhin, Daten wie beispielsweise monatliche Reportings in Form von E-Mails, Excel-Tabellen oder gar PDFs auszutauschen – ein hoher Aufwand. Das gleiche gilt für das Reporting vom Asset Manager an den oder die Investoren. Der Einsatz von bisherigen, oft inkompatiblen Systemen und Formaten kostet alle Beteiligten nicht nur Zeit, Aufwand und Nerven, sondern führt nicht selten auch zu Übertragungsfehlern.

Abhilfe schaffen hier APIs, die zwei Softwareanbieter entweder direkt miteinander einrichten – in dem Fall spricht man eher von Integrationen – oder aber einzelne Anbieter, wenn sie ihr System an festgelegten Punkten öffnen und dokumentieren, wie Datenabfragen zu erfolgen haben. Letztere, also offene Schnittstellen, sind gerade in heterogenen und jungen Bereichen wie dem Proptech- Segment vorteilhaft, um eine hohe Konnektivität zwischen Systemen zu schaffen und auch neuen Anbietern die Möglichkeit des Zugriffs zu bieten, ohne dass jedes Mal Entwicklungsaufwand auf beiden Seiten entsteht.

Für die Nutzer der Systeme ist das hochrelevant. Denn nur so erhalten sie eine hohe Sicherheit, dass auch künftige Anwendungen in ihre bestehende Systemlandschaft passen. Daraus folgt: Immobilienunternehmen sollten und werden in Zukunft sowohl bei der Auswahl von Software als auch von Dienstleistern wie Asset oder Facility Managern verstärkt auf Schnittstellenkompatibilität achten. Im Bereich Software werden offene Schnittstellen oder zahlreiche Integrationen als Garant für Flexibilität und Zukunftssicherheit gelten. Bei der Auswahl von Dienstleistern werden folgende Fragen entscheidend: Kann das System des Dienstleisters mit meiner Software interagieren? Und wenn nein, wie aufwendig ist es eine API oder Integration zu schaffen? Reportings per E-Mail, Excel oder PDF sind nicht mehr zeitgemäß und kosten wertvolle Ressourcen. Die Qualität digitaler Lösungen hängt deshalb direkt mit dem Vorhandensein und der Qualität von Schnittstellen zusammen.

Dieser Artikel stammt aus der immobilienmanager Ausgabe 12-2019 (Autor: Jakob Schulz, Head of Corporate Development bei Blackprintpartners).

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30.03.2020