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Duales Studium Immobilienwirtschaft: Auf dem Sprung

Immobilienunternehmen haben es wiederentdeckt: Ein duales Studium Immobilienwirtschaft bietet viele Vorteile – wenn Unternehmen und Studenten es richtig angehen.

Ein duales Studium Immobilienwirtschaft kann ein Karrieresprungbrett sein (Foto: Clem Onojeghuo/Unsplash.com)
Auf dem Sprung: Das duale Studium erlebt in der Immobilienwirtschaft gerade ein Revival (Bild: Clem Onojeghuo/Unsplash.com)

Iris Schönbeck macht keinen Hehl daraus, dass es zunächst ziemlich zäh lief. „Wir mussten schon einen langen Atem haben und ordentlich für unser Angebot für ein duales Studium der Immobilienwirtschaft trommeln.“ Mittlerweile gibt es für die HR-Direktorin von Corpus Sireo aber keinen Grund mehr zum Pessimismus. Denn das duale Studium, das ihr Unternehmen vor zweieinhalb Jahren wiederentdeckt hat, kommt bei den Nachwuchskräften immer besser an. Es wird zunehmend leichter, geeignete Bewerber zu finden.

„Als mittelständisches Unternehmen mit rund 600 Mitarbeitern ist das duale Studium der ideale Weg, um Berufseinsteigern  zu zeigen, wie wir arbeiten“, erklärt Schönbeck. Diese Erkenntnis kam wie bei vielen Immobilienunternehmen wohl nicht ganz freiwillig. Schuld waren vielmehr die viel gescholtene Bologna-Reform und die Umstellung auf das Bachelor- und Master-System an den Hochschulen.

Duales Studium Immobilienwirtschaft lässt kaum Zeit
Bis zu diesem Zeitpunkt waren es Immobilienunternehmen gewohnt, dass Studenten in der vorlesungsfreien Zeit für drei, vier oder sogar sechs Monate ein Praktikum bei ihnen absolvierten. Wer dabei einen guten Eindruck hinterließ, konnte später seine Abschlussarbeit im Unternehmen schreiben und hatte anschließend gute Aussichten auf eine Festanstellung. Recruiting leicht gemacht.

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Dieses Modell ist praktisch nicht mehr existent. Denn die engen Studienpläne lassen den angehenden Bachelor und Master schlicht keine Zeit mehr dafür. Und so entdeckte die Branche notgedrungen den Klassiker duales Studium der Immobilienwirtschaft wieder. Aktuell gibt es in Deutschland bereits mehr als 40 duale Studiengänge an staatlichen und privaten Hochschulen.

Bei Corpus Sireo bereiten sich mittlerweile an den zehn deutschen Standorten etwa 20 Studenten im Wechsel von Theorie und Praxis auf ihren späteren Beruf vor. Die angehenden Bachelors wechseln meist alle drei Monate zwischen Hochschule und Unternehmen. Master-Studenten je nach Angebot der Hochschule auch innerhalb einer Woche.

Hartes Pensum für duales Studium Immobilienwirtschaft
So war es auch bei Sandra Altmann. Die Kölnerin absolvierte an der EBZ Business School in Bochum zunächst einen Bachelor of Arts Real Estate, später den Master of Arts Real Estate Management – beide im dualen System. „Freitags bin ich um halb eins von der Arbeit in Köln losgefahren, damit ich um halb drei in der Vorlesung sitzen konnte“, erinnert sie sich.

Montag bis Freitagmittag Job, Freitagnachmittag bis Samstagabend Hochschule – so sah ihr Alltag aus. Im Bachelor-Studium alle zwei bis drei Wochen. Später im Master jedes zweite Wochenende. „Das ist zeitlich wirklich hart, und man muss das schon unbedingt wollen, sonst schmeißt man an den schweren Tagen irgendwann das Handtuch“, sagt Altmann.

Sie hat sich durchgebissen, absolvierte den Bachelor in zwei statt in drei Jahren und arbeitet heute bei der IWB Entwicklungsgesellschaft in Braunschweig als Projektleiterin.

Einen ähnlichen Weg geht derzeit Lukas Maiwald, dualer Masterstudent im Bereich Corporate Management beim Hamburger Immobilienmakler Dahler & Company. Der 22-Jährige schloss bereits ein duales Bachelorstudium in Bau- und Immobilienmanagement an der Hochschule 21 in Buxtehude ab und absolvierte zugleich die Ausbildung zum Immobilienkaufmann und zum Immobilienfachwirt. In seinen Praxisphasen während des Master-Studiums lernt der Student den Arbeitsalltag zum Beispiel im Online-Marketing, Lizenzmanagement oder im Vertrieb kennen.

Im Idealfall können Studenten des dualen Studiums der Immobilienwirtschaft ihr theoretisches Wissen gleich in der Praxis des Jobs anwenden und dadurch vertiefen. Bei Corpus Sireo werden deshalb jedes Semester Einsatzpläne für die Praxisphasen gemacht, die sich am theoretischen Stoff ausrichten, so weit das möglich ist.

Es hapert oft an den Soft Skills
Aber es geht längst nicht immer um die harten Inhalte. Auch die weichen Faktoren dürfen später im Beruf nicht zu kurz kommen – und hier liegt bei einigen der jungen Studenten manches im Argen. Einen engen Austausch mit den Hochschulen gibt es auch zu solchen Problemen allerdings so gut wie gar nicht.

Bei Corpus Sireo versucht man dieses Defizit selbst aufzufangen, mit gemeinsamen Workshops für die Trainees und dualen Studenten. Zweimal im Halbjahr finden diese Treffen statt, aktuell geht es darum, „wie man mit Konflikten im Arbeitsleben umgeht“, erklärt Iris Schönbeck.

Interview mit Sandra Altmann, EBZ Business School

Für Sandra Altmann haben sich die 4.000 Euro Studiengebühren  pro Semester im Master gelohnt. Sie hat ihre Abschlüsse gut und vor allem im vorgegebenen Zeitplan geschafft. Damit war sie eine der wenigen in ihrem Semester. „Wenn man die erste Klausur schiebt, kann man das eigentlich nicht mehr einfangen“, sagt sie. Diese Erfahrungen mussten viele ihrer Kommilitonen machen, denn von anfangs 30 Studenten standen bei der Zeugnisvergabe nur drei auf dem Podium. Die übrigen mussten dem engen Zeitplan Tribut zollen und ein oder mehr Semester länger studieren.

Autor : Markus Gerharz

02.06.2016

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